Rätsel um undichte Darmnähte gelöst – Bakterien verursachen gefürchtete Komplikation nach Bauch-OPs

Nach der Entfernung eines erkrankten Darmabschnitts muss der Chirurg die Verbindung – die Anastomose – zwischen den Darmenden wieder herstellen. „Technisch ist dies kein Problem, Chirurgen wissen, worauf sie achten müssen“, erklärt Professor Dr. med. Dietmar Lorenz, Präsident der DGAV. Doch auch die perfekte Naht ist keine Garantie, dass zusammenwächst, was zusammengefügt wurde.

Im ungünstigsten Fall entsteht in der Nahtreihe der Darmwand ein Loch, eine Insuffizienz. Dann entweicht Stuhl in den Bauchraum und löst eine massive Infektion aus, die sich zur Lebensbedrohung entwickeln kann. „In jedem Fall werden aufwendige, teure Nachbehandlungen notwendig“, betont Lorenz.

Bislang wurden die Ursachen für diese Anastomosen-Insuffizienz auf Seiten der Chirurgen gesucht. „Eine hohe Spannung auf der Naht, Durchblutungsstörungen, fehlerhafte Nahttechniken, ungeeignetes Nahtmaterial und andere mechanische Faktoren galten als Auslöser“, erklärt Professor Lorenz, Direktor und Chefarzt der Klinik Allgemein- und Viszeralchirurgie am Sana Klinikum Offenbach.

Neuere Forschungsergebnisse rücken nun Bakterien, die natürlicherweise im Darm vorkommen, in den Fokus. „Alverdy und seine Forschergruppe haben als erste gezeigt, warum und auf welche Weise Bakterien chirurgische Komplikationen nach Operationen am Gastrointestinaltrakt verursachen“, erläutert der DGAV-Präsident.

Denn die Operation verändert die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm, im sogenannten Mikrobiom. „Häufig verschwinden die guten Bakterien, die die Wundheilung nicht stören, und die schlechten nehmen dramatisch zu“, erläutert Lorenz: „Die schlechten Bakterien setzen dann Substanzen frei, die die Elemente zerstören, die unser Körper hergestellt hat, um den Heilungsprozess nach der chirurgischen Wiedervereinigung der Darmenden in Gang zu bringen“.

Zwar haben Studien gezeigt, dass die Anastomosen-Insuffizienz durch das Auftragen von Antibiotika im Darmtrakt erfolgreich verhindert werden kann. John Alverdy sieht darin jedoch nicht die endgültige Lösung – Ziel müsse sein, die guten Bakterien im Darm zu fördern und die schlechten zu verdrängen.

„Durch hochmoderne Forschungsansätze werden wir in Kürze noch viel mehr über diese Vorgänge erfahren“, erwartet Lorenz. Schließlich werde es möglich sein, das Mikrobiom so zu beeinflussen, dass pathogene Bakterien, die Anastomosen-Insuffizienzen verursachen können, unterdrückt werden. „Damit können wir auch den Einsatz von Antibiotika reduzieren und das Problem der multiresistenten Krankenhauskeime besser in den Griff bekommen“, betont DGAV-Präsident Lorenz.

Professor Dr. med. John C. Alverdy ist Inhaber des Sarah and Harold Lincoln Thompson Lehrstuhls für Chirurgie an der Universität von Chicago. Die Ehrenmitgliedschaft der DGAV wird ihm am 26. April 2016 verliehen.

Weitere Infos:

– Bei Veröffentlichung Beleg erbeten. –

Termine der Pressekonferenzen:

Vorab-Pressekonferenz
Mittwoch, 20. April 2016, von 11.30 bis 12.30 Uhr
Ort: Bibliothek der DGCH, Langenbeck-Virchow-Haus
Anschrift: Luisenstraße 58/59, 10117 Berlin

Kongress-Pressekonferenzen
Die Pressekonferenzen der DGCH finden während des Kongresses täglich im CubeClub, Ebene 1, Westfoyer im CityCube statt.
Anschrift: Messedamm 26/Ecke Jafféestraße, 14055 Berlin

Dienstag, 26. April 2016, von 12.00 bis 13.00 Uhr
Mittwoch, 27. April 2016, von 12.00 bis 13.00 Uhr
Donnerstag, 28. April 2016, von 12.00 bis 13.00 Uhr
Freitag, 29. April 2016, von 12.00 bis 13.00 Uhr

Weitere Terminhinweise:
Verleihung der DGAV-Ehrenmitgliedschaft an Professor John C. Alverdy
Termin: Dienstag, 26. April 2016, 14.00 Uhr bis 15.30 Uhr
Ort: CityCube, Messedamm 26/Ecke Jafféestraße, 14055 Berlin, Saal A1

DGAV- Ehrensitzung mit Vortrag von Professor Dr. med. John C. Alverdy
Termin: Mittwoch, 27. April 2016, 15.00 Uhr
Ort: CityCube, Messedamm 26/Ecke Jafféestraße, 14055 Berlin, Saal A1

Ihr Kontakt für Rückfragen:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)
Anne-Katrin Döbler und Kerstin Ullrich
Pf 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-641
Fax: 0711 8931-167

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