Präzisionsmedizin auch für Patienten in der Psychiatrie

Patienten in der Psychiatrie sollen von der so genannten Präzisionsmedizin oder personalisierten Medizin profitieren, denn trotz ähnlicher Symptome weisen Betroffene unterschiedliche Veränderungen in Gehirnfunktionen auf und sprechen unterschiedlich auf Therapien mit Medikamenten und psychotherapeutischen Verfahren an. Ziel der neuen Sektion für Experimentelle Psychopathologie und Bildgebung am Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg ist es deshalb, die Diagnostik durch funktionelle Gehirn-Bildgebung mit Magnetresonanztomographie (MRT) zu verbessern und Therapien individuell anzupassen. Sektions-Leiter Prof. Dr. Oliver Gruber lädt gemeinsam mit der Geschäftsführenden Direktorin des Zentrums, Prof. Dr. Sabine Herpertz, herzlich alle Interessierten zum Auftaktsymposium am 14. Juli 2017 von 14 bis 18 Uhr ein: Hörsaal R040, Klinik für Allgemeine Psychiatrie, Haus 1, Voßstr. 4, 69115 Heidelberg-Bergheim. Nationale und internationale Experten geben Einblicke in neueste Ergebnisse aus Klinik und Forschung bei affektiven und schizophrenen Störungen. Die Vortragssprache ist deutsch. Im Vorfeld können für Presse Interviews vermittelt werden.

Beim Symposium wird die neue Spezialambulanz für Personalisierte Psychiatrie (S4P) offiziell eröffnet. Die Spezialambulanz ermöglicht Patienten mit affektiven und schizophrenen Störungen den Zugang zu modernsten Untersuchungen von Gehirnfunktionen. Prinzipiell besteht die Möglichkeit zu einer teilstationären Behandlung in der Tagesklinik Kraepelin.

Depression ist nicht gleich Depression: Welche Therapie passt zum Patienten?

Mit welchen bildgebenden Markern lassen sich krankhafte Veränderungen in Gehirnfunktionen per MRT-Aufnahmen darstellen? Welche Subtypen z.B. von Depressionen können die Experten dadurch bestimmen? Auf welche Therapien sprechen diese Patienten an, auf welche nicht? Welche präventiven Maßnahmen zur Verbesserung des langfristigen Krankheitsverlaufs eignen sich? „Diese Fragen bearbeiten wir aktuell im Rahmen experimenteller Forschungsarbeiten und klinischer Studien“, sagt Prof. Gruber. „Ziel ist es, Ergebnisse aus der Forschung in die Patientenversorgung zu übertragen. Unsere Ambulanz ist Anlaufstelle für Patienten, die an einer präzisen Untersuchung ihrer Gehirnfunktion mittels funktioneller Magnetresonanztomographie interessiert sind.“ Die Forschungsarbeiten sind eingebettet in das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Forschungsnetz für psychische Erkrankungen: www.fzpe.de

Bei affektiven Störungen kommt es über einen längeren Zeitraum hinweg zu Abweichungen von Stimmung und Antrieb, d.h. zu depressiven oder manischen Phasen. Die häufigste Form ist die unipolare Depression nur mit depressiven Phasen. Experten rechnen damit, dass in Deutschland rund 5 Millionen Menschen pro Jahr an einer solchen behandlungsbedürftigen Depression erkranken. Patienten mit schizophrenen Störungen können u.a. an Realitätsverlust, Wahnvorstellungen, Störungen des Denkens, der Sprache und der Gefühlswelt leiden. Aktuell gehen Experten von etwa 800.000 Betroffenen in Deutschland aus.

Tagesklinik Kraepelin: Der Psychiater Emil Kraepelin leitete von 1891 bis 1903 die Heidelberger Klinik für Psychiatrie

Beim Symposium wird auch die der Sektion assoziierte Tagesklinik für Affektive Störungen ihren neuen Namen Tagesklinik Kraepelin erhalten, nach dem ehemaligen Heidelberger Ordinarius für Psychiatrie, Emil Kraepelin, der von 1891 bis 1903 die Psychiatrische Universitätsklinik leitete. Mit seinen in Heidelberg durchgeführten Studien zu einer empirisch orientierten Diagnostik war er einer der zentralen Wegbereiter für die aktuell gültige internationale psychiatrische Klassifikation. Er führte experimentalpsychologisches Denken in die Psychiatrie ein, ein Ansatz, in dessen Tradition sich auch die Sektion Experimentelle Psychopathologie und Bildgebung bewegt. „Er gilt als Vordenker einer Präzisionsmedizin in der Psychiatrie“, sagt Prof. Dr. Oliver Gruber. Außerdem hat Kraepelin das Konzept der „natürlichen Krankheitseinheiten“ in die Psychiatrie eingebracht. „Dieses Konzept, welches psychische Störungen als natürliche Phänomene betrachtet, die mit Störungen von Gehirnfunktionen einhergehen, ist nun zentraler Bestandteil des diagnostischen und therapeutischen Denkens in der Tagesklinik Kraepelin“, so Gruber.

Spezialambulanz für Personalisierte Psychiatrie (S4P)

Sektion für Experimentelle Psychopathologie und Bildgebung
Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg
Voßstr. 9, Gebäude 4250 (ehemalige Frauenklinik), 1. Etage, Raum 121 (Sekretariat Prof. Gruber)
69115 Heidelberg
Tel.: 06221 56-7511

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
www.klinikum-heidelberg.de

Scroll to Top