Probefahrt: Mini-Kraxler für bescheidene Stadt-Abenteurer

(dmd). Das Segment der Mini-SUVs wächst. Die deutschen Hersteller schicken nach dem Opel Mocca demnächst ein weiteres Modell auf den Asphalt: den Ford EcoSport. Wir begaben uns im Herstellerland Brasilien mit dem kleinen Kraxler schonmal vorab auf Probefahrt.

Fast genau wie der Opel Mokka misst der EcoSport 4,22 Meter und bietet innen deshalb ganz ähnliche Platzverhältnisse: Vorn sitzen auch große Erwachsene gut und hinten zumindest auf Kurzstrecken nicht wirklich schlecht. Auch der Kofferraum ist mit 362 Litern ganz ordentlich bemessen, zumal man die Rückbank umlegen und dann bis zur Fensterunterkante 705 Liter verstauen kann.

Während es daheim in Brasilien zwei etwas angestaubte Vierzylinder-Benziner gibt, die mit der üblichen Ethanol-Umrüstung eine grüne Weste tragen, aber dafür ziemlich schmalbrüstig wirken, kommen bei uns moderne Triebwerke zum Einsatz. Es wird natürlich den famosen Dreizylinder-Turbo mit seinen mageren 1,0 Liter Hubraum und seinen stolzen 125 PS geben. Es gibt selbstredend einen Diesel. Und auch wenn das bei einem SUV für die Stadt eigentlich keiner braucht, bringt Ford natürlich auch einen Allradantrieb.

Allerdings geht Ford beim Design eigene Wege: Klar, etwas mehr Bodenfreiheit, robuste Anbauteile und eine wuchtige Frontpartie mit einem Blechschutz für die Weichteile haben mittlerweile alle City-SUV. Aber das außen angeschlagene Ersatzrad ist eine stilistische Besonderheit, die den EcoSport zum echten Abenteurer im Feld der Angeber stempelt.

Zwar fehlt ihm daheim in Brasilien der Allradantrieb. Doch wird er diesem Anspruch bei der ersten Testfahrt in und um Sao Paulo durchaus gerecht: Schlaglöcher tief wie Mondkrater meistert er ebenso wie die kniehohen Bodenwellen, mit denen die Behörden den Verkehr beinahe zum Erliegen bringen. Und wo man sich mit dem EcoSport doch nicht durch oder drüber traut, da kurvt man einfach mühelos drum herum. Nicht umsonst ist der Schmalspur-Geländewagen so wendig wie ein Stadtflitzer, nur dass man dank der höheren Sitzposition auch im dichtesten Gewühl den Überblick behält.

Vor den Toren der Stadt und auf der Schnellstraße entlang des Pinheiros dagegen lässt die Freude spürbar nach: Die Lenkung ist zwar ziemlich präzise, und der Federung werden die Ingenieure in Köln schon noch den richtigen Feinschliff verpassen, bevor der Wagen über unsere Autobahnen rollt. Aber die Trommelbremsen an der Hinterachse flößen einem wenig Vertrauen ein, und selbst der größere der beiden Brasilien-Motoren taugt nicht unbedingt als Pulsbeschleuniger. Mit Ethanol befeuert, kommt der Zweiliter zwar auf 147 PS und 194 Nm. Doch für den Sprint auf Tempo 100 braucht er 10,5 Sekunden, Überholen wird zur Geduldsprobe, und schon bei 180 km/h ist Schluss. Dafür war der Motor im Stadtverkehr mit weniger als sieben Litern zufrieden.

Wo die Ingenieure gerade dabei sind: Auch im Innenraum gäbe es noch einiges zu tun. Der ist zwar hübsch gezeichnet und schlägt mit der futuristischen Mittelkonsole die Brücke zu seinen Verwandten. Selbst das moderne Sync-System für Radio und Telefon ist samt der Sprachbedienung schon an Bord und Extras wie die City-Notbremse aus dem B-Max lassen sich sicher schnell einbauen. Doch die Materialauswahl ist so lausig und die Verarbeitung so liederlich, dass der Wagen bei uns ohne Feinschliff keine Chance hätte.

Wie sich Aufrüstung und Export auf den Preis auswirkt, das ist natürlich noch nicht abzusehen. Doch in Brasilien kostet der EcoSport umgerechnet zwischen 17.000 und 20.000 Euro. Und die Kölner wären mit Blick auf den Opel Mokka gut beraten, wenn sie nicht aus diesem Korridor ausscheren würden.

Kurzcharakteristik
– Alternative zu Opel Mokka, Mini Countryman und natürlich auch zum großen Bruder Kuga.
– Passt zu: Freizeitabenteurer und Familienvätern, die sich nicht mehr als Spießer im Van sehen lassen wollen.
– Sieht gut aus vor der Grillhütte und dem Kindergarten
– Was kommt noch: Die Europa-Version mit moderneren Motoren, besserem Interieur – und mit Allradantrieb.

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