Reproduktionsmedizin: Männliche Hormone fördern Eizellreifung

Schon seit vielen Jahren ist bekannt, dass jede Frau mit einem begrenzten Vorrat an Eizellen geboren wird. Mit Beginn der Menstruation reduziert sich die Eizellreserve zunehmend. Damit sinkt auch die Chance, schwanger zu werden. „Statistisch halbiert sich die Fruchtbarkeit zwischen dem 25. und dem 37. Lebensjahr“, so Professor Kleinstein. Allerdings ist die individuelle Schwangungsbreite auch sehr groß. Mediziner schätzen, das zwischen 100.000 und 200.000 Frauen in Deutschland bereits vor dem 37. Lebensjahr Probleme haben, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Viele suchen dann Hilfe bei Gynäkologen und Reproduktionsmedizinern.

„Den kinderlosen Frauen können wir heute viel besser helfen, als noch vor wenigen Jahren“, sagt Professor Kleinstein. Wie groß die Chance auf eine erfolgreiche Kinderwunschbehandlung für eine Frau ist, lässt sich durch die Bestimmung des so genannten „Anti-Müller-Hormons“ (AMH) im Blut herausfinden. Das AMH wird im Eierstock gebildet und ist ein untrüglicher Hinweis auf die Eizellreserve.

„Zwar kann die Zahl der noch vorhandenen Eizellen nicht künstlich erhöht werden, wohl aber die Chancen, dass ein Teil der natürlich gebildeten Eizellen besser heranreift und letztlich auch befruchtet wird“, sagt Professor Kleinstein. Dazu werden männlichen Geschlechtshormonen (Androgene) eingesetzt.

Androgene greifen auf natürliche Weise in die ersten Stadien der Eizellreifung, etwa vier Monate vor dem eigentlichen Eisprung, ein. Diese Forschungsergebnisse werden neuerdings in der Kinderwunschbehandlung berücksichtigt.

Gute Ergebnisse haben die Ärzte am Magdeburger Universitätsklinikum in jüngster Zeit mit dem milden Hormon DHEA gesammelt, das eine Vorstufe für die Sexualhormone ist. „Unter dieser Therapie wurden etwa dreimal mehr Frauen Mitte der 30er Jahre schwanger als ohne“, fasst Professor Kleinstein die bisherigen Erfahrungen zusammen. Außerdem registrierten die Mediziner weniger ungewollte Schwangerschaftsverluste (Aborte) und auch keine Vermännlichung, wie etwa Bartwuchs oder eine tiefere Stimme.

„Wir sehen darin eine Erweiterung der Therapiemöglichkeiten für ungewollt kinderlose Paare“, erläuterte Professor Kleinstein.

Die Magdeburger Arbeitstagung Reproduktionsmedizin, interdisziplinäre Andrologie und Endokrinologie (MARIE) fand am 19. März 2011 statt. Die Fortbildungsveranstaltung wurde bereits zum 14. Mal alljährlich im Frühjahr durchgeführt und richtet sich an niedergelassene Frauenärzte aus Sachsen-Anhalt, Medizinisch-Technische Assistenten und Medizinstudenten.

Weitere inhaltliche Auskünfte für Redaktionen erteilt Prof. Dr. Jürgen Kleinstein, Universitätsklinik für Reproduktionsmedizin und Gynäkologische Endokrinologie Magdeburg, Telefon: (0391) 67-17390.

Text: Uwe Seidenfaden

Scroll to Top