Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Kurt Kochsiek verstorben

Am 3.12.2013 ist Herr Prof. Dr. med. Dr. h.c. mult. Kurt Kochsiek, ehemaliger Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums und Dekan der Medizinischen Fakultät Würzburg, nach längerem Leiden im Alter von 83 Jahren verstorben.
Kurt Kochsiek wurde in Oerlinghausen/Lippe als Sohn eines Arztes geboren. Er machte in Detmold Abitur und studierte von 1950 bis 1955 Medizin in Mainz, Göttingen, Zürich und in Heidelberg. Nach der Promotion 1956 folgte der Wechsel an die Medizinische Universitätsklinik Göttingen, wo er parallel zur klinischen Tätigkeit am Physiologischen Institut arbeitete. Seine Wissenschaft war getragen von der kardiovaskulären Grundlagenforschung, die er erfolgreich in klinische Fragestellungen übersetzte.
Mit 32 Jahren habilitierte sich Kurt Kochsiek und wurde 1968 außerordentlicher Professor. 1973 folgte er einem Ruf auf einen Lehrstuhl für Innere Medizin/Kardiologie/Nephrologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. 1980 wechselte er nach Würzburg auf den Lehrstuhl für Innere Medizin als Direktor der Medizinischen Klinik. Hier fand er für die kommenden 20 Jahre die Basis für seine weitere fruchtbare klinische, wissenschaftliche und wissenschaftspolitische Tätigkeit.
Neben dem immer intensiven persönlichen Engagement für seine Patienten war es ihm ein großes Anliegen, die Innere Medizin in ihren Schwerpunkten zu fördern, ohne den ganzen Menschen aus den Augen zu verlieren. Von Haus aus Kardiologe, war Kurt Kochsiek auch ein Repräsentant der Inneren Medizin und vertrat immer energisch, dass der Blick über den Tellerrand der internistischen Subdisziplinen in Patientenversorgung, Lehre und Forschung nicht nur nützlich, sondern essentiell sei.
Sein Forschungsgebiet war seit den 1980er Jahren die Herzinsuffizienz. Aus dem engen Schulterschluss von Grundlagenforschung und klinischer Forschung über Fakultätsgrenzen hinweg ergab sich eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die letztlich im SFB 355 „Pathophysiologie der Herzinsuffizienz“ mündete. Kurt Kochsiek verfasste über 450 wissenschaftliche Arbeiten und gab beliebte Lehrbücher aus dem Gebiet der Inneren Medizin heraus.
Von 1978 – 1984 war Prof. Kochsiek Vorsitzender des Fachausschusses praktische Medizin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und hat dort einen wesentlichen Beitrag zur Einrichtung der Forschergruppen der DFG geleistet. Von 1987 – 1989 war er Vorsitzender des Wissenschaftsrates; 1989 Präsident der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, damals noch für Herz- und Kreislaufforschung, von der er später den hoch angesehenen Paul-Morawitz-Preis erhielt; 1989 – 1991 Dekan der Medizinischen Fakultät; gleichzeitig, 1990/91, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, später deren Ehrenmitglied; 1994 – 1997 Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums. Von 1991 – 1995 leitete er eine Strukturkommission für die Charité, was die Humboldt Universität später mit einer Ehrenmitgliedschaft und Ehrendoktorwürde honorierte; 1997 – 2002 war er Vorsitzender des Kuratoriums der Universität Leipzig, die Ihm ebenfalls einen Ehrendoktor verlieh; 1991 – 1995 stand er der Würzburger J. S. Bach-Gesellschaft als Präsident vor. Prof. Kochsiek erhielt 1993 den Bayerischen Verdienstorden, 1998 das Große Bundesverdienstkreuz. Seit 1989 ist er Mitglied der Leopoldina, von 1999 – 2004 als Präsidiumsmitglied. Kurt Kochsiek war Ehrensenator der Universität Würzburg und Träger der Rinecker-Medaille in Gold der Medizinischen Fakultät.
Das Würzburger Universitätsklinikum und die Medizinische Fakultät verlieren in Kurt Kochsiek einen steten Förderer von Wissenschaft und Lehre und einen großen Arzt, seine Schüler und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter trauern um ihren ehemaligen Chef. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

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