Problematische Medikamentengaben bei Demenz – Workshop zur Versorgungsforschung in Greifswald

Medikamente helfen, Symptome zu lindern und häufig Krankheiten zu heilen; sie können bei falscher Anwendung aber auch krank machen. Wir wissen bereits seit einiger Zeit, dass bestimmte Medikamente bei alten Menschen das Sturzrisiko erhöhen oder die Gedächtnisleistung herabsetzen. In der Folge entstehen dadurch weitere Behandlungsbedarfe und -kosten. Speziell Demenzpatienten werden zu selten mit den für sie optimalen Medikamenten behandelt. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Versorgungsforschung zu Medikamenten eine zunehmende Bedeutung. Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz mit der frühen Nutzenbewertung führte zu einem erheblichen Anstieg der Arzneimittelverbrauchsstudien, die zum Teil und nicht immer zu Recht als Versorgungsstudien bezeichnet wurden. Ziel dieser Studien ist nicht immer nur die Verbesserung der Versorgung, sondern zum Teil auch die Steigerung des Absatzes bzw. die Entwicklung von Marketingstrategien. Dementsprechend sind bei der Durchführung der Studien deutliche Qualitätsschwankungen zu beobachten. In der Konsequenz zeigt sich, dass hier einheitliche Forschungsstandards notwendig sind.

Die Teilnehmer des Workshops in Greifswald diskutieren die Notwendigkeit, die Perspektiven und die Qualitätssicherung bei der Forschung mit Medikamentendaten. Es ist geplant, im Anschluss ein gemeinsames Eckpunktepapier für die Versorgungsforschung mit Medikamentendaten zu veröffentlichen.
Eine klare Ausrichtung dieser Forschung sollte zu einer Optimierung des Medikationsmanagements beitragen. Das heißt, es geht um die Vermeidung unnötiger Medikamente ohne Nutzen oder sogar mit einem Risiko für den Patienten, aber auch um die Beseitigung von Versorgungslücken, wie sie z. B. bei der Osteoporose, Depression und Demenz zu beobachten sind. Ziele der wissenschaftlichen Versorgungsforschung sind letztendlich: die Verbesserung der Lebensqualität, die Vermeidung potenziell ungeeigneter bzw. schlecht verträglicher Medikamente mit einem Risiko für den Anwender, die flächendeckende Versorgung mit Medikamenten, deren Nutzen belegt ist und die Vernetzung der beteiligten Versorger (Arzt, Apotheke und Pflege) vor Ort.

Auf dem Workshop stellt Dr. Bernd Stahlhacke von der Apothekerkammer Mecklenburg-Vorpommern Ergebnisse einer Studie zur Medikamentenanwendung in der ambulanten Versorgung vor, Diplom-Pharmazeutin Anna-Franziska Wüstmann berichtet über Herausforderungen der Diabetestherapie bei kognitiv eingeschränkten Patienten, und Dr. Thomas Fiß wird über erste Erfahrungen aus dem Medikationsmanagement von Demenz-Patienten referieren. Als wichtige Kooperationspartner in der Forschung werden die Allgemeinmediziner Prof. Jean-Francois Chenot und Prof. Attila Altiner Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker aufzeichnen. Prof. Wolfgang Hoffmann stellt zum Abschluss Rahmenbedingungen und Konzepte der vernetzten Versorgungsforschung dar.

Weitere Informationen
Weitere Informationen zur Veranstaltung gibt Ihnen Dr. Fiß (siehe Ansprechpartner).
DZNE
DZNE-Standort Greifswald/Rostock
CommunityMedicin − Abteilung Versorgungsepidemiologie und Community Health
Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG)

Links zu themenspezifischen Fachinformationen




Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, MPH
DZNE Standort Rostock/Greifswald
Gf. Direktor des Instituts für Community Medicine
Leiter der DelpHi-MV Studie
Ellernholzstraße 1/2, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-7750
wolfgang.hoffmann@uni-greifswald.de

Medikationsmanagement:
Dr. Thomas Fiß
DZNE Standort Rostock/Greifswald
Ellernholzstraße 1/2, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-7776
thomas.fiss@dzne.de

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