Prof. Dr. Hubertus Riedmiller: Renommierter Würzburger Urologe im Ruhestand

Zum 1. Januar dieses Jahres endete die „Ära Riedmiller“ am Uniklinikum Würzburg (UKW): Nach 19 Jahren als Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie verabschiedete sich Prof. Dr. Hubertus Riedmiller, der zuvor von 1990 bis 1997 Direktor der Urologischen Klinik an der Phillips-Universität in Marburg war, in den Ruhestand. „Mit seiner außergewöhnlichen Expertise und seinem hohen Engagement trug Prof. Riedmiller massiv zum nationalen und internationalen Renommee unseres Klinikums bei“, lobt Prof. Georg Ertl, der Ärztliche Direktor des UKW, und fährt fort: „Beispielsweise nimmt seine Klinik eine europaweit führende Position bei der Bildung neuer Harnblasen und bei der kontinenten Harnableitung ein.“ Dieser gute Ruf führte unter anderem dazu, dass nicht zufriedenstellend voroperierte Patienten aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Würzburg kamen, um von den Erfahrungen von Prof. Riedmiller in der plastisch-rekonstruktiven Urologie zu profitieren.

Uro-Onkologie und Kinderurologie als weitere Schwerpunkte

Weitere Schwerpunkte des – nun ehemaligen – Klinikdirektors sind große chirurgische Eingriffe bei urologischen Tumorerkrankungen sowie die Therapie von Kindern mit urologischen Krankheiten. So war Prof. Riedmiller langjähriger Chairman der Sektion Kinderurologie der Europäischen Urologischen Gesellschaft und schrieb in dieser Funktion an den vielzitierten Behandlungsleitlinien zur Kinderurologie mit. Die Mitgliedschaften in der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Urologie und der Amerikanischen Pädiatrischen Akademie unterstreichen zusätzlich seinen internationalen Ruf in diesem Bereich.
Generell ist die Liste von Prof. Riedmillers Mitgliedschaften bei bedeutenden medizinischen Organisationen lang – unter anderem bei der Society of Genito-urinary Reconstructive Surgeons, der Europäischen und Amerikanischen Urologischen Vereinigung sowie der Deutschen, der Schweizer und der Internationalen Gesellschaft für Urologie. Von 2004 bis 2013 arbeitete er zudem im Wissenschaftlichen Bereit der Bundesärztekammer und war von 2001 bis 2011 Vorsitzender des Arbeitskreises „Operative Techniken“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU). Letztere verlieh dem Würzburger Mediziner im Jahr 2012 den Ritter von Frisch-Preis. Der Preis wird jährlich für besondere Verdienste um die wissenschaftlichen, berufs- oder vereinspolitischen Aufgaben der DGU vergeben.

Steigende Patientenzahlen und lange Arbeitstage

Die Jahre von Prof. Riedmiller am UKW waren begleitet von einem stetigen Anwachsen der urologischen Patientenzahlen – und das bei gleichzeitig immer mehr komplexen Fällen. Im Jahr 2015 wurden an seiner Klinik rund 2.700 Patienten stationär behandelt. Hinzu kamen etwa 9.000 ambulante Fallvorstellungen.
Lange Arbeitstage bestimmten das Berufsleben von Hubertus Riedmiller, der vom „Lustgewinn beim Operieren“ spricht: Noch zuletzt, unmittelbar vor seiner Pensionierung, war er täglich zwischen 14 und 16 Stunden in der Klinik tätig. „Diesen hohen Leistungsanspruch hatte ich nicht nur an mich selbst, sondern auch an meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, berichtet der Direktor a. D. und führt weiter aus: „Das mag sicher fordernd gewesen sein, bereitete aber auch eine ganze Reihe meiner ehemaligen Oberärzte fachlich darauf vor, leitende Positionen an anderen Kliniken auszufüllen, zum Beispiel in Bamberg, Fulda, Regensburg, Stuttgart und Schweinfurt.“

Forschung zu OP-Techniken und Tumorerkrankungen

Die urologische Forschung am UKW war unter der Leitung von Prof. Riedmiller stark klinisch ausgerichtet. Vielfach ging es um das Perfektionieren von bestehenden oder die Entwicklung von neuen Operationstechniken. Außerdem war die Lebensqualität von Patienten mit unterschiedlichen Harnableitungen ein wissenschaftlich zu untersuchendes Thema. „Darüber hinaus betreiben wir ein erfolgreiches Labor für Molekulare Uro-Onkologie, das sich auf die Erforschung von Prostata-, Blasen- und Nierenzellkarzinomen konzentriert“, schildert Prof. Riedmiller. Die hier tätigen Ärztinnen und Ärzte wurden im Jahr 2015 mit dem Prostate Cancer Research Award der Europäischen Gesellschaft für Urologie ausgezeichnet.

Die Urologie ins ZOM gebracht

Seinem Nachfolger – Prof. Hubert Kübler, der zuvor am Klinikum rechts der Isar in München tätig war – hinterlässt Prof. Riedmiller eine strukturell topmoderne Klinik, eingebunden in das im Jahr 2004 eröffnete Zentrum für Operative Medizin (ZOM) des UKW. Doch für diese nicht zuletzt synergetisch vorteilhafte Lage musste Prof. Riedmiller bei seinem Amtsantritt im Jahr 1997 massiv kämpfen. „Auf Wunsch meines Vorgängers sah die Planung damals den Verbleib der Urologischen Klinik in Bau 19 auf dem Altgelände des Klinikums an der Josef-Schneider-Straße vor. Nur durch meinen persönlichen Einsatz – unter anderem bei der obersten bayerischen Baubehörde – und das Engagement des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber wurden die bereits fertigen Pläne des ZOM nochmals abgeändert“, erinnert sich der gebürtige Würzburger.

Viele Ideen für einen aktiven Ruhestand

Und wie soll es für den aktiven 65-Jährigen nach dem Ende seiner Dienstzeit weitergehen? „Ich habe schon eine ganze Menge verschiedener Ideen und Pläne“, sagt Prof. Riedmiller und fährt fort: „Beispielsweise kann ich mir gut vorstellen, an einer privat geführten Klinik oder einem anderen Universitätsklinikum weiter operativ oder zumindest beratend tätig zu sein. Eine weitere Option ist, im Rahmen humanitärer Aktionen im Ausland zu operieren und den dortigen Medizinern mein Wissen weiterzugeben, so wie ich es in der Vergangenheit schon in Pakistan, Ägypten und Ex-Jugoslawien getan habe.“ Auch sei das Verfassen eines Lehrbuchs zu speziellen Operationstechniken eine lockende Aufgabe. „Last but not least freue ich mich auf Dinge, die in meinen Berufsjahren zu kurz kamen, wie die Beschäftigung mit belletristischer Literatur, das Bereisen interessanter Länder und das Golfspielen“, kündigt der Pensionär an.

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