Presseeinladung: Weltkongress seelische Gesundheit im Kindsalter

Zeit: 29.06.2010 bis 03.07.2010
Ort: CCL, Congress Center Leipzig, Neue Messe, Messe-Allee 1, 04356 Leipzig

Leipzig als Veranstaltungsort

Erstmals veranstaltet die World Association for Infant Mental Health (WAIMH) ihren alle zwei Jahre stattfindenden Kongress in Deutschland. Auf Leipzig ist die Wahl gefallen, weil im Osten Deutschlands nach zwei Diktaturen große gesellschaftliche Veränderungen stattgefunden haben und sich im Rahmen der demokratischen Entwicklung weiterhin vollziehen. "Solche politischen und sozialen Übergangsphasen haben sich schon immer in ganz besonderer Weise auf die Lebensbedingungen von kleinen Kindern und Familien ausgewirkt", sagt Kongresspräsident Professor Kai von Klitzing, Leiter der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Leipzig.
Der Kongress steht unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder, die in ihrem Grußwort betont: "Unser Ziel ist es, die ganze Reichhaltigkeit von Erfahrungen und Informationen, die wir durch Interventionsprogramme in der frühen Kindheit gesammelt haben, zusammen zu tragen und mit anderen auszutauschen."
Der französische Präsident der WAIMH, Professor Antoine Guedeney aus Paris betont: "Leipzig und der Ostteil Deutschlands sind für Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen und Pädagogen unter dem Aspekt sehr interessant, wie sich der soziale und politische Wandel auf Kleinkinder und Eltern auswirkt."
In mehreren Vorträgen und Diskussionsrunden wird der Focus auch auf Länder gerichtet, die einen Übergang von einem kommunistischen Regime zu einem demokratischen System erlebt haben. Beiträgen aus Lettland, Polen, Ungarn, Ukraine, Russland und anderen postsowjetischen Ländern sind zu erwarten. Ein Thema: Die veränderten Bedingungen der Säuglingspflege und Kindererziehung.

Weichen werden früh gesetzt

Die austragende World Association for Infant Mental Health (WAIMH) ist eine weltweit tätige Organisation von Ärzten, Psychologen und verwandten Berufsgruppen, die sich für die Förderung der seelischen Gesundheit in der frühen Kindheit einsetzt. Wissenschaftlich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die körperlichen und seelischen Lebensbedingungen, unter denen ein Kind während der Schwangerschaft und den ersten drei Lebensjahren aufwächst, entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung haben. In der frühen Kindheit wirken viele Risikofaktoren für spätere psychische Erkrankungen, ebenso wie Schutzfaktoren, die eine gesunde Entwicklung ermöglichen. Der Wirtschafts-Nobel¬preis¬träger James Heckman hat die Gesellschaft aufgefordert, sich mehr um die frühe Kindheit zu kümmern, da Verbesserungsmaßnahmen in dieser Zeit eine "hohe Rendite in Bezug auf das Humankapital" einer gesunden Gesellschaft erwirtschaften.
Entsprechend werden auch zurzeit Studien an der Medizinischen Fakultät in Leipzig durchgeführt, so z. B. eine wissenschaftliche Evaluation des Hausbesuchsprogramms "Pro Kind" für Hochrisiko¬familien oder ein Kurzpsychotherapieprogramm für Vorschulkinder mit Depressionen. "Erste Ergebnisse sind ermutigend", so Professor Dr. med. Kai von Klitzing. "Je jünger das Kind ist, umso effektiver ist es möglich, entwicklungshemmende Symptome zu reduzieren."

Thematisch breit aufgestellt

Das wissenschaftliche Programm könnte reichhaltiger nicht sein. Einen großen Themenschwerpunkt wird das Problem der Kindesmisshandlung bilden. Dabei werden Programme zur Verhinderung von Kindesvernachlässigung sowie therapeutische Konzepte zur Milderung psychischer Folgen vorgestellt. Außerdem werden in weit über 100 Vorträgen, Symposien und Workshops ausgewiesene, internationale Experten u.a. folgende Themen beleuchten:
Wie beeinflussen frühe Erfahrungen des Kindes seine Gehirnentwicklung? (Prof. Zeanah, USA)
Wie kommuniziert das Kind, bevor es sprechen lernt? (Prof. Tomasello, Deutschland).
Wie kann Kleinkindern und ihren Eltern durch Psychotherapie geholfen werden? (Prof. Emanuel, England)
Das gesamte Programm finden Sie unter www.waimh-leipzig2010.org

Grundsteinlegung für ein Denkmal der Stadt Leipzig

Im Rahmen des Kongresses wird eine feierliche Grundsteinlegung für ein Denkmal der Stadt Leipzig für die Opfer des nationalsozialistischen Kindereuthanasieprogramms stattfinden. Mittwoch, 30. Juni 2010, 18 bis 19 Uhr im Friedenspark, Leipzig, (Kontakt: Thomas Seide, Psychiatrie Koordinator der Stadt Leipzig, thomas.seyde@leipzig.de, Tel. 0341 123-6806 oder 0341 123-6807)

Pressekontakt vor Ort im CCL:

Dr. med. Michael Kroll, zu erreichen über Tagungsbüro am Kongresseingang

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Presseeinladung:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Zum Auftakt des Weltkongresses für seelische Gesundheit im frühen Kindsalter laden wir zu einer Pressekonferenz mit ausgewählten Themen ein.

Zeit: 29.06.2010, 11:30 Uhr
Ort: CCL, Seminar Raum 13
Neue Messe, Messe-Allee 1, 04356 Leipzig

Folgende Themen und Gesprächspartner erwarten Sie:

Kindheit in Ostdeutschland,
Prof. Dr. von Klitzing, Leiter der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätsklinik Leipzig

Die Lebensbedingungen von Kindern in Ostdeutschland haben sich nach der Wende dramatisch verändert. Die heutigen Eltern sind meist selbst während ihrer Kindheit von kollektiven und autoritären Erziehungsformen geprägt worden. Dagegen wird von ihnen heute eine eher individualisierte elterliche Fürsorge für ihr Kind erwartet. Dies führt zu Verunsicherung in den Familien, auch wenn viele von dem Mehr an Freiheit profitieren. Ein Indiz für diese Verunsicherung stellt die stark gefallenen Geburtenraten nach der Wende dar, die jetzt langsam wieder ansteigen, aber noch lange nicht das Niveau in der früheren DDR vor der Wende erreicht haben.

Risiken früher Krippenerziehung,
Dr. Heidi Simoni, Leiterin des Marie Meirhofer Instituts für das Kind, Zürich

Die Frage, welchen Einfluss die Platzierung von Kindern in Kinderkrippen in den ersten 3 Lebensjahren auf die kindliche Entwicklung hat, ist höchst umstritten, und zwar sowohl zwischen ostdeutschen und westdeutschen Eltern als auch zwischen verschiedenen Wissenschaftlern. Die Gesellschaft für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit fordert die besondere gesellschaftliche Sensibilität für dieses Thema sowie eine der kindlichen Entwicklung gerecht werdende qualitativ hochwertige frühe Erziehung in Kinderkrippen: Kleinere Gruppen, mehr und besser ausgebildetes Personal sowie die vermehrte Anwendung entwicklungspsychologischer und pädagogischer Kenntnisse in der frühen Kindheit.

Wird Sucht und Alkoholabhängigkeit bereits in der frühen Kindheit angelegt?
Prof. Hiram Fitzgerald,
Michigan State University, USA

Eine breit angelegte Studie im US-Bundesstaat Michigan hat schon bei ganz kleinen Kindern ungünstige Entwicklungsverläufe nachgewiesen, wenn ihre Eltern durch Alkoholabhängigkeit und Substanzmissbrauch beeinträchtigt sind. Langfristig erhöht sich das Risiko für eine eigene Suchtentwicklung ebenso wie für psychische Auffälligkeiten aller Art. Suchtprävention heißt deshalb zuallererst, Unterstützungsmaßnahmen für Familien Suchtkranker möglichst schon während der Schwangerschaft und im Kleinkindalter anzubieten.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Kai von Klitzing
Telefon: +49 341 97-24010
E-Mail: kai.vonklitzing@uniklinik-leipzig.de
kjp.uniklinikum-leipzig.de
(idw, 06/2010)

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