Register könnte Tierforschung verbessern

Tierversuche sind oft notwendig, um Krankheiten und ihre Entstehung besser zu verstehen und so Therapien für Menschen entwickeln zu können. Doch derzeit werden nur rund die Hälfte der Ergebnisse dieser Versuche in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht und zudem sind die publizierten Ergebnisse oft schwierig zu reproduzieren. Um das zu verbessern, wird derzeit die Einführung eines internationalen und öffentlichen Tierstudienregisters diskutiert, in das Forscher Versuche und Ergebnisse genau und vollständig eintragen – ebenso, wie es bei klinischen Studien der Fall ist, an denen Menschen teilnehmen.

Die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Dr. Daniel Strech aus der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat 130 Aspekte und Argumente für beziehungsweise gegen ein solches Tierstudienregister zusammengetragen und in der wissenschaftlichen Zeitschrift PLOS Biology veröffentlicht. Dafür haben Mitarbeiter des MHH-Instituts für Geschichte, Ethik und Philosophie der Medizin 24 nationale und internationale Forscher, Vertreter der Industrie und von Regulierungsbehörden befragt. „Alle stimmten darin überein, dass ein solches Register die Zahl unnötiger Wiederholungen von Tierversuchen senken und deren Qualität insgesamt steigern würde. Dies wäre auch für die Planung früher klinischer Studien an Menschen sehr relevant. Jedoch befürchteten sie auch, dass es zum Diebstahl von Ideen kommen sowie zu einem höheren Verwaltungsaufwand führen könnte – wobei sie auch Ideen für Maßnahmen gegen diese Probleme hatten“, fasst Professor Strech das Resultat zusammen. „Ich bin seit meiner Studie davon überzeugt, dass wir ein solches Register brauchen. Allerdings müssen bei dessen konkreter Ausgestaltung die Interessen von Forschern, Geldgebern und Tieren bestmöglich berücksichtigt werden“, sagt er. Die Studie von Professor Strech hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

In einem solchen Tierstudienregister würden Wissenschaftler vor dem Studienbeginn die Anzahl der Tiere, die geplante Dauer, Kontrolle und statistische Auswertung der Experimente in einer Online-Datenbank eintragen. „Es bestünde dann nicht mehr die Möglichkeit, dies nach dem Studienbeginn unbemerkt zu verändern, um ein bestimmtes Ergebnis herauszubekommen. Wahrscheinlich würden Wissenschaftler Studien dann noch besser planen und auch negative Ergebnisse häufiger publizieren, da sie wissen, dass andere Forscher und Behörden die Studie einsehen können“, berichtet Professor Strech aus den Interviews.

Bevor Forscher eine Studie durchführen, könnten sie im Register prüfen, ob eine ähnliche Studie bereits durchgeführt worden oder geplant ist. „Das würde doppelte Studien vermeiden und könnte zur Zusammenarbeit von Teams führen. Zudem könnten die Daten einer anderen Studie helfen, die eigene Studie zu verfeinern: Wenn man zum Beispiel herausfinden möchte, welche Antibiotikum-Dosis besonders wirkungsvoll ist, muss man nicht die testen, die andere Teams schon getestet hat“, erläutert er. Als Nachteile führt er auf, dass es dazu kommen könne, dass ein anderes, größeres Labor die Idee eines Forschers aufnimmt und die Experimente schneller durchführt. „Das müsste irgendwie verhindert werden – beispielsweise dadurch, dass Details zur Tierstudie erst öffentlich einsehbar sind, wenn sie publiziert wurden oder sonst nach spätestens zwei Jahren“, sagt Professor Strech. Einige seiner Interviewpartner befürchteten, dass ein Tierregister unnötigen Verwaltungsaufwand mit sich bringen würde. „Doch andere wiederum wiesen darauf hin, dass eine Registrierung weniger Zeit kostet als vieles andere, was man für die Durchführung einer Tierstudie machen muss“, erläutert Professor Strech.

Die Publikation „Animal Study Registries: Results from a Stakeholder Analysis on Potential Strengths, Weaknesses, Facilitators, and Barriers“ finden Sie im Internet unter: http://dx.doi.org/10.1371/hournal.pbio.2000391. Der Text basiert auf einem Interview, das David Grimm mit Professor Strech geführt und in der Zeitschrift „Science“ online publiziert hat. Sie finden es im Internet unter: http://www.sciencemag.org/news/2016/11/qa-should-all-animal-experiments-be-listed-public-registry.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Dr. Daniel Strech, Telefon (0511) 532-6498, strech.daniel@mh-hannover.de.

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