Rauchverbote verbesserten die Gesundheit von Passivrauchern und -raucherinnen

Die SOEP-Daten zeigen, dass sich durch das Rauchverbot vor allem die Gesundheit der Passivraucherinnen und -raucher – also derjenigen Menschen, die mit mindestens einem Raucher oder einer Raucherin in einem Haushalt leben – signifikant verbessert hat. „Vor allem junge Nichtraucherinnen und Nichtraucher unter 30 Jahren schätzen ihre Gesundheit seit Einführung der Rauchverbote positiver ein als zuvor“, sagt Daniel Kühnle von der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, einer der Autoren. Der vermutliche Grund: Junge Männer und Frauen gehen viel aus und tun das seit Einführung des Rauchverbots vorwiegend in qualmfreien Clubs. Bei jungen Menschen, die rauchten, zeigten sich hingegen nach der Einführung des Rauchverbots keine positiven Gesundheitseffekte. Die rauchenden jungen Männer gaben im Durchschnitt sogar an, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hätte. „Vermutlich führte der zeitweilige Nikotinentzug bei ihnen zu Stress, der sich auf das Gesundheitsempfinden auswirkte“, sagt Christoph Wunder von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Co-Autor der Studie.

Je älter die Menschen sind, desto weniger scheint ihre Gesundheit vom Rauchverbot zu profitieren. Bei Männern und Frauen ab 50 Jahren hatte das Rauchverbot tendenziell keinen Effekt auf die Gesundheit. Insgesamt betrachtet waren die positiven Effekte der Rauchverbote auf die Gesundheit bei den Frauen stärker ausgeprägt als bei den Männern.

Die 2007 eingeführten Rauchverbote gelten – in unterschiedlicher Ausgestaltung – seit 2008 in allen Bundesländern in öffentlichen Gebäuden, Gaststätten, Discotheken und Kneipen. Um herauszufinden, wie sich das Rauchverbot auf die Gesundheit der Menschen hierzulande ausgewirkt hat, hatten die Ökonomen die Angaben von 28.000 Menschen analysiert, die kurz vor und kurz nach Einführung des Rauchverbots im Rahmen der Langzeitstudie SOEP befragt worden waren. Die Befragten hatten unter anderem auf einer 5-Punkte-Skala angegeben, wie sie ihre Gesundheit selbst einschätzten. Die Antworten auf diese Frage dienten den Forschern als Indikator für den Gesundheitszustand der Befragten.

In einigen Bundesländern wurde das Rauchverbot zunächst eingeführt, ohne dass Bußgelder bei Nichteinhaltung damit verbunden waren. Aber auch in diesen Ländern wurde das Verbot offenbar eingehalten, denn die Autoren der Studie konnten entsprechende Gesundheitseffekte messen. Daniel Kühnle und Christoph Wunder führen das im Wesentlichen darauf zurück, dass sich durch das Rauchverbot eine soziale Norm durchgesetzt habe, die bereits vorher für viele galt. „Aus früheren Untersuchungen wissen wir, dass die meisten Menschen in Deutschland ein Rauchverbot bereits vor der Reform befürwortet haben“, sagt Daniel Kühnle.

STICHWORT SOEP:

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin ist Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland und wird unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut Kantar Public mehrere tausend Menschen befragt. Zurzeit sind es etwa 30.000 Befragte in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Persönlichkeitsmerkmale, Bildung, Gesundheit, Einkommen, Erwerbstätigkeit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

DIE STUDIE:

Kuehnle, Daniel und Christoph Wunder. 2016. The effects of smoking bans on self-assessed health: evidence from Germany. Health Economics 26, Nr. 3, 321-337.

http://doi.org/10.1002/hec.3310

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