Probefahrt: Unterwegs mit einer Helfer-Armee

(dmd). Rundum renoviert rollt die neue Mercedes E-Klasse auf den Markt. Sparsamere Motoren, mehr elektronische Helfer und ein überarbeitetes Design verleihen der jüngsten Generation der Premiumklasse noch mehr Anziehungskraft. Für mindestens 40.430 Euro ist sie erhältlich. Wir begaben uns mit dem vor allem bei Mittelstandsunternehmern beliebten Modell auf Probefahrt.

Die erneuerte E-Klasse geht mit einer sanfteren Front an den Start. Beide Scheinwerfer-Elemente werden hinter einer gemeinsamen Glashaube zusammengefasst, dazu kommen zwei unterschiedliche Fronten. Die der Version Elegance trägt wie bisher den Stern erhaben auf der Haube, die Avantgarde-Ausführungen bekommen einen Zentralstern am wuchtigen, lamellenbewehrten Kühlergrill. Die Formen wurden ruhiger, dennoch markant ist der Stoßfänger im sogenannten Wing-Design mit gewölbter Spoilerlippe an der unteren Kante. Die E-Klasse hat so an Ausdrucksstärke gewonnen, die verspielten Linien in der Silhouette, die ebenfalls nicht ungeteilte Zustimmungen erfahren hatten, wurden neu gezeichnet und verlängern den knapp 4,9 Meter langen Wagen optisch.

Bedeutende Erneuerungen finden sich jedoch hauptsächlich unter dem Blech. Dazu zählt das blendfreie Fernlicht, das auf Wunsch zu haben ist und mit Voll-LED-Technik entgegenkommende Autos aus dem Fernlichtkegel ausblenden kann. Ein wesentlicher Sicherheitsgewinn, so Klaus Rehkugler, Leiter des Projektmanagements der E-Klasse. Schließlich würden nur 20 Prozent aller Fahrten nachts absolviert, während der Dunkelheit ereigneten sich jedoch 40 Prozent aller Verkehrsunfälle.

Für mehr Sicherheit soll außerdem die Verknüpfung neuer und optimierter Assistenzsysteme sorgen. Eine Stereo-Kamera hinter der Frontscheibe kann das Verkehrsgeschehen noch genauer und schneller analysieren. Sie erlaubt bei einer Gesamtreichweite von 500 Metern bis zu 50 Meter vor dem Fahrzeug räumliches Sehen. Bei maximal 50 km/h Geschwindigkeit bremst die E-Klasse so automatisch vor einem Hindernis, gleichgültig, ob es ein stehendes Fahrzeug oder ein Fußgänger ist.

Der Kreuzungsassistent Plus – zum ersten Mal in einem Mercedes eingesetzt – erkennt den querenden Verkehr und unterstützt den Fahrer beim Bremsen. Auch eine drohende Heckkollision kann mit Hilfe von mehrstufiger Radarsensorik erkannt werden. Der Fahrer des nachfolgenden Fahrzeugs wird durch Aktivierung der Warnblinkleuchten mit erhöhter Frequenz auf die Gefahrensituation aufmerksam gemacht.

Viel verspricht sich Mercedes-Benz vom neuen aktiven Spurhalte-Assistenten. Der kann unbeabsichtigtes Verlassen der Fahrspur erkennen und lenkt, falls ein Zusammenstoß mit entgegenkommendem Verkehr droht, die E-Klasse durch gezielten Bremseneingriff wieder auf die richtige Spur zurück. Auch teilautonomes Fahren im stockenden Verkehr erlaubt dieser Helfer. Zahlreiche Assistenzsysteme waren bislang teilweise in der höher positionierten S-Klasse zu haben, das komplette Programm findet sich in der neuen Generation des Spitzenmodells von Mercedes-Benz, das im Juli debütiert.

Wirklich neu sind die beiden Vierzylinder-Benziner im E 200 (ab 41.918 Euro) und im E 250 (ab 46.975 Euro), sie beziehen aus zwei Litern Hubraum 135 kW/184 PS beziehungsweise 155 kW /211 PS. Das schwächere Aggregat kommt mit 6,1 Liter Benzin 100 Kilometer weit, dem stärkeren genügen 5,8 Liter Treibstoff für diese Strecke. Das entspricht CO2-Emissionen von 142 und 135 g/km. Der kräftigere Vierzylinder erfüllt bereits heute die Abgasnorm Euro 6. Die gleiche Schadstoffklasse erreicht der neue V6-Biturbo-Benziner im E 400, der bei einem Verbrauch von 7,5 Liter für 100 Kilometer 245 kW/333 PS leistet. Seine mit 480 Nm durchaus bärige Drehmomentspitze wuchtet er bereits bei 1.600/min in den Antriebsstrang. Alle Motoren sind mit einem Start-Stopp-System kombiniert, bis auf die Einstiegsmodelle E 200 sowie die Diesel-Versionen E 200 CDI, E 220 CDI und E 250 CDI sorgt in allen E-Klasse-Modellen das automatische 7G-Tronic-Getriebe für die Kraftübertragung.

Unterwegs zeigt vor allem der E 250 die Sonnenseite des Sterns. Durchzugsstark und vibrationsarm treibt der Vierzylinder den 1.680 Kilogramm schweren Wagen in 7,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 243 km/h Spitze sind möglich. Die Automatik lernt mit und passt ihre Schaltmuster dem Fahrverhalten des Fahrers an, späte Gangwechsel, wenn er den sportlichen Fahrstil bevorzug, frühere, wenn er es langsamer angeht. Das Fahrverhalten wirkt dabei nie nervös oder unausgewogen, allein das Einlenkverhalten macht bei forscher Gangart einen etwas behäbigen, fast synthetischen Eindruck. Windgeräusche und Federungsverhalten bewegen sich dagegen auf höchstem Komfortniveau, die Bremsen arbeiten mustergültig dosier- und belastbar. Ähnliches gilt für die T-Modell genannten Kombi-Versionen der E-Klasse, sie entsprechen in ihrer Variantenvielfalt der Limousine, sind jedoch rund 3.000 Euro teurer als diese.

Kurzcharakteristik – Mercedes-Benz E-Klasse
– Alternative zu: Audi A6, BMW 5er, Lexus GS
– Passt zu: standesbewussten, reifen Mittelstandsunternehmern
– Sieht gut aus: wegen neuer, gefälligen Design-Lösungen
– Was sonst noch kommt: Coupé und Cabrio im Mai
– Steht beim Händler: ab 13. April

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