Restless-Legs-Syndrom (RLS) – häufig sehr spät erkannt

Das Restless-Legs-Syndrom und seine verschiedenen Formen

 

Restless-Legs-Syndrom (RLS): Zucken in den Beinen und unruhiger Schlaf mindern Lebensqualität

Wenn es nachts unkontrolliert in den Beinen zuckt, diese Beschwerden über mehrere Nächte anhalten, der Betroffene unruhig ist und nicht mehr ruhig schläft, dann kann ein Restless-Legs-Syndrom (RLS) vorliegen. Sensible und motorische Beschwerden der Beine, die in Ruhe auftreten, sowie ein Bewegungsdrang, der zu ausgeprägten Schlafstörungen führen kann, gehören zu den charakteristischen Symptomen beim Restless-Legs-Syndrom. Häufig wird das Restless-Legs-Syndrom, eine neurologische Erkrankung zu spät erkannt. Fehldiagnosen wie psychosomatische Beschwerden, lnsomnie, Neuropathien und Venenerkrankungen sind dabei häufig (Tison et al 2005).

RLS-Beschwerden: quälende Unruhe mit Bewegungsdrang beeinträchtigt Lebensqualität
Viele Patienten kennen RLS-Beschwerden, leiden von Zeit zu Zeit unter diesen Beschwerden, ohne täglich davon beeinträchtigt zu sein. Auch Schlafstörungen – durch RLS verursacht – können mild sein. Bei einem Teil der Patienten, meistens den älteren Patienten, sind die RLS Symptome jedoch schwer beeinträchtigend, sodass ausgeprägte Schlafstörungen auftreten. Durch die quälende Unruhe mit Bewegungsdrang kommt es beim mittelgradigen bis schweren RLS zu einer massiven Beeinträchtigung der Lebensqualität und durch die chronischen Schlafstörungen zu teilweise ausgeprägten Beeinträchtigungen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit tagsüber, die nachweislich mehrfach zu Berentungen geführt haben. Die Folgen eines dauerhaften Schlafdefizits sind weiterhin quälende Tagesmüdigkeit, die häufig zu Unfällen (2.8. im Straßenverkehr), zu lsolation und Depressionen und bisweilen sogar zum Suizid führt. Durch die Beeinträchtigung des Schlafes können Tagesmüdigkeit, aber auch Konzentrationsstörungen und eine Verminderung der Leistung bei der Arbeit entstehen. Die ökonomischen Folgen eines unbehandelten RLS und möglicher Berentungen in Deutschland werden derzeit untersucht.

Ursachen für das Restless-Legs-Syndrom oft genetisch bedingt
Bis zu 60 – 70 Prozent der RLS Patienten zeigen eine positive Familienanamnese mit meist autosomal dominantem Erbgang. Bisher sind aus molekulargenetischen Studien weltweit 9 unterschiedliche Loci bekannt, eine Assoziation mit mindestens 3 verschiedenen Genen wurde kürzlich von der Münchner Arbeitsgruppe beschrieben.

Pathophysiologisch geht man derzeit von einer Übererregbarkeit supraspinaler Systeme aus, einschließlich des dopaminergen Systems, das zu einer verminderten spinalen Hemmung führt und die unangenehmen Beschwerden in Ruhe sowie PLM auslöst. Eine neuro-degenerative Erkrankung wie M. Parkinson besteht nicht. Verminderte Eisenspeicher oder Eisenmangel scheinen eine bedeutende Rolle zu spielen. Eine dopaminerge Misbalance und lnteraktion des dopaminergen und opioidergen Systems scheinen insbesondere spinal sensible und motorische Symptome auszulösen.

Rotigotin Pflaster zur Behandlung des Restless-Legs-Syndrom
Die typische Anamnese und ein unauffälliger neurologischer Untersuchungsbefund ermöglichen rasch die klinische Diagnosestellung . Zusätzliche laborchemische und elektrophysiologische Untersuchungen sind notwendig, um assoziierte Erkrankungen zu erfassen. Die lndikation zu einer schlaf-polygraphischen Untersuchung zur Registrierung der bei RLS-Patienten üblichenweise auftretenden periodischen Beinbewegungen (PLM) muss differenziert gestellt werden. Die therapeutischen Maßnahmen richten sich hauptsächlich nach der Art und dem Schweregrad des RLS. A – Minimalkriterien – Essential Criteria (2003) (obligat. zur Diagnose erforderlich)

  1. Sensible Störungen wie Parästhesien, Dysästhesien, Missempfindungen, Kribbeln, Schmerzen i. d. Extremitäten, meist Waden, verbunden mit einem Bewegungsdrang der Beine, uni- oder bilateral, in der Tiefe lokalisiert
  2. Auftreten und Verstärkung der Symptome nur in Ruhe und in Entspannungssituationen
  3. Teilweise oder vollständige Erleichterung der Symptomatik durch Bewegung
  4. Tagesrhythmik mit Zunahme der Symptomatik abends und nachts.

Falls sich durch kausale Maßnahmen die RLS Symptomatik nicht bessern lässt und schlafhygienische Maßnahmen erschöpft sind, stellt die dopaminerge Behandlung die Therapie erster Wahl dar (DGN-Leitlinie RLS). L-DOPA in der Standard- und Retardform ist in Deutschland fÜr die Behandlung des RLS zugelassen und wird insbesondere für intermittierende Symptome und leichtes RLS verabreicht, ist jedoch bei schwerem RLS oft nicht ausreichend wirksam. Eine chronische und höher dosierte (>300-400m9) L-DOPA Therapie wird häufig von einer sogenannten Augmentation begleitet. Bei der Augmentation während der Therapie mit L-DOPA am Abend handelt es sich um eine Zunahme der RLS Symptomatik tagsüber. Dopaminagonisten stellen eine alternative, effektive und insgesamt gut verträgliche Behandlungsmöglichkeit dar. ln Deutschland sind als non-ergolinerDopaminagonisten in Tabletten-Form Ropinirol und Pramipexol und als Pflaster Rotigotin zugelassen.

RLS-Therapie – Eisenstoffwechsel berücksichtigen
Zusammenfassend handelt es sich beim mittelgradig bis schwer ausgeprägten RLS um eine schwerwiegende, die Lebensqualität auf Dauer nachhaltig beeinträchtigende Erkrankung. Derzeit ist nicht bekannt, wie viele Patienten wirklich eine kontinuierliche Therapie für RLS benötigen. Schätzungen aus einer Epidemiologischen Studie in Dortmund (persönliche Mitteilung, Prof. Berger, Münster) gehen von ca. 10 Prozent der RLS Betroffenen aus, d.h, ca. 0.5 – 1 Prozent der Bevölkerung.

Ziel der Versorgung von RLS Patienten muss sein, rechtzeitig eine korrekte Diagnose zu stellen, um Fehldiagnosen und nicht-korrekte Behandlungen zu vermeiden. lnsbesondere muss auf den Eisenstoffwechsel geachtet werden, der bei RLS Patienten beeinträchtigt ist. Eine Therapie mit dopaminergen Medikamenten ist erste Wahl bei einem behandlungsbedürftigen RLS. Die Therapie muss der Schwere der Symptomatik angepasst sein und sollte in der Dosierung so niedrig wie möglich erfolgen.

Quelle
Pressekonferenz ,,Neue Therapieoption für Parkinson und Restless-Legs- Syndrom“
Wiesbaden, 28. Sept. 2011
Veranstalter: Bayer Vital GmbH

Vortrag:
Das Restless-Legs-Syndrom: häufig aber zu oft zu spät erkannt
Prof. Dr. med. Glaudia Trenkwalder
Paracelsus-Elena-Klinik Kassel

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