Preisgewitter über der Klinik für Gefäß- und Endovascularchirurgie

Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) hat auf ihrer 27. Jahrestagung in Erlangen den Wissenschaftspreis, ein Reisestipendium und den Nachwuchsförderungspreis im Sinne einer Anschubfinanzierung an Mitarbeiter der Klinik für Gefäß- und Endovascularchirurgie (Direktor: Prof. Dr. Thomas Schmitz-Rixen) des Klinikums der J.W. Goethe-Universität verliehen. Der prestigeträchtige Wissenschaftspreis als höchste Auszeichnung der DGG ging an Frau Dr. Kerstin Troidl, die als Wissenschaftlerin mit einem Habilitationsstipendium der Klinik forscht und dem Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim assoziiert ist. Er ist verbunden mit einem Preisgeld von 5.000,- Euro. Die 40-jährige gebürtige Gießenerin, die an der Fachhochschule Gießen-Friedberg Biotechnologie studierte, beschäftigte sich anschließend im Rahmen ihrer mit „summa cum laude“ bewerteten Doktorarbeit am Max-Planck-Institut in Bad Nauheim mit molekularbiologischen Fragestellungen des Gefäßwachstums im erwachsenen Organismus.

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit wird im Volksmund auch „Schaufensterkrankheit“ genannt, da arterielle Verschlüsse der Beingefäße und der Beckengefäße sowie der Bauchschlagader die betroffenen Patienten zu wiederholtem Stehenbleiben zwingen. Die Einschränkung der Gehstrecke bedeutet eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität. In weiter fortgeschrittenen Stadien kommt es dann zu Ruheschmerzen und Gewebsuntergang (Gangrän). Nicht selten ist eine Amputation unvermeidbar.

Der Körper selbst versucht einen Ausgleich zu schaffen, um die unzureichende Sauerstoffversorgung wieder zu beheben. Bereits bestehende kleine Arterien werden nun stärker durchblutet und angeregt durch die erhöhten Scherkräfte auf die Gefäßwand beginnen sie zu wachsen. Sie können dann ein größeres Blutvolumen transportieren und so die betroffene, verengte Arterie umgehen. Man nennt diese natürlichen Umgehungskreisläufe auch Kollateralen. Diese in internationalen Fachzeitschriften publizierten Original-Daten haben zur Aufklärung der Signalübertragung des physikalischen Stimulus (erhöhte Scherkräfte) in eine zelluläre Antwort beigetragen und bieten Ansatzpunkte für eine Therapie okklusiver Gefäßerkrankungen. „Wenn wir den molekulargenetischen Hintergrund des Kollateralwachstums besser verstehen, können wir es auch für den Patienten nutzbar machen“, erläutert Troidl. Im Rahmen des nun ausgezeichneten Forschungsprojekts gelang es, dieses wachsende Kollateralgewebe zu isolieren und auf molekularer Ebene detailliert zu analysieren.

Aus der Arbeitsgruppe von Dr. Troidl hat der Medizin-Student Georg Jung das Reisestipendium des „Jungen Forums der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie“ verliehen bekommen. Jung studiert an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und wurde von der Gesellschaft für seine Arbeit im Rahmen seiner laufenden Promotion mit dem Thema „Zeitliche und räumliche Differenzierung von Makrophagensubpopulationen während der Arteriogenese“ unter Betreuung von Prof. Dr. Thomas Schmitz-Rixen ausgezeichnet.

Arteriogenese bezeichnet das Wachstum kleiner Arterien, die in der Lage sind, einen arteriellen Verschluss zu umgehen und damit im Sinne eines natürlichen Bypass wirken, indem sie die Durchblutung hinter dem Verschluss wieder herstellen. Da die arterielle Verschlusskrankheit (paVK) eine der bedeutendsten Volkskrankheiten darstellt, bietet sich in der Erforschung der Arteriogenese ein großes therapeutisches Potential, dessen Erforschung die Bad Nauheimer/Frankfurter Arbeitsgruppe sich zur Aufgabe gemacht hat. Eine wichtige Rolle spielen dabei „Entzündungszellen“ (Makrophagen), die von Jung in Bezug auf diesen Prozess erstmals genauer differenziert wurden und deren pharmakologische Beeinflussung deutlich positive Effekte zeigte. Das Stipendium dient zur Unterstützung eines Lehraufenthaltes in einer deutschen gefäßchirurgischen Einrichtung und ist mit 500,- Euro dotiert. Das Junge Forum der DGG wurde 2010 gegründet und hat es sich zur Aufgabe gemacht, Interessen des Nachwuchses der Gefäßchirurgie zu vertreten. Jeweils zwei nominierte Studenten aller medizinischen Fakultäten in Deutschland werden zur Jahrestagung der DGG eingeladen. Unter den Nachwuchsforschern werden für ihre wissenschaftlichen Arbeiten in einer eigens eingerichteten Vortragssitzung zwei Reisestipendien ausgelobt.

Der neu geschaffene Nachwuchsförderungspreis ging an Frau Dr. Rita Al-Weissi aus der Arbeitsgruppe von Priv.-Doz. Dr. Thomas Schmandra (stellv. Klinikdirektor). Frau Dr. Al-Weissi ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik für Gefäß- und Endovascularchirurgie und im ersten Jahr Ihrer Weiterbildung zur Gefäßchirurgin. Dieser Preis ist mit 10.000,- Euro dotiert und wurde von Dr. Al-Weissi kompetitiv gegen 11 andere Forschungsvorschläge aus Deutschland gewonnen. Der Betrag wird zur Förderung des aktuellen Projekts „in-vitro Remodelling durch Flow-Augmentation“ verwendet. Hier geht es um die Erforschung von Wachstumsprozessen nach Eingriffen im Gefäßsystem. Die Forschung erfolgt in miniaturisierten künstlichen Zirkulationen an komplexen Zell- und Gewebekulturen unter verschiedenen Blutflussbedingungen. Ziel der geplanten Studie ist die Etablierung eines validen Modells, in dem die verstärkte Expression von am Wachstum beteiligten Genen und Botenstoffen in menschlichen Gefäßwandzellen messbar und reproduzierbar nachgewiesen wird. Durch die Simulation von Blutgefäßen und darin erzeugten Turbulenzen analog den Verwirbelungen bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit hat die geplante experimentelle Arbeit eine deutliche klinische Relevanz.

„Die Preisverleihungen sind eine starke Belohnung der forschungsorientierten Ausrichtung unserer Klinik“, freut sich Prof. Schmitz-Rixen über den Preisregen.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Thomas Schmitz-Rixen
Direktor der Klinik für Gefäß- und Endovascularchirurgie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 – 5349
Fax (0 69) 63 01 – 5336
E-Mail thschmitzrixen@me.com

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt
Fon (0 69) 63 01 – 77 64
Fax (0 69) 63 01 – 83 22 2
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