PRESSEMITTEILUNG. WECKRUF FÜR DIE AUSBILDUNG: GESUNDHEITSBERUFE DER ZUKUNFT – KEIN WARTEN AUF EINEN KULTURWANDEL

Wien, Österreich, 28. Juni 2019 – Unter dem Motto „Weckruf für die Ausbildung:
Gesundheitsberufe der Zukunft“ diskutierte am 24. Juni in Wien das European Health
Forum Gastein (EHFG) in Kooperation mit Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) mit dem
Fachpublikum, welcher Innovationen und Entscheidungen es bedarf, um unsere
Gesundheitsberufe zukunftsfähig zu machen.

Health Professionals sind aufgefordert, das Gesundheitssystem der Zukunft aktiv
mitzugestalten. Doch wie machen wir unser Gesundheitspersonal fit für die Zukunft? Wie
sollen wir mit Herausforderungen durch steigenden Bedarf, knappe Ressourcen,
demografische Veränderungen und wachsende Ansprüche umgehen, wie begegnen wir
Entwicklungen bedingt etwa durch einen neuen Skill-Mix und Digitalisierung? Am
vergangenen Montag wurde im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung über die Zukunft
der Gesundheitsberufe mit Expertinnen und Experten aus Forschung & Lehre, aus der Praxis und der Zivilgesellschaft die Frage nach notwendigen Veränderungen in Aus-, Weiter- und Fortbildung erörtert.

Für weitere Informationen über das European Health Forum Gastein:
Pressebüro: press@ehfg.org oder +32 2 321 90 16.

Die Veranstaltung stand unter den folgenden Themenschwerpunkten, die in
Arbeitsgruppen diskutiert wurden:
– Mangel in Gesundheitsberufen: Wie kann man die Arbeit generell attraktiver
gestalten?
– Übertragung von Aufgaben, multiprofessionelles Arbeiten und technologischer
Wandel
– Schulung und Ausbildung für ein Gesundheitspersonal mit digitaler Kompetenz

Die Impulsvorträge wurden von Univ.-Prof. Dr. Michael Ewers, Direktor, Institut für
Gesundheits- und Pflegewissenschaft, Charité, Berlin, Univ.-Prof.in Dr.in Andrea
Siebenhofer-Kroitzsch, Vorständin, Institut für Allgemeinmedizin & evidenzbasierte
Versorgungsforschung, Medizinische Universität Graz, und Dr. Markus Brose, Junge
Allgemeinmedizin Österreich, gehalten.

Durch die Veranstaltung führte Moderator Dr. Matthias Wismar, Senior Health Policy
Analyst, European Observatory on Health Systems and Policies.

Univ.-Prof. Dr. Michael Ewers strich heraus, dass die Entwicklung der primären
Gesundheitsversorgung insbesondere von den drei Faktoren Demografie, Technologie und
einer Lücke zwischen primärer und sekundärer Gesundheitsversorgung dominiert wird,
während Univ.-Prof.in Dr.in Andrea Siebenhofer-Kroitzsch vorschlug, Curricula der
unterschiedlichen Ausbildungen zu verbinden und Masterprogramme in „Primärer
Gesundheitsversorgung“ zu schaffen.

Jungmediziner und neue Arten der Zusammenarbeit

Dr. Markus Brose berichtete aus der Praxis eines Allgemeinmediziners in Ausbildung und
forderte, im Trainingsalltag in der Klinik die spezifischen Anforderungen der
Allgemeinmedizin stärker zu berücksichtigen, um Jungmediziner besser auf die künftigen
Herausforderungen vorzubereiten. Die Arbeit eines Allgemeinmediziners sei attraktiv,
meinte eine Landärztin, die Bedingungen seien es allerdings nicht, weshalb sich viele junge Kolleginnen und Kollegen für andere Spezialisierungen entscheiden würden.

JungmedizinerInnen würden eher zu Gruppenpraxen tendieren und stünden neuen,
weniger hierarchischen Arten interprofessioneller Zusammenarbeit mit mehr Spielraum
offener gegenüber, würden sich aber mehr Platz für Innovation wünschen. Im Rahmen des
Vortrags wurde auch ein Video gezeigt, der die Lehrpraxis in der Allgemeinmedizinausbildung im Ländervergleich näher beleuchtet: https://www.youtube.com/watch?v=lScQp-jPYao .

Gemeinsame Lehrveranstaltungen, um voneinander zu lernen?

Die Steigerung digitaler Kompetenz und Verankerung von Technologie in den Curricula der
Gesundheitsberufe, interprofessionelle Ausbildungsmöglichkeiten und die systematische
Schaffung von Anreizen zur Aufnahme eines Gesundheitsberufes waren die zentralen
Forderungen im Plenum und in Diskussionen in den Arbeitsgruppen. Ein wichtiges Anliegen ist es, Schnittstellen zwischen den Gesundheitsberufen zu schaffen, um Ressourcen zu bündeln und eine sinnvolle Verteilung zwischen Ärzten und Pflegepersonal und höhere Flexibilität bei der Übernahme von Aufgaben zu erreichen – „Man weiß einfach zu wenig voneinander und müsse viel mehr voneinander lernen“, meinte eine Vertreterin einer Berufsgruppe. Einigkeit bestand, dass es nicht ausreichen kann, auf einen Kulturwandel im Gesundheitsbereich zu warten – vielmehr sind jetzt Handlungen in der Ausbildung zu setzen, um für die Zukunft eine bessere Qualitätskontrolle und –sicherung zu ermöglichen. Wie soll man künftig Aufgaben verteilen, sodass Patientinnen und Patienten die Pflege erhalten, die sie brauchen? Ein etwas provokanter Kommentar dazu: Die Aufgabe von Pflegenden ist es nicht, Ärztinnen und Ärzte zu entlasten. Nicht zuletzt muss die Ausbildung der Gesundheitsberufe im Hinblick darauf verändert werden, dass die heutigen Patientinnen und Patienten exzellent informiert sind, und sich die Erwartungshaltung gegenüber den Gesundheitsberufen gewandelt hat.

Zusammenfassend hielt Moderator Dr. Matthias Wismar folgendes fest:

„Die heutige Diskussion zeichnete sich durch einen Querschnitt aller Gesundheitsberufe
aus. Health Professionals aller Bereiche sind anzuhören und einzubeziehen, um einen
langfristigen Wandel herbeizuführen. Dies zeigt einmal mehr, dass der Schlüssel in der
politischen und praktischen Interprofessionalität liegt.“

Mehr Informationen zu Veranstaltung finden Sie auf der Webseite des EHFG.

Über das European Health Forum Gastein

Das European Health Forum Gastein (EHFG) wurde 1998 als Europäische
Gesundheitspolitikkonferenz gegründet. Ziel ist es, eine Plattform für alle
Interessengruppen im Bereich des Gesundheitswesens und darüber hinaus zu bieten. Im
letzten Jahrzehnt hat sich das EHFG als unverzichtbare Institution für die Europäische
Gesundheitspolitik etabliert. Es hat entscheidend zur Entwicklung von Richtlinien und
besonders zum grenzüberschreitenden Austausch von Erfahrung, Information und
Kooperation beigetragen. Führende Experten nehmen an der Konferenz teil, die jährlich an
drei Tagen im Oktober im Gasteiner Tal in den österreichischen Alpen abgehalten wird.
#EHFG2019 wird vom 2. bis 4. Oktober stattfinden und unter dem Titel „A healthy dose of
disruption? Transformative change for health and societal well-being“ darauf abzielen,
dem Gesundheitswesen mit innovativen Entwicklungen neuen Schwung zu verleihen.

Scroll to Top