Präventionspreis der DGIM für Forschungen zur Ansteckungsgefahr von Hepatitis-C-Viren

Mit bis zu 130 Millionen Infizierten gehört Hepatitis C zu den weitest verbreiteten Infektionskrankheiten der Welt. In Deutschland leben nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa eine halbe Million Virusträger. Sie erleiden nach anfänglich nur grippeähnlichen Symptomen unbehandelt eine Leberentzündung bis hin zum Leberkrebs. Zwischen 15 und 60 Prozent der Betroffenen stecken sich beim Arzt oder im Krankenhaus an. Diese sogenannte nosokomiale Infektion erfolgt ausschließlich über den Blutweg. Ausreichende Hygiene könnte dies verhindern. Jedoch müsste diese sehr viel weiter reichen, als bisher angenommen, folgert Ciesek aus ihren Ergebnissen.

Lange Zeit war es nicht möglich, das Hepatitis-C-Virus in Zellkulturen zu vermehren. Die Überlebenszeiten der Viren außerhalb des Körpers waren unbekannt. Sandra Ciesek entwickelte deshalb ein neues Zellkulturmodell. „Es zeigt uns, dass wir die Stabilität des Virus bisher deutlich unterschätzt haben“, so die 1978 geborene Assistenzärztin: Bei Raumtemperatur sei das Virus noch nach 28 Tagen ansteckend, bei vier Grad Celsius sogar noch nach 150 Tagen. Zudem überlebt es nicht nur, wie bisher angenommen, in sichtbaren Verunreinigungen mit menschlichem Blutserum. Auch auf vermeintlich sauberen Oberflächen wie Plastik, Stahl oder auf Handschuhen verbirgt es sich. Selbst wenn Ärzte das Virus nicht mit einem Gentest nachweisen könnten, bestünde Ansteckungsgefahr, so die Preisträgerin. Weitere Tests ergaben, dass bestimmte Desinfektionsmittel die Viren nur bei unverdünnter Anwendung vollständig abtöten.

“Diese neuen Erkenntnisse sind für den klinischen Alltag und den sicheren Umgang mit HCV-haltigem Material von großer Relevanz”, begründet die Jury aus Vorstand und Ausschuss der DGIM ihre Entscheidung. Die Tests könnten helfen, das Risiko nosokomialer Infektionen künftig zu senken.

Die DGIM verleiht den Präventionspreis der Deutschen Stiftung für Innere Medizin jährlich für herausragende Publikationen aus dem deutschsprachigen Raum über Themen der Primär- und Sekundär-Prävention innerer Erkrankungen. Sowohl experimentelle Ergebnisse als auch epidemiologisch interessante Fragestellungen kommen für die Preisverleihung in Betracht.

Studie:

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