Prof. Tanja Weil: Makromolekül-Design in internationaler Umgebung

In einer multinationalen Arbeitsgruppe forscht Weil vor allem an neuartigen, auf biologischen Bausteinen basierenden Makromolekülen, die zum Beispiel in der Medizin Anwendung finden.
Tanja Weils Begeisterung für Moleküle hat einst ein engagierter Cuxhavener Gymnasiallehrer geweckt: „Ich arbeite gerne praktisch und fand es sofort faszinierend, mit Chemie Neues herstellen zu können.“ Nach dem Abitur fiel die Fächerwahl deshalb nicht schwer: Chemiestudium an der Technischen Universität Braunschweig, ein einjähriger Auslandaufenthalt in Bordeaux inklusive. Über „Biologisch inspirierte Polyphenylen-Dendrimere“ hat Tanja Weil am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz promoviert und wurde dabei mit einem Stipendium der Max-Planck-Gesellschaft unterstützt. Obwohl sie für ihre Dissertation sowohl die Bestnote „summa cum laude“ als auch die Otto-Hahn-Medaille erhielt, entschied sie sich zunächst gegen eine Hochschulkarriere.

Ausschlaggebend war, dass ein mittelständisches Frankfurter Unternehmen eine Gruppenleiterin für den Bereich medizinische Chemie suchte. „Obwohl mir die akademische Forschung viel Spaß gemacht hat, war nach der Promotion eine Pause nötig.“ Während ihrer Zeit in der Industrie widmete sie sich der Alzheimer-Forschung und sammelte Managementerfahrung. Den Kontakt zur Grundlagenforschung hielt Weil durch eine parallele Tätigkeit als Leiterin der unabhängigen Forschungsgruppe „Biopolymer-Hybride für medizinische Anwendungen“ am Max-Planck-Institut für Polymerforschung.

Zu dieser Zeit spielte die Chemikerin bereits mit dem Gedanken, an die Universität zurückzukehren. „Aus persönlichen Gründen bewarb ich mich spontan auf eine Professur in Singapur. Obwohl ich noch nicht habilitiert war, erhielt ich Angebote an beide Universitäten in Singapur und entschied mich für eine Professur für Medizinische Chemie, Biomaterialien und Nanomedizin an der renommierten National University.“ Nach zwei Jahren in dem südostasiatischen Inselstaat besann sich die junge Professorin auf ihre europäischen Wurzeln und kehrte nach Deutschland zurück.

An der Ulmer Universität habe sie das nette Kollegium sowie insbesondere die enge Verzahnung mit der Medizin gereizt. Gemeinsam mit ihren fünf Doktoranden aus Singapur und einem Mainzer Wissenschaftler forscht sie an Bio-Hybridmaterialien, bei denen künstliche mit natürlichen Bausteinen wie Proteine, Peptide oder Aminosäuren vermischt werden. So entstehen optimal angepasste Makromoleküle, die beispielsweise pharmazeutische Wirkstoffe in einem Organismus gezielt zu ihrem Wirkort transportieren können. Solche „Designer“-Makromoleküle finden auch in der medizinischen Bildgebung Anwendung. Mit Hilfe von angehefteten Fluoreszenzmarkern können sie beispielsweise die Erkennung von Krebszellen erleichtern.

In Zukunft will sich die Arbeitsgruppe zudem mit materialwissenschaftlichen Fragestellungen und Themen befassen. Auch hier sollen bereits bestehende Ulmer Kompetenzen genutzt werden. Als weitere Pläne für die Zukunft nennt die Professorin mit dem offenen Lächeln ein breiteres Lehrangebot im Bereich makromolekulare Chemie. Außerdem will sie das interdisziplinäre Denken der Studierenden fördern und den Aufbau eines Sonderforschungsbereichs zur Nanomedizin an der Universität Ulm unterstützen.

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