Prof. Klaus Rajewsky kehrt aus den USA nach Deutschland zurück – Neue Aufgabe am MDC in Berlin-Buch

Prof. Rajewsky hatte 2001 ein Angebot der Harvard Universität angenommen, da er in Deutschland nach seiner Emeritierung im Alter von 65 Jahren nur eingeschränkt an der Universität Köln hätte weiterarbeiten können, was damals im In- und Ausland Aufsehen erregt hatte.

„Es ist schon beeindruckend, jetzt eine attraktive Arbeitsmöglichkeit in Deutschland zu finden, nachdem ich vor neun Jahren auswandern musste, um ohne Einschränkungen weiter arbeiten zu können. Hoffentlich ist das ein Zeichen, dass es in diesen Dingen mehr Flexibilität geben wird“, sagte Prof. Rajewsky zu seinem Wechsel von den USA nach Deutschland, in einer Telefonpressekonferenz zwischen Boston und Berlin am Donnerstag, den 16. Dezember 2010. „Wir schätzen uns außerordentlich glücklich, dass das MDC Klaus Rajewsky für Berlin-Buch gewinnen konnte“, erklärte MDC-Stiftungsvorstand Prof. Walter Rosenthal.

Die Entscheidung für Berlin habe verschiedene Gründe, sagte Klaus Rajewsky weiter. „Das MDC ist eine erstklassige Adresse. Zudem baut mein Sohn Nikolaus, mit dem ich in den USA über MicroRNAs kooperiert hatte, am MDC gerade ein Institut für medizinische Systembiologie auf. Und ich habe eine zukunftsweisende Kooperation mit Dr. Martin Janz und Dr. Stephan Mathas von der Arbeitsgruppe von Prof. Bernd Dörken (MDC und Charité) über die Entstehung des Hodgkin Lymphoms, einem Thema, das mir seit 15 Jahren am Herzen liegt. Dem war schwer zu widerstehen.“

Die „Rückholaktion“ geht auf den ehemaligen MDC-Stiftungsvorstand Prof. Walter Birchmeier (2004 – 2008) zurück. Es habe auch Gespräche mit anderen Forschungseinrichtungen gegeben, aber nur das MDC habe ein konkretes Angebot gemacht, sagte Klaus Rajewsky weiter. „Glücklicherweise werden Mitarbeiter von Boston nach Berlin mitkommen. Sonst könnte ich den Wechsel nicht machen.“ Was das Rückholen junger Forscher aus den USA nach Deutschland generell anbetrifft, meint Klaus Rajewsky: „In Deutschland gibt es viel Geld für Forschung. Aber es dauert zu lange, bis junge Forscher unabhängig werden, und ihre Gehälter sind unattraktiv.“

2,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat eingeworben
Kürzlich gelang es Klaus Rajewsky für seine Forschungen über das Hodgkin-Lymphom und durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Tumoren in Post-Transplantations- und AIDS-Patienten vom Europäischen Forschungsrat ERC (European Research Council) rund 2,5 Millionen Euro einzuwerben. Mit dieser Förderung, die eine Laufzeit von fünf Jahren hat, kann er am MDC seine Forschungsaktivitäten verstärken. „Ich freue mich, dass ich in meinem Alter auch in Europa und damit auch in Deutschland Drittmittel einwerben kann. In den USA kann man solange weiterforschen, wie man Drittmittel einwirbt.“ Die Einwerbung von Drittmitteln gilt in der Wissenschaft als Gradmesser für exzellente Forschung.

„Akzeptieren von Einwanderern als Mitglieder der eigenen Gesellschaft“.
Zu seiner Arbeit in den USA sagte Klaus Rajewsky: „Boston war für mich ein Glücksfall – eine einmalige Konzentration von Spitzenforschern und passionierten Freunden und Kollegen, der von allen geteilte Wille, selbst etwas Neues schaffen zu wollen. Und die gleichzeitige Wertschätzung der Leistung anderer, das Akzeptieren von Einwanderern als Mitglieder der eigenen Gesellschaft. In den USA geht es nicht um Anhäufung von Privilegien, sondern um die Schaffung von Neuem.“

Pionierarbeiten zur B-Zell-Forschung
Klaus Rajewsky hat grundlegende Arbeiten über die Entwicklung und Funktion der B-Zellen, den Antikörperfabriken des Immunssystems, vorgelegt. Mitte der neunziger Jahre war es ihm zusammen mit seinem Studenten Ralf Küppers und dem Pathologen Martin-Leo Hansmann in seinem Labor in Köln gelungen, B-Zellen als Ursprungszellen des Hodgkin-Lymphoms, des häufigsten Lymphdrüsenkrebses, zu identifizieren.

Konditionelle Mausmutagenese
In den neunziger Jahren entwickelte Klaus Rajewsky eine Technik, mit der in Mäusen gezielt Gene in bestimmten Geweben und zu bestimmten Zeitpunkten aus- und eingeschaltet werden. Sie zählt heute zu den wichtigsten Methoden, der Funktion von Genen und deren Rolle bei der Entstehung von Krankheiten auf die Spur zu kommen, und wird in der biomedizinischen Forschung in Forschungslaboren weltweit eingesetzt. Mit der „konditionellen Mausmutagenese“, wie die von ihm und dem Studenten Hua Gu und Jamey Marth in Vancouver, Kanada, entwickelte Technik in der Fachsprache heißt, hat sich ein neuer Zugang zur Erforschung grundlegender biologischer Prozesse eröffnet. Klaus Rajewsky setzt diese Technik heute insbesondere ein, um in Mäusen die Entstehung bösartiger Lymphome zu ergründen.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Klaus Rajewsky ist die Bedeutung der microRNAs für die Entwicklung und Funktion des Immunsystems. MicroRNAs sind kleine, hochdiverse Moleküle, die aus Ribonukleinsäure bestehen und an der Kontrolle fast aller Lebensprozesse beteiligt sind. Sowohl auf dem Gebiet der microRNAs als auch bei der Erforschung der Hodgkinschen Krankheit arbeitet Klaus Rajewsky eng mit Forschern am MDC und der Charité zusammen.

Studium der Medizin und der Chemie
Klaus Rajewsky wurde am 12. November 1936 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte zunächst Medizin und dann Chemie in Frankfurt und München und war Postdoktorand am Pasteur Institut in Paris. 1964 ging er an das Institut für Genetik der Universität Köln. 1966 wurde er Leiter der neu gegründeten Abteilung für Immunologie an diesem Institut.

Als Senior Fellow der European Molecular Biology Organization (EMBO) arbeitete Rajewsky Anfang 1969 in London mit Avrion Mitchison und erhielt kurz danach eine Professur für Molekulargenetik an der Universität Köln. Von 1996 bis 2001 war er Programmkoordinator des Mausbiologieprogramms des Europäischen Molekularbiologie Laboratoriums in Monterotondo bei Rom. Nach fast 40 Jahren Forschung in Köln wurde Prof. Rajewsky 2001 im Alter von 65 Jahren emeritiert. Statt in den Ruhestand ging er an die Harvard Medical School nach Boston in die USA.

Prof. Rajewsky erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2008 den Ernst Schering Preis sowie den Emil-von-Behring-Preis, 2007 den Novartis Prize for Basic Immunology, 2005 den Brupbacher Preis für Krebsforschung, 1997 den Körber-Preis für Europäische Wissenschaft, 1996 den Max-Planck-Forschungspreis und den Robert-Koch-Preis, 1995 den Rabbi Shai Shacknai Memorial Preis, Hebrew University, Jerusalem, 1994 den Behring-Kitasato-Preis und den Humboldt-Forschungspreis, 1977 den Avery-Landsteiner-Preis der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. 2009 erhielt er die Max-Delbrück-Medaille.

Darüber hinaus ist er Ehrendoktor von Universitäten in Paris, Frankfurt und Berlin sowie Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften im In- und Ausland, darunter der National Academy of Sciences of the USA, der Academy of Arts and Sciences, der russischen und ukrainischen Akademie der Wissenschaften und der damaligen Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Barbara Bachtler
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Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
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