Prof. Dr. Georg Ertl: Leitungsfunktion an der Medizinischen Klinik I beendet

Prof. Dr. Georg Ertl leitete seit dem Jahr 1999 die Medizinische Klinik und Poliklinik I des Uniklinikums Würzburg (UKW) und hatte einen Lehrstuhl für Innere Medizin an der Würzburger Universität inne. Zudem war er der Sprecher des im Jahr 2011 als gemeinsame Einrichtung der Uni Würzburg und des UKW eröffneten Deutschen Zentrums für Herzinsuffizienz (DZHI). Zum Jahresbeginn 2016 trat der heute 66-jährige Kardiologe zusätzlich die Nachfolge von Prof. Dr. Christoph Reiners als Ärztlicher Direktor des Würzburger Uniklinikums an. Anfang April dieses Jahres gingen die Klinikdirektion und der DZHI-Posten an seinen Nachfolger, Prof. Dr. Stefan Frantz, über. Diese Stabsübergabe schafft für Prof. Ertl Raum, sich noch weitere vier Jahre intensiv den Aufgaben als „ÄD“ zu widmen – jetzt hauptamtlich.

Prof. Ertl, wie hat sich die Kardiologie während Ihrer Zeit als Klinikdirektor weiterentwickelt?

Prof. Georg Ertl: In den vergangenen zwei Jahrzehnten gingen Eingriffe, die in den 1990er Jahren eingeführt wurden – wie Katheter-Interventionen, die Implantation von Defibrillatoren oder der Einsatz von weiteren Unterstützungsapparaten des Herzens – in die Krankenhausroutine über. Spätestens seit den 2000er-Jahren sind viele dieser Verfahren mit hoher Patientensicherheit in der Anwendung, laufend verbessert auch durch neue Medikamente. Auch in der Behandlung der Herzschwäche wurden durch neue Wirkstoffe enorme Fortschritte erzielt. Eines der Ergebnisse war, dass unsere Patienten heute mit ihren jeweiligen Krankheiten deutlich länger leben können. In der Medizinischen Klinik und Poliklinik I erhöhte sich das Alter der von uns behandelten Menschen in den vergangenen zwei Jahrzehnten durchschnittlich um rund fünf Jahre. Gleichzeitig ergab sich daraus, dass wir es viel öfter mit Mehrfach-Kranken zu tun haben. Auf deren Behandlung musste sich die Kardiologie besonders einstellen. Gerade in den letzten zehn Jahren kümmerten wir uns in der Forschung gezielt um diese multimorbiden Patienten. Dabei konnten wir einige wichtige Erkenntnisse gewinnen.

Zum Beispiel?

Prof. Ertl: Eine wichtige Beobachtung war, dass sich viele Krankheiten als Komorbiditäten vollkommen anders verhalten, als wenn sie singulär auftreten. Ein gutes Beispiel ist die Behandlung von Depressionen bei Herzschwäche. Hier erwiesen sich ansonsten recht effektive Psychopharmaka als weitgehend wirkungslos. Vielmehr zeigte sich, dass es die engmaschige Betreuung in den Studien war, die dazu führte, dass es den Herzinsuffizienz-Patienten besser ging. Wie in anderen Bereichen der Medizin, gilt auch in der Kardiologie, dass man sich komplexen Krankheiten am besten mit komplexen Versorgungssystemen stellt.

Wie passt das DZHI als eines Ihrer wichtigen „Kinder“ in dieses Konzept?

Prof. Ertl: Zunächst möchte ich betonen, dass die erfolgreiche Antragsstellung für das Zentrum eine ganze Reihe von weiteren „Vätern“ und „Müttern“ hatte. In der Patientenversorgung zeichnet sich das DZHI durch seinen hochgradig interdisziplinären Ansatz aus. Tatsächlich bringt das Zentrum mit Psychologen, Psychiatern, Genetikern, Chemikern, Physikern usw. eine bunte Gruppe von Experten zusammen, die sich normalerweise nicht mit dem Herzen und seinen Erkrankungen beschäftigen. Neben den Spezialambulanzen für Herzschwäche schufen wir in den vergangenen Jahren unter anderem neue Versorgungsmodelle, beispielsweise mit spezialisierten Pflegekräften, die unsere Patienten intensiv betreuen, teilweise telefonisch auch zuhause. In der Forschung konnten wir durch das Zentrum klinische Studienstrukturen aufbauen. Vorher war unsere Herzforschung eher basiswissenschaftlich orientiert.

Wie werden Sie nach dem Ende Ihrer Tätigkeiten in der Medizinischen Klinik I und im DZHI mit der Kardiologie in Kontakt bleiben?

Prof. Ertl: Ich bin nach wie vor stark in der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung engagiert und werde dort weiterhin diverse Arbeitsgruppen betreuen. Beispielsweise widmete ich mich in den letzten Jahren der Aufarbeitung der Rolle unserer Fachgesellschaft in der NS-Zeit. Weiterhin werde ich auch in Zukunft in den Leitungsgremien großer internationaler Studien tätig sein. Last but not least werde ich – allerdings in sehr begrenzten Umfang – am Uniklinikum Würzburg noch ärztliche Tätigkeiten vor allem in Form von Spezialsprechstunden ausführen.

Was können Sie über Ihren Nachfolger in der Klinikleitung und am DZHI sagen?

Prof. Ertl: Um es auf den Punkt zu bringen: Mein „Schüler“ Prof. Dr. Sebastian Frantz war für mich der Wunschkandidat! Als mein ehemaliger Assistenzarzt und späterer Leitender Oberarzt sowie als Mitwirkender bei der Antragstellung des DZHI verfügt er über beste Kenntnisse unserer Strukturen. Zusammen mit seinen zwischenzeitlich am Universitätsklinikum Halle gesammelten Erfahrungen weiß ich die Medizinische Klinik I und das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz bei ihm in den besten Händen.

Als hauptamtlicher Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg haben Sie jetzt noch mehr Kapazitäten für diese Aufgabe frei. Wie werden Sie diese nutzen?

Prof. Ertl: Ich plane, mich noch stärker um die Netzwerkbildung zu kümmern. Dabei streben wir im Sinne einer noch besseren Versorgung gerade der älteren Patienten eine noch umfassendere Überwindung der Sektorengrenzen in der Medizinlandschaft an. Dazu gehören gleichermaßen neue Kooperationsideen mit anderen Krankenhäusern wie auch eine noch engere Kommunikation mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten.

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