Probefahrt: Skoda Rapid – Geradliniger Gefährte

(dmd). Schnörkellos und solide rollt die neue Modellreihe von Skoda auf den Asphalt. So bescheiden wie das Äußere ist auch der Preis des Skoda Rapid mit knapp 14.000 Euro in der einfachsten Version. Wir begaben uns mit dem Neuling auf Probefahrt.

Als Kleinwagen kann man den 4,48 Meter-Fronttriebler nicht bezeichnen. Somit ist er schon formal ein klassischer Skoda, schließlich ist die Marke bekannt für ihre zwischen den Klassen platzierten Modelle. Ob der zunächst ausschließlich als Stufenheck startende Rapid in Deutschland als zündende Idee gewertet wird, bleibt abzuwarten. Für den Fall der Fälle hat Skoda ja auch noch die Fließheck-Variante in der Pipeline.

Am Design zumindest sollte es nicht liegen, bei der neuen Offerte hat sich das Gestalterteam unter Führung von Jozef Kaban mächtig ins Zeug gelegt. Das Markenemblem prangt in Metallausführung mittig auf der Motorhaube am Ende des markanten, ausgebuchteten Streifens, der Kühlergrill-Rahmen ist jetzt extra dafür eingerückt: ein gelungenes optisches Gimmick. Die Karosserie gefällt durch kantige, konturierte Linienführung, auffällige Rückleuchten mit einprägsamem Nachtdesign runden die harmonische Gestaltung ab. Daran knüpft die Innenraum-Architektur nahtlos an; es dominieren gerade, akkurate Linien. Das Verarbeitungsniveau ist hoch, ganz wie man es von einem Produkt des Volkswagen-Konzerns erwartet.

Neben den konventionellen Stauflächen gibt es diverse ausgefallene Ablagen. Dazu gehören ein Abfallbecher in der seitlichen Ablage, der Warnwesten-Halter unter dem Sitz oder beispielsweise der passend gestaltete Eiskratzer im Tankdeckel. Viel Platz vorn und hinten, das wirkt sich angenehm auf der Langstrecke aus. Über 2,60 Meter Radstand (also exakt der Wert zwischen Golf VI und VII) sorgt für bemerkenswerten Abstand zwischen Fond-Sitzkissen und Lehne, so dass selbst die Beine großgewachsener Fahrgäste nie störenden Kontakt mit den vorderen Stühlen aufnehmen. Und während der Reise schweift der Blick über penibel sortierte Schalter mit Garantie auf Selbsterklärung. Markentypisch skalierte Rundinstrumente lassen sich überdies bestens ablesen. Darüber hinaus markiert der Kofferraum mit seinen 550 Litern Stauvolumen die Spitze im Wettbewerber-Umfeld.

Was steckt unter der athletisch gezeichneten Motorhaube? Jedenfalls weniger athletische Motoren. Power muss man woanders suchen, denn 90 kW/122 PS aus 1,4 Litern Hubraum markieren hier schon das Ende der Fahnenstange. Dennoch geht der muntere Vierzylinder, lediglich zu haben in Kombination mit dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe, ambitioniert an die Arbeit und treibt den 1,2-Tonner hurtig voran. Neuneinhalb Sekunden für den Standard-Sprint auf 100 km/h verspricht das Werk – die klingen in der Tat realistisch.

Insgesamt zwar nicht ganz so kräftig, aber dank ansehnlichem Drehmomentplateau von 250 Nm zwischen 1.500 und 2.500 Umdrehungen durchaus druckvoll, agiert der aus anderen Baureihen bestens bekannte 1,6 TDI. Aber warum nur fehlt der sechste Gang? Okay, 114 Gramm CO2 je Kilometer und der somit auf 4,4 Liter Diesel je 100 km bezifferte Konsum können sich ja sehen lassen. Aber neben etwas weniger Verbrauch würden sich auch die Ohren über eine tourensenkende längere Übersetzung freuen.

Übrigens kommt der Selbstzünder in der Green Tec-Version gar auf vier Liter, zum Mehrpreis von 400 Euro. Ob das lohnt, sollte der Kunde unter Berücksichtigung seiner individuellen Kilometerleistung sorgfältig durchrechnen. Für Wenigfahrer könnte der 1,2 Liter große Basis-Vierzylinder interessant sein – als Zugpferd entpuppt sich der durchaus kultiviert laufende, direkteinspritzende Zweiventiler aber nicht und verlangt trotz Aufladung nach fleißiger Bedienung des Schalthebels. Für die knapp 14.000 Euro gibt es allerdings nur einen 1,2-Liter-Dreizylinder mit 55 kW/75 PS, den Skoda noch nicht zu Testfahrten bereitstellte.

Aber Dynamik ist nun mal nicht das Steckenpferd des Rapid, selbst wenn der Modellname etwas anderes suggerieren mag. Dieses Bild gibt auch das Fahrwerk ab zusammen mit der leicht synthetisch anmutenden Servolenkung elektrischer Bauart. Was auf der kurvigen Landstraße als Stimmungskiller empfunden werden kann, ist in der City wohltuend. Und schlecht asphaltierte Straßen müssen den Insassen keine Kopfschmerzen bereiten, denn die wirkungsvollen Dämpfer werden sogar mit aggressiven Querfugen locker fertig.

Dass der Rapid ein geradliniges Auto ohne Schnickschnack ist, verraten auch die Sonderausstattungen. Keine Gimmicks à la Spurhaltewarner oder Notbremsassistent. Natürlich sind die Standards an Bord – serienmäßig gibt es die volle Airbagausrüstung und für die EU-Versionen ESP. Klimaautomatik, Navi mit Bildschirm (990 Euro) und Tempomat (in Verbindung mit Sitzheizung 299 Euro) sind hier die höchsten Gefühle automobilen Luxus. Technikaffine Kunden bekommen mit der Green Tec-Option ein Start-Stopp-System sowie Bremsenergie-Rückgewinnung. Wer den Topdiesel in der Elegance-Linie bestellt und bei den Sonderausstattungen kräftig zulangt, durchbricht die 25.000 Euro-Schallmauer. Aber wer wollte das einem Skoda Rapid übelnehmen? Schließlich gibt es für den Gegenwert auch ein grundsolides Stück Auto.

Skoda Rapid – Kurzcharakteristik:
– Alternative zu: Renault Fluence, Mazda 3 Stufenheck, Mitsubishi Lancer, Dacia Logan, Chevrolet Cruze Stufenheck, Seat Toledo
– Sieht gut aus: wird dank des klassischen Designs vor allem lange gut aussehen

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