Prof. Dr. Mirko Pham: Würzburger Neuroradiologie unter neuer Leitung

Die Neuroradiologie in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten einen eigenständigen diagnostischen und therapeutischen Versorgungsauftrag erarbeitet. Deshalb wurde die selbständige Abteilung für Neuroradiologie am Uniklinikum Würzburg (UKW) in diesem Herbst umgewandelt in das Institut für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie. Als dessen Direktor bestellte die Klinikumsleitung Prof. Dr. Mirko Pham. Er trat zum 1. Oktober 2016 die Nachfolge von Prof. Dr. László Solymosi an, der nach 21 Jahren als Leiter der Abteilung in den verdienten Ruhestand ging.

Schon als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Würzburg gewesen

Prof. Pham arbeitete zuletzt als Geschäftsführender Oberarzt der Abteilung für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Heidelberg. Der Wechsel nach Würzburg ist für den 38-Jährigen gleichsam eine Rückkehr zu den Anfängen seiner neuroradiologischen Laufbahn. So war der gebürtige Stuttgarter nach seinem Humanmedizinstudium in Tübingen von Mitte 2005 bis Ende 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter in der von Prof. Solymosi geleiteten Abteilung. „Meine Wahl fiel damals auf Würzburg, weil die Abteilung speziell bei Gefäßerkrankungen des Gehirns sowie bei neuen bildgebenden Verfahren wissenschaftlich hochaktiv war“, erinnert sich Prof. Pham.

MR-Neurographie in die klinische Anwendung gebracht

Anfang 2008 wechselte er nach Heidelberg, um unter Prof. Martin Bendszus – einem ehemaligen Schüler von Prof. Solymosi – die Weiterentwicklung der MR-Neurographie zu einer innovativen diagnostischen Methode voranzutreiben. „Bei der MR-Neurographie können mittels leistungsstarker MRT-Geräte in Kombination mit hochauflösenden Empfangsspulen Nervenschädigungen sehr präzise lokalisiert und dargestellt werden. Dabei ist es zum Beispiel möglich, entzündliche Nervenerkrankungen von Nervenschäden, die durch Engstellen hervorgerufen wurden, zu unterscheiden“, erläutert Prof. Pham. Für seine wissenschaftliche Arbeit zu dem neuen Diagnoseverfahren zeichnete ihn die Deutsche Röntgengesellschaft im Jahr 2014 mit dem Wilhelm-Conrad-Röntgen-Preis aus.
Mit dem neuen Institutsdirektor ist diese deutschlandweit von nur sehr wenigen Zentren angebotene Untersuchungsmöglichkeit von nun an auch am Uniklinikum Würzburg verfügbar. Nachgefragt werden die Befunde aus der MR-Neurographie laut Prof. Pham vor allem von Neurologen, aber auch von Internisten, Nervenchirurgen, Handchirurgen sowie Hausärzten.

Bald Geräteausstattung auf höchstem Niveau

Im Rahmen der Berufungsverhandlungen vereinbarte der neue Direktor mit dem Klinikumsvorstand eine Modernisierung des „Geräteparks“ seines Instituts. „Innerhalb der kommenden ein bis zwei Jahre werden wir mit zwei neuen Kernspintomographen und einer High-End-Angiographie-OP-Anlage über eine neuroradiologische Ausstattung verfügen, die zumindest bayernweit, wenn nicht sogar deutschlandweit ihres Gleichen sucht“, unterstreicht Prof. Pham und fährt fort: „Die Hochleistungs-MR-Tomographen ermöglichen es uns, neue hochspezialisierte diagnostische Verfahren anzubieten. Mit der Angiographie-OP-Anlage können wir minimal-invasive Behandlungen von Gefäßerkrankungen speziell der Kopf-Hals-Region durchführen. Viele dieser schweren Erkrankungen waren früher nicht oder nicht auf diesem schonenden Weg behandelbar.“

Für eine profunde interventionelle Ausbildung

Zu den therapeutischen Schwerpunkten von Prof. Pham und seines Instituts zählt die interventionelle Behandlung von Schlaganfällen und anderen Gefäßerkrankungen des Gehirns, wie zum Beispiel Aneurysmen oder Engstellen. „Die minimal-invasive Schlaganfallbehandlung ist einer der wirkstärksten Eingriffe in der akuten Gefäßmedizin, aber erst seit dem Jahr 2015 etabliert. Nicht nur in Deutschland gibt es deswegen im Moment noch Nachwuchsprobleme bei Ärztinnen und Ärzten, die Schlaganfälle interventionell qualifiziert behandeln können“, berichtet Prof. Pham. Deshalb soll die Neuroradiologie in Würzburg nach seinen Plänen nicht nur Vorreiter bei der Durchführung dieser Behandlungen sein – vielmehr werde sie auch mit einem attraktiven Ausbildungskonzept erheblich dazu beitragen, die Versorgung schwerer Schlaganfälle außerhalb der eigenen Mauern zu verbessern. Prof. Pham: „Ich sehe es als eine meiner wichtigsten Verpflichtungen an, für eine Weiterbildungskultur zu sorgen, in der jeder Senioroperateur bei jedem Kathetereingriff seine Erfahrung dem Nachwuchs mitteilt und eine intensive interne Weiterbildung stattfindet.“

Weiterbildungskooperation mit der Radiologie geplant

In diesem Zusammenhang strebt Prof. Pham auch Weiterbildungsmöglichkeiten an, die im Austausch mit Prof. Dr. Thorsten Bley, dem Leiter des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des UKW, stattfinden. „Ich bin froh in Prof. Bley einen starken Partner in der Radiologie zu haben, dem das Thema Weiterbildung ebenfalls sehr am Herzen liegt. Generell habe ich mich von Anfang an hier im Kollegenkreis sehr willkommen gefühlt“, freut sich der Neu-Würzburger.

Diverse wissenschaftliche Schwerpunkte im Blick

In Punkto Wissenschaft plant der Neuroradiologe die experimentelle und klinische Forschung im Bereich Schlaganfall fortzusetzen sowie die MR-Neurographie weiterzuentwickeln. Das dritte Thema auf seiner Forschungsagenda ist der Einsatz von neuroradiologischen Methoden bei neurodegenerativen Erkrankungen, wie zum Beispiel dem Morbus Parkinson. In diesem einzigartigen Schwerpunkt am Neurozentrum soll die enge Zusammenarbeit mit den Kliniken für Neurologie (Prof. Dr. Jens Volkmann) und Neurochirurgie (Prof. Dr. Ralf-Ingo Ernestus) belebt werden.
Weitere Informationen unter www.neuroradiologie.ukw.de und www.mr-neurographie.bayern.

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