Prof. Bärbel Kahl-Nieke erste Präsidentin der DGZMK

Frankfurt a.M./Düsseldorf. Es ist ein Bündel an Aufgaben, das vor ihr liegt. Doch das scheint die neue Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), Prof. Dr. med. dent. Bärbel Kahl-Nieke (56, UKE Hamburg) nicht zu schrecken: „Alle unter der Präsidentschaft meines geschätzten Vorgängers, Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake, initiierten Projekte befinden sich auf einem guten Weg. Mein Ziel ist es, sie in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit dem Geschäftsführenden Vorstand zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen oder fest zu etablieren.“ Wichtige Themen dabei werden das neue Internet-Portal „owidi“, die weitere Positionierung der Wissenschaftsförderungs-Agentur AWZMK, die bessere Anbindung des studentischen Nachwuchses an die DGZMK sowie die weitere Leitlinien-Arbeit sein, die vom neuen Präsidenten elect, Prof. Dr. Michael Walter, übernommen wird.

Als erste Frau an der Spitze der ältesten zahnmedizinischen Vereinigung Deutschlands sieht die Kieferorthopädin keine Notwendigkeit, die Gender-Thematik unnötig zu strapazieren. „Ich bin keine Quotenfrau und werde meine Arbeit so emanzipiert angehen, wie ich es an anderen Stellen in den über 30 Jahren meines Berufslebens auch gehandhabt habe“, erläutert die neue DGZMK-Präsidentin. „Ein wichtiger Aspekt meiner Amtszeit wird sicher die Fortführung der meist guten Zusammenarbeit mit den Repräsentanten der berufspolitischen Organisationen Bundeszahnärztekammer und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sein. Darunter verstehe ich auch, dass jeder der Beteiligten respektiert, wo sein Wirkungsbereich liegt und wo er endet. Die DGZMK hat sich in der Vergangenheit immer kooperationsbereit gezeigt, wenn es um berufspolitische Anliegen ging und wird das auch weiter so halten.“

Nach dem Zahnmedizinstudium in Gießen hat Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke ihre wissenschaftliche Laufbahn an der Kölner Universität begonnen und dort auch promoviert (1985). Es folgte ein Jahr später der Abschluss der Weiterbildung zur Kieferorthopädin und bis 1998 ihre Tätigkeit als Oberärztin der Poliklinik für Kieferorthopädie. 1994 erfolgte die Habilitation, seit 1998 ist die neue DGZMK-Präsidentin Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), seit 2002 Ärztliche Leiterin des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (UKE). Erfahrung im Wissenschafts-Management sammelte sie u.a. als Präsidentin der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kieferorthopädie (DGKFO, 2002), als zweite Vorsitzende des German Board of Orthodontics (seit 2003) und als Präsidentin der DGKFO (2005 – 2009). Seit 2008 ist sie Vizepräsidentin der FEO. Auch an der Universität Hamburg hat sie verschiedene zusätzliche Aufgaben übernommen, durfte sich 2009 über den Titel „Teacher of the Year“ freuen. Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen u.a. in der KFO-Frühbehandlung inkl. Funktionsdiagnostik und -therapie, insbesondere von Patienten mit Juveniler Idiopathischer Arthritis sowie Klasse III-Anomalien und LKG-Spalttherapie. Sie ist Autorin der „Einführung in die Kieferorthopädie“.

Prof. Michael Walter neuer Präsident elect der DGZMK
Neuer Präsident elect der DGZMK ist Prof. Dr. med. dent. Michael Walter (TU Dresden). Er wird turnusmäßig in drei Jahren die Präsidentschaft der DGZMK übernehmen. Prof. Walter (58) kann bei seiner künftigen Aufgabe auf große Erfahrung im Wissenschaftsbetrieb zurückgreifen. „Die DGZMK bildet als Dachverband die gesamte Bandbreite der wissenschaftlichen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ab. Aus der großen Mitgliederbasis und der hervorragenden Reputation erwachsen auf dieser Grundlage Möglichkeiten, die den besonderen Reiz der Arbeit für die DGZMK ausmachen“, erläutert Prof. Walter, warum er sich auf seine neue Aufgabe besonders freut: „Diese Sicht auf das Ganze ist ein Alleinstellungsmerkmal und begründet die Attraktivität der Gesellschaft.“

Die DGZMK habe eine zentrale Funktion inne, die gleichermaßen der wissenschaftlichen Gemeinschaft, der Zahnärzteschaft und den Patienten zugute kommen könne. Konkret nennt Prof. Walter für seine neue Funktion folgende Schwerpunkte: „Ich halte die Stärkung der Evidenzbasierung der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Forschungsförderung, Forschungsmanagement) und den Wissenstransfer in die Praxis (Leitlinien, Handlungsempfehlungen, Wissensportal owidi etc.) für ganz wichtige Aufgaben der Zukunft. Weitere wesentliche Themen sind die Positionierung in der Medizin, Aus-, Fort- und Weiterbildung und die europäische Perspektive. Die gewachsene Zusammenarbeit mit der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung halte ich für sehr wertvoll.“

Seit 1994 ist Prof. Walter Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden, als Vizepräsident (2004 – 2008) und dann als Präsident (2008 – 2012) der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro, früher DGZPW) kennt Prof. Walter die Arbeit in zahnmedizinischen wissenschaftlichen Fachgesellschaften aus dem Effeff. Auch seine langjährige Mitarbeit in verschiedenen Funktionen im Forschungsverbund Public Health Sachsen / Sachsen-Anhalt prädestiniert ihn für seine künftige Aufgabe. Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeitsgebiete Prof. Walter sind aktuell Klinische Therapiestudien sowie Public Health / Versorgungsforschung. Als Studienleiter betreut er derzeit die „Multizentrische randomisierte kontrollierte Studie zur verkürzten Zahnreihe“, eine der flächendeckend größten Studien dieser Art in der Bundesrepublik, die seit 2001 bereits mit über einer Million Euro an Fördermitteln unterstützt wurde. Studium und wissenschaftliche Laufbahn bis hin zur Habilitation absolvierte Prof. Walter an der FU Berlin.

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