Religiosität und Spiritualität in Psychiatrie und Psychotherapie

Die kulturelle Vielfalt in Deutschland wächst: Fast ein Fünftel der Einwohner hat heute ausländi-sche Wurzeln, die Lebenswelten differenzieren zusehends. Die unterschiedlichen Wertvollstellungen, Weltdeutungen und religiösen Überzeugungen spielen auch in der psychiatrisch-psychothera-peutischen Versorgung eine immer größere Rolle. „Ohne Verständnis für diese Besonderheiten be-steht die Gefahr, dass religionsspezifische Tabus und Grenzen in der Therapie unwissentlich ver-letzt werden. Interkulturelle Kompetenzen – gerade in Bezug auf Religion und Weltanschauung – sind deshalb in der Versorgung unverzichtbar“, stellt Professor Michael Utsch fest, der bei der DGPPN das Fachreferat für Religiosität und Spiritualität leitet.

In einem neuen Positionspapier gibt die DGPPN nun konkrete Empfehlungen zum Umgang mit der Thematik. „Zentral ist, dass die Behandler im klinischen Alltag erkennen, ob der Glaube bei einer psychischen Erkrankung Teil des Krankheitsbildes ist oder sich als Ressource in die Behandlungsstrategie einbinden lässt“, so Professor Michael Utsch weiter. Die Fachgesellschaft hat insgesamt zehn Empfehlungen formuliert, die zum Beispiel die Neutralität, die professionellen Grenzen oder das Diversity Management und die Passung in der therapeutischen Beziehung betreffen.

Aus Sicht der DGPPN gilt es, das Bewusstsein für die Bedeutung religiöser und spiritueller Fragestellungen im Fachgebiet insgesamt zu stärken. Sie fordert deshalb neue Initiativen für Deutschland, die das Thema in der Forschung, Lehre, Aus- und Weiterbildung sowie in der klinischen Arbeit weiter vorantreiben.

Zum Positionspapier: www.dgppn.de > Presse > Positionspapier
Dieses Positionspapier erscheint auch in der Fachzeitschrift Spiritual Care (DOI 10.1515/spircare-2016-0220).

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