Radiojod-refraktärer Schilddrüsenkrebs – Neue Behandlungsoption

Schilddrüsenkrebs ist der am häufigsten auftretende Tumor der endokrinen (in den Blutkreislauf abgebenden) Drüsen. In den deutschen Krankenhäusern stagniert die Zahl der Fälle von Schilddrüsenkrebs, die auch als bösartige Neubildungen der Schilddrüse bezeichnet werden. Dennoch: jedes Jahr werden 20 000 Patienten mit der Diagnose Schilddrüsenkrebs konfrontiert (1). Frauen sind häufiger von Schilddrüsenkrebs betroffen als Männer. (2)

Weltweit werden jedes Jahr mehr als 298.000 neue Fälle von Schilddrüsenkarzinom diagnostiziert, etwa 40.000 Menschen pro Jahr sterben weltweit an dieser Krebsart.

335

Schilddrüsenkrebs meist gut behandelbar – Radiojod-refraktärer Schilddrüsenkrebs problematischer

Etwa 94 Prozent aller Fälle von Schilddrüsenkrebs werden als „differenzierte Schilddrüsenkarzinome“ klassifiziert. Dazu gehören der papilläre, follikuläre (inklusive Hürthle-Zell) und schlecht differenzierte Typ des Schilddrüsenkrebses.

Zwar ist der differenzierte Schilddrüsenkrebs meist gut behandelbar, jedoch sind die Radiojod-refraktären, weit fortgeschrittenen oder metastasierten Formen schwieriger zu behandeln und gehen mit einer deutlich verminderten Überlebensrate einher.

Differenziertes Schilddrüsenkarzinom – Behandlungsoptionen erwartet

„Das differenzierte Schilddrüsenkarzinom ist eine seltene, aber schwere Krankheit und Patienten warten seit 40 Jahren auf neue Behandlungsoptionen“, sagte Dr. Jörg Möller, Mitglied des Executive Committees von Bayer HealthCare und Leiter der Globalen Entwicklung.

Schilddrüsenkrebs Diagnose: Knoten kein hinreichendes Merkmal

Die Erst-Diagnose ist schwer, da es nach Prof. Dr. med. Ralf Paschke, Klinik für Endokrinologie und Nephrologie 
Universität Leipzig, bei mehr als 70% der Patienten keine hinreichenden Symptome gibt. Die Feststellung von Knoten sind allein kein hinreichendes Merkmal, das für die Diagnose Schilddrüsenkrebs ausreichend ist: „Knoten finden sie bei 20% der deutschen Bevölkerung“, aber nur ein kleiner Prozentsatz hiervon hat nach Prof. Paschke tatsächlich Schilddrüsenkrebs.  


Quelle: MEDIZIN ASPEKTE nach Daten, die sich auf eine Tabelle beziehen, die am 23.06.2014 10:25 Uhr unter www.gbe-bund.de erstellt wurde:
(1) Diagnosedaten der Krankenhäuser ab 2000; die Angaben für das Jahr 2012 wurden am 17.12.2013 ergänzt; Gesundheitsberichterstattung des Bundes 23.06.2014 unter http://www.gbe-bund.de; Link vom 10.07.2014 / Stichwort: Schilddrüsenkrebs

Schilddrüsenkrebs Behandlung mit guten Aussichten

Schilddrüsenkrebs ist nach Prof. Paschke sehr gut behandelbar. Zunächst wird der Schilddrüsenkrebs operativ entfernt. Anschließend erfolgt meist eine medikamentöse Therapie mit Radiojod. Bei der Therapie mit Radiojod wird der Vorteil genutzt, dass Jod nur von der Schilddrüse aufgenommen und gespeichert wird.

In der Schilddrüse zerstört die radioaktive ß-Strahlung des Radiojods die Krebszellen. Die Betastrahlung hat eine kurze Reichweite, die nur auf die unmittelbare Zellumgebung wirkt. Da Radiojod außerdem nur eine kurze  Halbwertszeit von 8 Tagen hat, ist die Aufenthaltsdauer des Patienten im Krankenhaus auch entsprechend kurz.

Sollte nach wiederholter Radiojodtherapie noch kein Erfolg verzeichnet werden kann, bestand bisher nur die Möglichkeit einer Chemotherapie. Der Wirkstoff Sorafenib bietet nunmehr als oral wirksamer Multi-Kinase-Inhibitor eine zusätzliche Therapiealternative.


Bildquelle: 
(2) Verbreitung von Schilddrüsenkrebs bei Männern und Frauen; Deutschland 2004; Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2010) Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland; Entwicklung der Prävalenzen zwischen 1990 und 2010; S. 128 Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 
RKI, Berlin; Link vom 10.07.2014

Differenziertes Schilddrüsenkarzinom: oral wirksamer Multi-Kinase-Inhibitor zur Behandlung zugelassen

Die Europäische Kommission hat den oral wirksamen Multi-Kinase-Inhibitor Nexavar® (Sorafenib) zur Behandlung von Patienten mit progressivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, differenziertem (papillärem / follikulärem / Hürthle-Zell-) Schilddrüsenkarzinom, welches gegenüber radioaktivem Jod refraktär ist, zugelassen. Bereits im Vorfeld wurde Nexavar zur Behandlung des follikulären und des papillären Schilddrüsenkarzinoms in der EU der „orphan drug“-Status erteilt.

Sorafenib zur Behandlung verschiedener Krebsarten

Der Wirkstoff Sorafenib wird als Krebsmedikament oral (über den Mund) verabreicht und bereits in über 100 Ländern zur Behandlung von Leberkrebs und fortgeschrittenem Nierenkrebs zugelassen ist. In Europa ist Sorafenib (Nexavar) zur Behandlung von hepatozellulären Karzinomen (HCC) und fortgeschrittenen Nierenzellkarzinomen (RCC) zugelassen, wenn eine Interferon-Alpha- oder Interleukin-2-Therapie nicht anschlägt oder nicht in Betracht kommt. Nunmehr ist der Wirkstoff nicht nur in den USA sondern auch in der EU zusätzlich für die Behandlung von lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, differenziertem Schilddrüsenkrebs bei den Patienten zugelassen, die auf eine Behandlung mit radioaktivem Jod (Radiojod) nicht mehr ansprechen.

Wie präklinische Studien gezeigt haben, hemmt Sorafenib verschiedene Kinasen, die an der Zellproliferation (Zellwachstum) und der Angiogenese (Blutgefäßbildung) beteiligt sind – zwei wichtige Prozesse, die das Krebswachstum ermöglichen. Zu diesen Kinasen gehören die Raf-Kinase, VEGFR-1, VEGFR-2, VEGFR-3, PDGFR-B, KIT, FLT-3 und RET.

Quellen

  1. Diagnosedaten der Krankenhäuser ab 2000; die Angaben für das Jahr 2012 wurden am 17.12.2013 ergänzt; Gesundheitsberichterstattung des Bundes 23.06.2014 unter http://www.gbe-bund.de
    http://www.gbe-bund.de/oowa921-install/servlet/oowa/aw92/dboowasys921.xwdevkit/xwd_init?gbe.isgbetol/xs_start_neu/&p_aid=i&p_aid=19020935&nummer=702&p_sprache=D&p_indsp=-&p_aid=50938726#SOURCES
    Link vom 10.07.2014
  2. Robert Koch-Institut (Hrsg.) (2010) Verbreitung von Krebserkrankungen in Deutschland; Entwicklung der Prävalenzen zwischen 1990 und 2010; S. 128 Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 
RKI, Berlin; Link vom 10.07.2014
  3. Bayer-Presseinformation 30. Mai 2014: Bayer erhält EU-Zulassung für Nexavar zur Behandlung des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms
  4. Bayer-Presseinformation 25.04.2014: Bayer erhält Zulassungsempfehlung für Sorafenib zur Behandlung des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms in der EU

Scroll to Top