Revolutionäre OP für ungetrübten Blick

Vorteil der für den Operateur schwierigen, aber vielversprechenden Technik: Das Auge muss nicht mehr großflächig geöffnet werden, sondern es genügt ein kleiner Schnitt. Der Eingriff ist weniger riskant als die klassische Hornhauttransplantation und der Heilungsprozess verläuft schneller. Dr. Thomas Poetsch, bei dem Prof. Kruse die OP-Methode zum 100. Mal durchführte, berichtet: „Ich bin fasziniert von dieser präzisen Operation. Ich wurde vor einer Woche am rechten Auge operiert, ich hatte keinerlei Schmerzen und meine Genesung geht gut voran.“

Die Verpflanzung der Hornhaut des Auges (Cornea) zählt zu den ältesten, häufigsten und erfolgreichsten Transplantationen. Die Genesung ist jedoch langwierig und die Patienten erlangen meist erst nach 18 Monaten die angestrebte, verbesserte Sehschärfe. Der Ersatz von einzelnen Schichten der Cornea erfordert viel chirurgische Erfahrung, zahlt sich aber aus: „Je dünner das Transplantat ist, desto höher wird die Sehschärfe“, erklärt Prof. Kruse. Viele DMEK-Patienten erreichen nach dem nur etwa dreimonatigen Heilungsprozess eine Sehschärfe von 80 %. Weltweit gibt es momentan drei Zentren, in denen die revolutionäre OP-Methode durchgeführt wird: die Augenklinik des Uni-Klinikums Erlangen, das Netherlands Institute for Innovative Ocular Surgery in Rotterdam und die Price Vision Group in Indianapolis (USA).

Einladung zum Pressetermin
Prof. Kruse lädt interessierte Vertreter der Medien in den OP-Saal ein: Es besteht die Möglichkeit, bei einer DMEK-Transplantation anwesend zu sein, zu fotografieren oder zu filmen. Zur Vereinbarung eines Termins wird um Anmeldung bei Barbara Mestel, Tel.: 09131 85-46678, gebeten.
Ungetrübter Blick durch die Linse
Für Thomas Poetsch ist es schon die zweite DMEK-Operation. Nach einer einfachen Operation des Grauen Stars trübte sich, bedingt durch eine Vorerkrankung, sein linkes Auge ein. „Da habe ich mir natürlich Gedanken gemacht und mich in die Thematik eingelesen“, berichtet der 71-jährige Naturwissenschaftler im Ruhestand. „Ein Bekannter wies mich schließlich auf die neuartige Behandlungsmöglichkeit an der Erlanger Augenklinik hin.“ Dr. Poetsch betont, dass er mit der OP in Hamburg zufrieden war, „aber die Möglichkeit von diesem neuen Verfahren zu profitieren, hatte ich eben nur in Erlangen.“ Deshalb setzt er sich in den Zug in die Hugenottenstadt. Die erste DMEK-Transplantation (am linken Auge) wurde im September 2009 durchgeführt: „Das ist ja keine Kleinigkeit, sondern eine OP unter Vollnarkose. Ich hatte aber überhaupt keine Schmerzen und hatte nach weniger als drei Monaten wieder einen ungetrübten Blick“, erinnert sich der leidenschaftliche Hobby-Fotograf, „das ist für mich nahezu unheimlich, wie die Erlanger Operateure es schaffen ein so kleines Häutchen ganz exakt zu platzieren.“

Eine Woche nach seiner zweiten (rechtes Auge) und Erlangens 100. DMEK-Transplantation soll sich Dr. Poetsch noch schonen, aber er kann schon wieder lesen und fernsehen und wird voraussichtlich in den kommenden Tagen entlassen. Viel von Erlangen gesehen hat er während seiner Aufenthalte nicht, erfreut sich aber bei gutem Wetter am benachbarten Aromagarten: der Tipp eines Ortsansässigen.

An der Augenklinik des Uni-Klinikums Erlangen werden jährlich rund 300 Augenhornhäute transplantiert. Die Klinik hat eine eigene Hornhautbank, in der sie die gespendeten Corneas kultiviert und konserviert, um so bei Bedarf schnell ein Spenderorgan zur Verfügung zu haben. „Auf eine passende Hornhautspende müssen Patienten allerdings dennoch häufig einige Zeit warten“, berichtet Prof. Kruse.

Weitere Informationen für die Medien:
(idw, 06/2010)

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