Qualitätskontrolle im zellulären Immunsystem verstehen

Frankfurt.„Jeden Tag wird uns mehrere Male das Leben gerettet, ohne dass wir uns dessen bewusst sind“, erklärt Robert Tampé. „Mehr oder weniger unbeobachtet werden virusinfizierte und entartete Zellen sowie intrazelluläre Pathogene ständig von unserem körpereigenen Abwehrsystem äußerst effizient erkannt und umgehend eliminiert. Diesen Service bietet ein gut funktionierendes Immunsystem.“ Umgekehrt kann eine Fehlfunktion oder Schwächung des Immunsystems zu Krebs, chronischen Erkrankungen und Autoimmunkrankheiten führen.

Bekannt ist, dass infizierte Zellen eine Immunreaktion auslösen, indem sie die T-Zellen des Immunsystems auf sich aufmerksam machen. Dazu präsentieren sie Proteinfragmente (Antigene) aus dem Gesamtumsatz zellulärer Proteine an der Zelloberfläche. Genauer gesagt, werden die Antigene auf sogenannte Hauptgewebeverträglichkeitsmoleküle (MHC-I) übertragen und den T-Zellen präsentiert. Eine Schlüsselrolle in der Immunantwort spielen Editier- und Beladungskomplexe der MHC-I-Moleküle, die bisher jedoch nur rudimentär erforscht sind.

„Viren haben umfangreiche Strategien entwickelt, um mit der Antigen-Beladung der MHC-I-Komplexe zu interferieren und so zu verhindern, dass T-Zellen auf sie aufmerksam werden. Im Rahmen des Koselleck-Projekts wollen wir deshalb Schlüsselprozesse der Antigen-Prozessierung aufklären“, so Tampé. Der Forscher erwartet, dass Einblicke in die Organisation der Antigen-Qualitätskontrollstellen des Immunsystems den Weg ebnen werden für ein neues Verständnis von intrazellulären, mit der Zellmembran assoziierten Multiprotein-Komplexen sowie von Chaperon-Komplexen, die bei der Proteinfaltung im Endoplasmatischen Retikulum von Bedeutung sind. Langfristig sollten die Erkenntnisse neue Möglichkeiten für die Therapie von Infektionen, Autoimmunität, chronischen Erkrankungen und Krebs aufzeigen.

Robert Tampé ist Direktor des Instituts für Biochemie und des Forschungszentrums Membrantransport und -Kommunikation an der Goethe-Universität. Er initiierte gemeinsam mit Kollegen den Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe im Rahmen der Exzellenzinitiative. Vor seiner Tätigkeit in Frankfurt war er Direktor des Instituts für Physiologische Chemie an der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried und der TU München. Als Max Kade Fellow arbeitete er mit Harden M. McConnell an der Stanford University. Er hat eine Honorarprofessur der Kyoto University inne und wurde kürzlich zum Visiting Fellow am Merton College und dem Department der Biochemie der Universität Oxford ernannt.

Als Biochemiker am Biozentrum der Goethe-Universität in Frankfurt erlangte Robert Tampé weltweite Reputation durch seinen Beitrag zum mechanistischen Verständnis der Antigenverarbeitung und der Aufklärung der Frage, wie Viren der Erkennung durch das Immunsystem entgehen. Er entdeckte ebenfalls die molekulare Maschinerie des Ribosomen-Recyclings und lieferte strukturelle und mechanistische Einblicke in die Qualitätskontrolle der Proteinbiosynthese. Zu seinen Hauptinteressen gehören makromolekulare Komplexe, die Membranbiologie, sowie die chemische und synthetische Biologie.

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Bild: Goethe-Universität/Uwe Dettmar

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wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Robert Tampé, Institut für Biochemie, Fachbereich 14, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-29475, tampe@em.uni-frankfurt.de, http://www.biochem.uni-frankfurt.de/

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