Prof. Ursula Schmidt-Tintemann erhält höchste wissenschaftliche Auszeichnung der TU München

Die seit 1997 bestehende Medaille ist nach Heinz Maier Leibnitz benannt, dem Pionier der deutschen Neutronenphysik und einem der bedeutendsten Wissenschaftler der TUM. Prof. Ursula Schmidt-Tintemann erhält die Auszeichnung für ihre außergewöhnliche Lebensleistung als Medizinerin und ihre Verdienste um das Klinikum rechts der Isar und die TU München. Als Pionierin ihres Fachs habe sie der medizinischen Fakultät der TUM und dem Klinikum rechts der Isar nationales Renommee und internationale Sichtbarkeit verschafft, so Prof. Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TU München. Sie sei sowohl fachlich als auch ethisch ein Vorbild für nachfolgende Ärzte-Generationen in der ästhetisch-plastischen Chirurgie und gelte als „Rollenmodell“ für Ärztinnen in der Medizin.
Nach dem Studium der Medizin an den Universitäten Königsberg, Prag und München und der Promotion 1951 begann Ursula Schmidt-Tintemann ihre Facharztausbildung im Krankenhaus München-Perlach. Später wechselte sie mit ihrem Chef Prof. Georg Maurer ans damals städtische Krankenhaus rechts der Isar, das 1968 als Universitätsklinikum der heutigen TU München angegliedert wurde. 1956 legte sie die Prüfung zur Fachärztin für Chirurgie ab. Bei einem Studienaufenthalt in Wien entdeckte die junge Medizinerin die Plastische Chirurgie für sich. In diesem Bereich – als eigenständiges Fach in Deutschland noch unbekannt – gab es für eine begabte junge Ärztin mehr Möglichkeiten, sich fachlich zu profilieren als in der männlich dominierten herkömmlichen Chirurgie. So bildete sich Schmidt-Tintemann in Österreich weiter und lernte später auch in Großbritannien und den USA »plastic surgery«.
Im Klinikum rechts der Isar erhielt sie dann 1958 die Chance, eine eigene Station für plastisch-chirurgische Eingriffe aufzubauen – die erste derartige Abteilung im deutschsprachigen Raum. Es war die Geburtsstunde der modernen plastischen Chirurgie in Deutschland. Ursula Schmidt-Tintemann, die sich vor allem auf Wiederherstellungs-, Hand- und Verbrennungschirurgie konzentrierte, prägte das gesamte Fachgebiet bis zu ihrer Emeritierung 1984.
Beharrlich verfolgte sie das Ziel, ihre Disziplin auch in Deutschland als selbstständige chirurgische Monospezialität zu etablieren. Dazu musste sich das Fachgebiet deutlich von allen anderen Disziplinen wie zum Beispiel der „kosmetischen Chirurgie“ abgrenzen. Solche »Schönheitschirurgie«, befürchtete Schmidt-Tintemann, könnte unerfüllbare Hoffnungen wecken und damit der seriösen Plastischen Chirurgie schaden. Sie sah die Plastische Chirurgie in erster Linie als rekonstruktive chirurgische Disziplin, die, streng nach medizinischen Indikationen ausgerichtet sein musste. Ihren Assistenten und Oberärzten brachte sie bei: Einen guten plastischen Chirurgen erkennt man daran, dass er mehr Patienten fortschickt als behandelt.

1968 gründete Schmidt-Tintemann mit drei Kollegen die »Vereinigung der deutschen plastischen Chirurgen« (VDPC, heute DGPRÄC), die nur Ärzte aufnahm, die sich ausschließlich mit Plastischer Chirurgie befassen. Die erste Tagung der VDPC fand 1970 mit reger internationaler Beteiligung am Klinikum rechts der Isar statt.

Während der Amtszeit von Prof. Schmidt-Tintemann wurde das Klinikum rechts der Isar zum Mekka für angehende Plastische Chirurgen. Viele spätere Leiter entsprechender Abteilungen oder Kliniken in Deutschland lernten hier ihr Handwerk. Spezialität am Rechts der Isar wurde die Replantation abgetrennter Finger und Hände. 2008 wurden im TUM-Klinikum von »Schmidt-Tintemann-Nachfahren« weltweit erstmals einem Patienten beide Arme transplantiert.

Werdegang Prof. Dr. med. Ursula Schmidt-Tintemann:
1924 geboren im ostpreußischen Goldap
Abitur in Königsberg, anschließend Studium der Medizin an den Universitäten Königsberg, Prag und München
1951 Promotion
1956 Fachärztin für Chirurgie, anschließend Fortbildung in Plastischer Chirurgie in den USA, Großbritannien und Österreich
1958 Einrichtung der ersten Abteilung für Plastische Chirurgie im deutschsprachigen Raum
1968 Gründung der Vereinigung der deutschen plastischen Chirurgen (VDPC)
1969 Habilitation (»Zur Lage der Plastischen Chirurgie«)
1974-1977 erste Präsidentin der VDPC
1975 Ernennung zur Extraordinaria für Plastische Chirurgie an der TUM
1984 Emeritierung; erste Frau im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie als Vorsitzende der Sektion Plastische Chirurgie.

Auszeichnungen:
1986 Bundesverdienstkreuz am Bande
1989 Ehrenmitgliedschaft in der Vereinigung der Deutschen Plastischen Chirurgen, (heute Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen, DGPRÄC)
1994 Bayerischer Verdienstorden
1996 Ehrenmitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie
2004 Dieffenbach-Medaille der DGPRÄC
2014 Heinz Maier-Leibnitz-Medaille der TU München

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