Preisregen für Ulmer Onkologen

Lenalidomid ist der Nachfolger des Contergan-Wirkstoffs Thalidomid, der vor mehr als 50 Jahren Fehlbildungen bei zahlreichen Neugeborenen auslöste. Ende der 90-er Jahre wurde das einstige Schlafmittel wiederentdeckt und erfolgreich gegen bösartige Knochenmarkserkrankungen wie das Multiple Myelom eingesetzt. Lenalidomid wirkt auch bei einer weiteren Erkrankung der Blutbildung, dem Myelodysplastischen Syndrom (MDS). Durch genetische Veränderungen der Stammzellen können diese Patienten keine funktionstüchtigen Blutzellen mehr bilden und entwickeln schlimmstenfalls eine akute Leukämie. Warum sich der Zustand vieler Betroffener unter Lenalidomid bessert, hat Dr. Krönke bei einem dreijährigen Aufenthalt am Brigham and Women’s Hospital/Harvard Medical School und an der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III erforscht. 2014 konnten Krönke und seine Forscherkollegen nachweisen, dass der Arzneistoff an das Enzym Cereblon Ubiquitin-Ligase bindet, was zum gezielten Abbau von bestimmten krebsfördernden Eiweißen über das Proteasom, die Protein-Müllabfuhr der Zelle, führt.

In einer zweiten Studie, die vor wenigen Wochen im renommierten Fachjournal Nature erschienen ist, hat Krönke nach weiteren Substraten der Cereblon Ubiquitin-Ligase gesucht, die bei MDS-Patienten durch Lenalidomid reguliert werden. Offenbar nutzt Lenalidomid gezielt den Verlust eines Gens in den Krebszellen aus, um diese zu töten. Außerdem fanden die Forscher heraus, warum Mäuse resistent gegenüber den Wirkungen von Lenalidomid sind und konnten den Wirkstoff erstmals in einem genetisch veränderten Mausmodell testen. Für diese Leistung wurde Dr. Krönke mit dem Artur-Pappenheim-Preis der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand am Samstag bei der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie in Basel statt. Beim Dies academicus der Universität Ulm im Februar hat der Mediziner für vorangegangene Forschungsergebnisse bereits den Franziska-Kolb-Preis zur Förderung der Leukämieforschung erhalten.

Mit dem Projektpreis der Stiftung des Württembergischen Krebspreises, den Krönke Anfang Oktober in Tübingen erhielt, wird sein Nachfolgeprojekt gefördert: Der Onkologe will Resistenzmechanismen gegenüber Lenalidomid aufklären und nach entsprechenden genetischen Markern suchen. So soll die Behandlung von MDS-Patienten weiter individualisiert werden.

Der Württembergische Krebspreis der Dres. Carl Maximilian und Carl Manfred Bayer-Stiftung wird an Krebsforscher unter 40 Jahren verliehen, die gebürtige Württemberger sind oder in Württemberg forschen. Neben Krönke zeichnete der Stiftungsvorsitzende Professor Claus Claussen die Tübinger Onkologin Professorin Julia Skokowa für ihre Forschung zu „Mechanismen der malignen Entartung der Stammzelle“ mit einem weiteren Projektpreis (20 000 Euro) aus. Den Nachwuchspreis über 10 000 Euro erhielt die Assistenzärztin Dr. Juliane Stickel (Tübingen), die sich mit der peptidbasierten Immuntherapie bei Krebspatienten befasst.

Weitere Informationen: Dr. Jan Krönke: jan.kroenke@uni-ulm.de

Jan Krönke, Emma C. Fink, Paul W. Hollenbach, Kyle J. MacBeth, Slater N. Hurst, Namrata D. Udeshi, Philip P. Chamberlain, D. R. Mani, Hon Wah Man, Anita K. Gandhi, Tanya Svinkina, Rebekka K. Schneider, Marie McConkey, Marcus Jära, Elizabeth Griffiths, Meir Wetzler, Lars Bullinger, Brian E. Cathers, Steven A. Carr, Rajesh Chopra & Benjamin L. Ebert. Lenalidomide induces ubiquitination and degradation of CK1a in del(5q) MDS. Nature. doi:10.1038/nature14610

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