„Psychotherapie bei Depression nach den heutigen Leitlinien“

Berlin, 13. Oktober 2010 – Psychotherapeutische Behandlungsangebote gehören heute zum Standard der therapeutischen Arbeit mit depressiv kranken Menschen. In die neue, Ende 2009 verabschiedete S3/NV-Leitlinie für die Behandlung der unipolaren Depression ging ‚Psychotherapie‘ umfänglich ein, wobei sich nach Datenlage alle bekannten (Richtlinien-) Psychotherapieformen als effektiv erwiesen haben. „Damit wurde auch erstmals für schwer und schwerst depressiv Kranke Psychotherapie, in Kombination mit Medikation, als Standard benannt“, sagte Prof. Dr. Manfred Wolfersdorf, Sprecher Arbeitskreis Depressionsstationen Deutschland/Schweiz und Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Bayreuth, anlässlich des 7. Europäischen Depressionstages (16. Oktober 2010). Depressive Störungen gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen und Erkrankungen in der Versorgung. Für Patienten besteht vor allem hinsichtlich einer abgestuften und vernetzten Versorgung zwischen haus-, fachärztlicher und psychotherapeutischer Behandlung und bei der Indikation für ambulante oder stationäre Behandlungsmaßnahmen Optimierungsbedarf. Mit der neuen Leitlinie kommt man dieser Optimierung näher. Eine Kurzfassung der Leitlinie ist unter http://www.versorgungsleitlinien.de/themen/depression/pdf/s3_nvl_depression_kurz.pdf zu finden.

Ziele der Leitlinie sind unter anderem, Depression besser zu erkennen und Diagnostik und Behandlung von Depressionen in Deutschland zu optimieren. Ebenso sollen spezifische Empfehlungen zur Abstimmung und Koordination der Versorgung aller beteiligten Fachdisziplinen gegeben werden. Die Leitlinie gibt dabei keine Richtlinien vor, sondern Empfehlungen, wie zum Beispiel nach aktuellem Wissenschaftsstand und nach den Kriterien der Evidenzbasierten Medizin am sinnvollsten vorzugehen ist. „In der Praxis gibt die Leitlinie Anhaltspunkte, wie die Hauptsymptomatiken von Depressionen und die Begleitsymptome leichter erkennbar werden,“ sagte Prof. Manfred Wolfersdorf.

Ebenso sei ein Screening zur Früherkennung von Depressionen in der Leitlinie beinhaltet. Hiermit kann man zum Beispiel bei Patienten, die einer Hochrisikogruppe angehören (z.B. aufgrund früherer depressiver Störungen oder komorbider somatischer Erkrankungen) Maßnahmen zur Früherkennung von Depressionen bereits bei Kontakten in der Hausarztversorgung und in Allgemeinkrankenhäusern einsetzen. Für ein Screening geeignete Instrumente sind der WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden, der Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-D) sowie die Allgemeine Depressionsskala (ADS). Eine weitere Möglichkeit der schnellen Erfassung einer möglichen depressiven Störung ist der so genannte „Zwei-Fragen-Test“:

1. Fühlten Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig bedrückt oder hoffnungslos?
2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Werden beide Fragen mit „Ja“ beantwortet, ist die klinische Erfassung der formalen Diagnosekriterien erforderlich, da nur durch die explizite Erhebung aller relevanten Haupt- und Nebensymptome eine adäquate Diagnosestellung nach ICD-10 möglich ist. Dies geschieht in aller Regel über eine fundierte Exploration

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Dr. h. c. M. Wolfersdorf
Bezirkskrankenhaus Bayreuth
Nordring 2
95445 Bayreuth
Tel.: 0921 283-3001
FAX: 0921 283-3002
E-Mail: renate.zimmermann@bezirkskrankenhaus-bayreuth.de
<www.bezirkskrankenhaus-bayreuth.de>
(idw, 10/2010)

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