Probefahrt: Bodenständiges Nesthäkchen

(dmd). Die Familie der kompakten Opel-Astra-Baureihe ist komplett. Nach dem dreitürigen GTC, der fünftürigen Fließhecklimo und dem Sports Tourer-Kombi ist nun der Viertürer an der Reihe. Wir haben uns mit dem Neuzugang auf Probefahrt begeben.

Wie die Konkurrenz setzt die nunmehr vierte Karosserieform in der Rüsselsheimer Kompaktklasse auf konservative, aber betont elegante Stufenhecklinien. Für Vortrieb sorgt  ein Sortiment aus vier Benzinern mit Leistungswerten zwischen 74 kW/100 PS und 132 kW/180 PS sowie drei Dieselmotoren, die zwischen 70 kW/95 PS und 96 kW/130 PS entwickeln. Darunter auch der 1,7-Liter-CDTI-Diesel in Ecoflex-Version mit wahlweise 81 kW/110 PS und 96 kW/130 PS Leistung. Der Selbstzünder mit Start-Stopp-System macht die Astra Limousine zum Spritsparkönig der Stufenheck-Klasse mit einem Normverbrauch von nur 3,7 Liter auf 100 Kilometer und einem Schadstoffausstoß von nur 99 Gramm CO2 je Kilometer. Die Preise für den im polnischen Gleiwitz produzierten und vor allem für Russland gedachten viertürigen Astra beginnen bei 18.270 Euro, das entspricht einem Aufpreis von 500 Euro gegenüber einem vergleichbaren Fünftürer.

Dafür bietet der Stufenheck-Opel 460 Liter Kofferraum, mithin 90 Liter mehr als die Steilheckversion. Weniger eindrucksvoll ist der Wert im Wettbewerbsvergleich, so fasst der VW Jetta immerhin 510 Liter und der Renault Fluence sogar 530 Liter. Damit übertreffen diese Limousinen sogar das Opel-Flaggschiff Insignia, zu dem der Stufenheck-Astra außen wie innen einen deutlichen Respektabstand wahrt. Bei aller optischen Verwandtschaft also kein Mini-Insignia, dazu fehlt es dem Astra trotz technischer Nachrüstung auch künftig an der Finesse der anspruchsvollen Mittelklasse. Der viertürige Astra setzt stattdessen mehr auf bodenständige praktische Werte. So lassen sich die asymmetrisch geteilten Rücksitzlehnen des Opels umlegen und das Ladevolumen auf 1.010 Liter erhöhen. Genug für Großeinkäufe oder Kleinmöbeltransporte.

Auch den Fondpassagieren kommen konstruktive Vorteile des Viertürers zugute. So bietet der Stufenheck-Astra eine deutlich bessere Fahrgeräuschdämmung als die Schwestermodelle mit Heckklappe, wie wir bei Testfahrten mit vollbesetzten Fahrzeugen feststellten. Dazu fühlen sich sogar Erwachsene auf der körpergerecht geformten Rückbank wohl, nur die Beinfreiheit könnte größer sein. Hier ist die Limousine ebenso wie die anderen Astra knapper bemessen als die üppige Außenlänge vermuten lässt.

Fast wie ein Großer lässt sich der kompakte Opel dafür ab sofort bei den Assistenzsystemen ausstaffieren. Der Ford Focus setzte hier zuerst Maßstäbe und Opel legt jetzt nach, rechtzeitig bevor der neue Golf an den Start geht. So gibt es jetzt die Optionen Parkassistent mit Parklückenerkennung und Rückfahrkamera, einen adaptiven Tempomat mit automatischer Gefahrenbremsung bei Geschwindigkeiten zwischen 50 km/h und 180 km/h, eine weiterentwickelte Frontkamera mit Verkehrszeichenerkennung, Spurassistent und Abstandsanzeige zum Vordermann und Frontkollisionswarner.

Überzeugend gibt sich der Opel bei Fahrwerk und Federung. Keine unnötig harte Abstimmung wie sie die Passagiere in verschiedenen Wettbewerbern belästigt, stattdessen ein gelungener Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit. Leichtfüßig und direkt reagiert der Astra auf Lenkbefehle des Fahrers, dennoch lässt er sich weder durch zackige Kurvenfahrten noch durch Spurrillen und Seitenwind aus der Ruhe bringen. Kurz, der Astra zählt noch immer zu den fahraktivsten Kompakten.

Vor allem, wenn ihn ein agiler Turbobenziner antreibt wie der nachgeschärfte 103 kW/140 PS starke 1,4-Liter-Vierzylinder. Eine automatische Overboost-Funktion erhöht jetzt das Drehmoment kurzeitig um zehn Prozent von 200 auf 220 Nm, besonders nützlich bei Überholvorgängen. Mit Preisen ab 20.970 Euro präsentiert sich der kräftige Benziner als echtes Schnäppchen im Umfeld der bis zu 4.500 Euro teureren Wettbewerber. Wer statt dem überzeugend abgestimmten manuellen Sechs-Gang-Getriebe den Komfort einer Automatik bevorzugt, für den hält Opel jetzt auch beim Astra einen modernen Sechs-Gang-Automaten bereit.

Dennoch zählt die Limousine nicht zu den wichtigsten Innovationsträgern in der Astra-Familie. So setzt etwa der neue 143 kW/195 PS leistende 2,0-Liter-Bi-Turbo-Diesel in allen Karosserievarianten ein technisches Glanzlicht des neuen Modelljahrgangs – außer beim Viertürer, der offenbar in dieser Hinsicht betulicher bleiben soll. Ob der konservativ karossierte Astra in den Verkaufszahlen mehr Dynamik zeigt als Stufenheckmodelle anderer Marken, bleibt abzuwarten. Überzeugende Qualitäten besitzt die kompakte Opel Limousine jedenfalls.

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