Probefahrt: Kompakter Knauserer

(dmd). Mit dem Ford Kuga schicken die Kölner einen Kämpfer auf den Markt. Seine Feinde: die Koreaner und der VW Tiguan. Rundum erneuert präsentiert der kompakte SUV sich jetzt mit acht Zentimetern mehr Länge. Seine verlockendste Charaktereigenschaft liegt jedoch im Preis. Wir begaben uns mit dem Neuling auf Probefahrt.

Mit mehr Platz im Fond, zahlreichen neuen Assistenzsystemen und sparsameren Antrieben soll der Kuga den Familienalltag aber besser meistern und nicht nur die Konkurrenz aus Korea und Wolfsburg ärgern. Angriffslust demonstriert er auch durch Kampfpreise. So gibt es den Ford als ausschließlich frontangetriebenes Einstiegsmodell künftig mit neuem, 110 kW/150 PS starkem 1,6-Liter-Benzindirekteinspritzer zu Preisen ab 24.000 Euro – und in einer zeitlich nicht limitierten Einführungsphase sogar ab 20.990 Euro. Ein Basispreis, der 6.700 Euro billiger als bisher ausfällt und in dieser Klasse nur noch von schwächer motorisierten Kia Sportage und Hyundai ix35 um ein paar 100 Euro unterboten wird. Sogar mit der stärksten 2,0-Liter-Diesel-Motorisierung ist der Kuga günstiger als bisher. 29.500 Euro berechnet Ford für den neuen Allradler mit 120 kW/163 PS und damit rund 1.200 Euro weniger als bisher und 3.600 Euro weniger als VW für einen vergleichbaren Tiguan fordert.

Primus ist der Kuga durch eine Fülle neuer Assistenzsysteme wie Abstandskontrolle, Müdigkeitswarner und automatisches Notbremssystem. Darunter sind auch praktische Helfer wie eine elektrische Heckklappenöffnung via Bewegungssensor. Nach kurzer Gewöhnung genügt eine Fußbewegung als Zauberwort „Sesam öffne Dich“, um ein merklich größer gewordenes Ladeabteil freizugeben, das nunmehr 481 (mit Reifenreparaturset) bis 1.653 Liter fasst.

Trotz unveränderten Radstands bietet das auf neuer Plattform konstruierte Familienfahrzeug wesentlich größere Bewegungsfreiheit im Fond. Schade nur, dass die Sitzflächen zu kurz geraten sind. Viel- und Langstreckenfahrer werden aber die nun bessere Geräuschisolation des 1,70 Meter hoch bauenden Crossovers goutieren. Bei der gleichermaßen komfortablen wie sportiven Fahrwerksabstimmung setzt Ford nach wie vor Maßstäbe. Hier wird der Kuga auch dem Gattungsnamen SUV in jeder Hinsicht gerecht.

Dank der variablen Kraftverteilung für den aufpreispflichtigen Allradantrieb, mit der das Drehmoment auf die einzelnen Rädern geleitetet werden kann, präsentiert sich der Ford fast schon als Fahrspaßmaschine. Tatsächlich lässt sich kaum ein anderes SUV so leichtfüßig fahren. Was jetzt noch fehlt, ist eine entsprechend starke Spitzenmotorisierung. Nachdem Ford den temperamentvollen Fünfzylinder-Benziner gestrichen hat, ist der stärkste Tiguan schnellster Sprinter.

Zumindest gleichauf sind die Kölner im Kampf um den Rang des Knauserkönigs, denn mit einem Normverbrauch von 5,3 Litern auf 100 Kilometer zählt der 103 kW/140 PS starke Diesel in seinem Segment zu den Besten. Im Alltag darf es natürlich wie immer deutlich mehr Diesel sein, aber es gelingt doch, die Sechs vor dem Komma zu wahren. Noch niedriger wäre der Verbrauch wahrscheinlich mit Start-Stopp-System, dieses gibt es aber nur für den Basis-Benziner. Dafür sind die Diesel auf Wunsch mit Doppelkupplungsgetriebe bestellbar, während es für den Ottomotor keine Optionen bei den Getrieben gibt. Der Basis-Benziner verfügt über eine manuelle Sechsgangschaltung, der stärkere Otto über eine Sechsstufenautomatik.

Keinen Fortschritt gegenüber dem Vorgänger können wir übrigens im Cockpit des Kuga konstatieren. Nach wie vor ist die Kommandozentrale mit verwirrend vielen Schaltern und Tasten ausgestattet, dafür der Monitor für Bordcomputer und optionale Navigation zu klein. Und noch ein Minuspunkt: Die Mittelkonsole ist so umfangreich dimensioniert, das von dem eigentlich großzügigen Platzangebot subjektiv viel verloren geht.

Dennoch: In den USA zählt der Kompakt-SUV unter dem Namen Escape bereits zu den Segmentführern und auch in Europa hat dieser Ford gute Chancen, den meisten Wettbewerbern davon zu fahren – vor allem, wenn der Preis entscheidet.

Ford Kuga – Kurzcharakteristik:
– Wann kommt er: am 9.März
– Alternative zu: Volkswagen Tiguan, Hyundai ix35, Kia Sportage, Land Rover Freelander, Mazda CX-5, Renault Koleos und kompakten Kombis wie dem Focus Turnier
– Passt zu: Familien und Handelsvertretern, die Vernunft mit Vergnügen vereinen wollen
– Sieht gut aus: neben nüchternen und nutzwertorientierten Wettbewerbern und klassischen Kombis
– Was kommt noch: Individual-Ausstattungslinie mit Xenon-Licht und Karosserie-Anbauteilen sowie später ein optionaler Hybrid-Antrieb

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