Publikation „Flucht und Flüchtlingslager“

Prof. Dr. Ronald Lutz und Corinna Frey von der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Erfurt haben den vierten Band in der Schriftenreihe „Sozialarbeit des Südens“ vorgelegt. Dieses an der Fakultät seit 2007 laufende Forschungs- und Publikationsprojekt verbindet zahlreiche Wissenschaftler*innen aus südlichen Ländern, aber auch aus Deutschland und den USA, und widmet sich dem aktuellen Thema „Flucht und Flüchtlingslager“. Erschienen ist der Band im Paulo Freire Verlag in Oldenburg.

Flucht, Flüchtlingslager und das Leid der Flüchtenden gehören zum Alltag der Weltlage und erreichen inzwischen eine ungeheuerliche Dynamik und Dramatik. Die Weltgesellschaft ist in tiefen Umbrüchen versponnen, die Flucht und Flüchtlingslager zu einem nahezu alltäglichen Geschehen machen. Daraus erwachsen Gefahren aber auch wissenschaftliche Herausforderungen.

In den Beiträgen des Bandes wird aus unterschiedlichen Perspektiven und unterschiedlichen Hintergründen die Herausforderung der Sozialarbeit des Südens immer wieder deutlich: Flüchtlingslager können keine Normalität als Lebensort herstellen, da sie aus entsetzlichen sozialen Prozessen erwachsen. Ihre Gründung basiert auf Angst und Vertreibung aus angestammtem Ort, der symbolisch und real Heimat war. Somit stehen sie auf wackligen Füßen – und sind dennoch der einzige Ort, der für die Menschen so etwas wie einen Ort bietet. Eigentlich sind sie eine Nicht-Wirklichkeit, die das Menschsein in Frage stellt. Alles müsste getan werden, um das zu verhindern. Doch die Situation ist leider eine andere und wirft eine Fülle von Fragen auf, von denen einigen nachgegangen wurde.
Diskutiert werden Fragen hinsichtlich der soziologischen, politischen und rechtlichen Einordnung des Phänomens. Es finden sich Darstellungen zum Leben von Flüchtenden wie burundische Flüchtlinge in Tansania oder die Problematik von Flüchtlingen in Darfur, die Situation der Sahraouis in der algerischen Wüste wird ebenso breit erörtert wie der Alltag von simbabwischen Flüchtlingen, die in einer methodistischen Kirche in Johannesburg auf engstem Raum untergebracht sind. Mit dem spezifischen Blick auf Soziale Arbeit werden Flüchtlingslager als interkulturelle Herausforderung verstanden bzw. wird über Ressourcen nachgedacht, die es in der Sozialen Flüchtlingsarbeit zu stärken und zu entwickeln gilt. Auch das Thema Versöhnung wird aus einer südafrikanischen Sichtweise thematisiert und öffnet einen neuen Blick auf die Möglichkeit der Hilfe.

Eine forschende und zugleich international ausgerichtete „Sozialarbeit des Südens“ muss sich dieser Thematik „Flucht und Flüchtlingslager“ stellen, das ist sie ihrem Selbstverständnis schuldig. Als politisch ausgerichtete Sozialarbeit fragt sie nach eigenen Lösungen auf eigene Fragen in den Ländern des globalen Südens. Sie löst sich dabei weit von der Umklammerung und der Hegemonie jener Sozialarbeit des globalen Nordens, die weiterhin für sich in Anspruch nimmt, generell gültig zu sein. Sie hat ihre Kulturabhängigkeit noch immer nicht verstanden.
Diese eigenen Fragen der Sozialarbeit des Südens werden im nun vorliegenden Band IV an den entsetzlichen sozialen Prozess von Flucht und Flüchtlingslager gestellt.

Ansprechpartner:
Herr Prof. Dr. Ronald Lutz, Tel.: 0361 6700-510/-701, E-Mail: lutz@fh-erfurt.de

Herr Prof. Dr. Lutz ist seit Ende 2012 Vizepräsident für Qualität und Kommunikation an der Fachhochschule Erfurt. Bereits seit 1993 hat er an der Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften eine Professur im Lehrgebiet „Menschen in besonderen Lebenslagen“ inne.

Scroll to Top