Probefahrt: Chevrolet Cruze Station Wagon 1.4 Turbo – Preisbrecher in der Basisversion

(dmd). Er ist nur ganz knapp vom Platz Nummer eins der Lademeister unter den Kombis entfernt. Dafür gehört er zu den preiswertesten. Der Cruze Station Wagon von Chevrolet bietet mit bis zu 1.478 Litern Stauraum jede Menge Platz und verfügt mit drei Benzinern und zwei Dieselmotoren über einen Leistungsspielraum von 91 kW/124 PS bis 120 kW/163 PS. Wir begaben uns mit dem Turbo-Cruze auf Probefahrt.

Insgesamt gibt sich der neue Chevrolet so europäisch wie die Mitbewerber. Ein deutlich anderes Charakteristikum als die deutschen Segmentführer VW Golf Variant, Opel Astra Sports und Ford Focus Turnier weist er jedoch durch seine kleinere Bandbreite an elektronischen Helfern an Bord auf. Dafür bietet er neben den Klassikern wie schlüssellosem Zugang oder optionaler Rückfahrkamera etwas ganz Neues: Ein optionales Infotainmentsystem mit Sieben-Zoll-Monitor erlaubt den Anschluss von Smartphones und den Zugriff auf darin gespeicherte Musik, Videos, Fotos oder Telefonnummern.

Überzeugen soll der Chevrolet auch mit den neu eingeführten Motoren. Allerdings war dies auch notwendig, zumindest was das bisherige Benziner-Programm betraf. Die weiterhin erhältlichen 1,6- und 1,8-Liter-Ottomotoren wirken durchzugsschwach und wenig temperamentvoll. Ganz anders gibt sich das neue, schon im Astra eingeführte 103 kW/140 PS starke 1,4-Liter-Turbo-Triebwerk, wie wir auf einer ersten Testfahrt feststellen konnten. Mit einem Normverbrauch von 5,7 Litern je 100 Kilometer unterbietet der Chevy nicht nur minimal den Astra Sports Tourer, sondern sogar den nur 90 kW/122 PS entwickelnden 1.4 TSI im Golf Variant, der sich 6,3 Liter gönnt.

Flott unterwegs
Der Turbo-Cruze zieht lustvoll durchs Drehzahlband und überrascht bei Überholsprints mit mehr Kraft aus dem Drehzahlkeller, als es 200 Nm maximales Drehmoment eigentlich erwarten lassen. Fleißig schalten muss also nicht sein, macht aber Spaß, sind doch die Schaltwege kurz und präzise geführt. Lässt man den Kombi vorwiegend im sechsten Gang dahinrollen – die kleineren Benziner müssen sich übrigens mit fünf Gängen bescheiden – gelingt es sogar, Verbrauchsresultate relativ nahe der Norm zu erzielen.

Anders sieht es naturgemäß aus, wenn sich der Chevy-Pilot vom überraschend sportlich ausgelegten Fahrwerk zu flotter Gangart verführen lässt. Bei noch ausreichendem Komfort zirkelt der Cruise um Kurven wie man es früher von Amerikanern nicht erwartet hätte. Die Verwandtschaft zum Astra zahlt sich auch hier positiv aus. Viel- und Langstreckenfahrer werden sich dagegen wahrscheinlich mehr über die gute Geräuschisolation und den Abrollkomfort des Kombis sogar auf ausbesserungsbedürftigen Autobahnabschnitten freuen.

Preisbrecher in der Basisversion
Das sauber verarbeitete Ladeabteil bietet auch dank leicht umlegbarer Rückbank genügend Stauraum für großes Reisegepäck oder sperrige Güter von gewerblichen Kombikäufern, verzichtet jedoch auf besonders ausgefeilte Finessen aus Netzen, Schienen und Haken wie sie etwa Opel bietet. Vielleicht weil ein Chevrolet laut Werbung „Zweckmäßigkeit“ zeigen soll. Verwöhnte Kombikunden kann der Cruze so aber nicht erreichen.

Nach wie vor überdurchschnittlich gut ist das Preis-Leistungsverhältnis des Cruze, die Rolle eines Preisbrechers übernimmt jedoch letztlich die Basisversion, die vor allem auf Flottenkunden zielen soll und 1.000 Euro weniger kostet als etwa ein Astra Sports Tourer. Zwar lässt sich auch mit dem kräftigen und knauserigen 1,4-Liter-Turbobenziner gegenüber der deutschen Konkurrenz sparen, der Preisvorteil bewegt sich dann aber nur bei wenigen Prozent.

FAZIT
Passt zu: Familien und Gewerbetreibenden, bei denen Vernunft vor Vergnügen geht   
Sieht gut aus: neben gesichtslosen Allerweltskombis  
Alternative zu: Opel Astra Sports Tourer, VW Golf Variant, Skoda Octavia Combi, Hyundai i30 cw und allen anderen Kompaktklasse-Kombis
Was kommt noch: weitere Ausstattungspakete

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