Probefahrt: Mehr als nur eine große Klappe

(dmd). Nicht nur in Länge und Breite hat der neue Skoda Octavia Combi jeweils um 4,5 Zentimeter zugelegt, auch der Radstand wuchs auf 2,69 Meter. Mit seiner Gesamtlänge von 4,66 Metern zählt er damit fast nicht mehr zur Kompaktklasse – preislich allerdings schon. Wer 16.640 Euro oder mehr investiert, bekommt einen gefälligen Lademeister mit einem beeindruckenden Kofferraumvolumen von bis zu 1760 Litern. Wir begaben uns mit der dritten Generation des Skoda Octavia Combi auf Probefahrt.

Der große Laderaum und die riesige Klappe des 63 kW/86 PS starken Benziners beeindrucken nicht nur vom Volumen her. Für eine einfache Handhabung lässt sich die Rücksitzlehne per Knopfdruck vom Kofferraum aus umlegen. Ein variabel einstellbarer doppelter sowie wendbarer Laderaumboden, eine Multifunktionsablage unter der Kofferraumabdeckung oder Befestigungssysteme helfen für Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Diese kleinen Helfer sind aber nur gegen Aufpreis erhältlich.

Noch auffälliger sind die verbesserten serienmäßigen Platzverhältnisse. Nicht nur vorne sitzen langbeinige Passagiere bequem, auch im Fond herrscht Freiheit für Arme und Beine. Kopfhaut und Frisur kommen nur in Ausnahmefällen mit dem Dachhimmel in Kontakt. Sitzt man nicht gerade in der Basisversion, erfreut man sich zudem an vielen durchdachten Ablagen, chromfarbenen Applikationen sowie haptisch ansprechenden Oberflächen. Den Eiskratzer im Tankdeckel sowie eine Halterung für Warnwesten unter den Sitzen gibt es ab Werk. Die Bedienelemente stammen wie gehabt aus dem vertrauten VW-Angebot und geben keine Rätsel auf.

Das Motorenangebot bietet ebenfalls keine Überraschungen. Man bedient sich aus den Konzernregalen. Für den Vortrieb stehen vier Benziner von 63 kW/86 PS bis 132 kW/180 PS und vier Diesel von 66 kW/90 PS bis zu 110 kW/150 PS zur Wahl. Sparsamstes Aggregat ist der 1,6-Liter-TDi mit 81 kW/110 PS. Dieses begnügt sich in der spritsparoptimierten Version GreenLine mit durchschnittlich 3,3 Litern (CO2-Ausstoß: 87 g/km) und kommt im Herbst auf den Markt. Dann schieben die Tschechen auch noch eine Erdgasvariante sowie die leistungsstarken RS-Motorisierungen nach. Der Einstiegsdiesel kommt mit einer kleinen zeitlichen Verzögerung auf den Markt.

Auch wenn die Skoda-Verantwortlichen wieder damit rechnen, dass der Dieselanteil hoch sein wird – der Octavia Combi ist ein beliebtes Flottenauto – für wenigfahrende Privatnutzer sind die Benziner durchaus eine Überlegung wert. Und es muss nicht unbedingt das Topaggregat mit 132 kW/180 PS sein. Der kleine 1,2-Liter-TSI mit 77 kW/105 PS macht seine Sache gut. Der an ein Sechsgang-Getriebe gekoppelte Motor ist zwar weder ein Wunder an Durchzugskraft noch geeignet für Beschleunigungsexzesse, aber ideal für entspanntes Fahren – ohne dass man als Verkehrshindernis ungewünschte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Fahrbahnunebenheiten werden trotz der im Vergleich zum Golf einfacheren Hinterachskonstruktion meist brav geschluckt, das Handling ist für einen Kombi, der keine Sportwagenambitionen hat, recht agil. Der Bordcomputer zeigte einen Durchschnittsverbrauch von sechs Litern an und somit nur rund einen Liter mehr als der Normwert vorgibt.

Mit rund vier Wochen Verzögerung kommen die Allrad-Versionen Ende Juni auf den Markt. Der leistungsstärkste Benziner sowie die 77 kW/105 PS und 110 kW/150 PS starken Selbstzünder sind auch mit permanentem 4×4-Antrieb erhältlich. Zum Einsatz gelangt die weiterentwickelte Haldex-Kupplung der fünften Generation. Der Aufpreis beträgt rund 2.000 Euro zur vergleichbaren Front-Variante.

Apropos Aufpreis. Skoda offeriert wie für die Limousine auch für den Combi optional verschiedene Assistenzsysteme. Dazu zählen unter anderem Fernlicht-, Spurhalte-, Abstands-, Einpark- oder Verkehrszeichenerkennungshelfer. Neue Navigations- und Audiosysteme halten ebenfalls Einzug.

Wählt man nicht Basisausstattung und -motor und legt zudem Wert auf einige Extras entfernt man sich rasch vom Einstiegspreis. Die Marke von 20.000 Euro ist schnell überschritten und die von 25.000 Euro nicht weit. Natürlich freut es Skoda, wenn darüber hinaus investiert wird. Betrachtet man den Octavia Combi nur im preislichen Rahmenprogramm der kompakten Mitbewerber, ist er nicht länger das Schnäppchen, das er einmal war. Vergleicht man ihn aber aufgrund seiner Abmessungen mit der Mittelklasse-Konkurrenz, kann er durch sein Preis-Leistungsverhältnis punkten. Zumal er bei Assistenzsystemen und Multimediaangebot ordentlich aufgeholt hat. Ach ja: Ein schön geschnittenes Blechkleid gibt es auch noch serienmäßig. Auch die neue Generation setzt auf klare Linien und Kanten.

Skoda Octavia Combi – Kurzcharakteristik:
– Alternative zu: Astra Sports Tourer, Ford Focus Turnier, Hyundai i30 cw, aber auch zu VW Passat Variant
– Passt zu: Leuten, die lieber viel laden als viel zahlen
– Sieht gut aus: mit geöffneter Heckklappe und umgelegten Rücksitzlehnen
– Wann kommt er: 25. Mai, die 4×4-Versionen stehen Ende Juni beim Händler
– Was noch kommt: die leistungsstarken RS-Varianten mit 210 PS bzw. 184 PS für den RS-Diesel, Erdgas-Version

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