Positive Bilanz: Konzept für Kongress hat sich bewährt

Frankfurt a.M. – Der Kongress zum Deutschen Zahnärztetag 2017 konnte mit einem neuen Rekord von 3.258 Kongressteilnehmern aufwarten. „Das sind die höchsten Besucherzahlen seit dem großen Gemeinschaftskongress der DGZMK-Fachgesellschaften 2010“, freut sich DGZMK-Präsident Prof. Dr. Michael Walter. „Wir sehen uns mit dem Konzept auf dem richtigen Weg und hoffen auch in Zukunft auf ähnlich erfolgreiche Tagungen.“ Der Kongress unter dem Thema „Praxisalltag und Wissenschaft im Dialog – Pflicht und Kür in der Patientenversorgung“ hat offenbar den Nerv der Zahnärzteschaft getroffen. Prof. Walter: „Der Kongress hat sich inzwischen als feste Größe im zahnärztlichen Veranstaltungskalender eindrucksvoll etabliert.“

Teils proppevolle Vortragsräume und vielfacher kollegialer Meinungsaustausch in lockerer Atmosphäre zeugten von einer lebendigen Veranstaltung, zu deren Erfolg mehr als 200 Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland als Referenten beitrugen. Auch die Industrieschau id mitte verzeichnete großen Andrang, insgesamt meldet die LZKH rund 7000 Fachbesucher in Frankfurt.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz zum Zahnärztetag stellten DGZMK, BZÄK und KZBV gemeinsam die Ergebnisse der repräsentativen multizentrischen Studie „Flüchtlinge in Deutschland – Mundgesundheit, Versorgungsbedarfe und deren Kosten“, die unter Leitung von Prof. Dr. Christian Splieth entstanden war und von der Wrigley Company Foundation finanziell gefördert wurde. Die orale Gesundheit bei Geflüchteten entspricht demnach in etwa dem Stand der bundesdeutschen Bevölkerung von 30 Jahren. Die Studie empfiehlt die Teilhabe dieser Menschen an schon bestehenden Prophylaxe- und Präventionsmaßnahmen.

Im Zeichen der Zukunft stand in gewisser Weise schon der Festakt zur Eröffnung des Deutschen Zahnärztetages, der von DGZMK, BZÄK und KZBV gemeinsam gestaltet wurde. „Vision Deutschland. Wie wir morgen arbeiten und leben.“ – So lautete das Thema des Festredners Prof. Dr. Horst W. Opaschowski, Leiter des Opaschowski-Instituts für Zukunftsforschung. Insgesamt zehn Zukunftsvisionen führte Opaschowksi aus und gab dem Publikum schließlich zehn Gebote mit auf den Weg, die zu persönlichem Wohlergehen führen sollen. Darunter Ratschläge, die mehr soziales Verhalten und Netzwerken sowie weniger Streben nach materiellen Gütern anmahnten. Im Rahmen des Festaktes wurden Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake (Göttingen) und Prof. Dr. Dr. Ludwig Figgener (Münster) mit der goldenen Ehrennadel und der Ehrenmedaille der DGZMK ausgezeichnet.

In seiner Rede zur Eröffnung ging DGZMK-Präsident Prof. Walter auf das Morgen ein : „Das digitale Zeitalter der Zahnmedizin hat längst begonnen, nicht nur in der klinischen Tätigkeit, sondern auch beim Informieren, Lehren und Lernen“, sagte er und verwies dabei auf die DGZMK-Wissensplattform owidi. Dieses neue und zeitgemäße Werkzeug der Wissensvermittlung werde benötigt, so Walter.

Beim Thema Evidenz mahnte Walter eine sachliche Diskussion an. Er verwies dabei auf das aktuelle Beispiel der Behandlung von Parodontopathien: „Wir können aus dem IQWiG-Vorbericht zu den Parodontopathien lernen, dass der Ansatz der bestmöglichen Evidenz in vielen Fällen nicht passfähig ist, sondern auf die bestverfügbare Evidenz zurückgegriffen werden muss, um den aktuellen Wissenstand angemessen darzustellen“, stellt der DGZMK-Präsident klar. „Grundsätzlich gilt die Freiheit der Wissenschaft. Keine wissenschaftlich seriöse evidenzmedizinische Recherche ist verboten, solange sie mit einem validen und offengelegten Methodeninventar durchgeführt wird. Die Interpretation sollte allerdings kritisch erfolgen, auch unter Berücksichtigung der Versorgungsrealität.“

Eine eher pessimistische Bestandsaufnahme gab Walter zum Forschungsstandort Deutschland ab. In diesem Zusammenhang zitierte Walter aus dem kürzlich erschienenen Gutachten des Wissenschaftsrates zur Universitätsmedizin in Sachsen, das sich auf die Medizin insgesamt beziehe. Zum Thema Finanzierung werde dort ausgeführt: „Derzeit können aus Sicht der Bewertungsgruppe weder der Erhalt des erreichten Niveaus noch die Weiterentwicklung der Standorte nachhaltig gewährleistet werden.“

Abschließend äußerte der DGZM-Präsident die Hoffnung, „dass sich auch in der Politik zunehmend eine Sichtweise durchsetzt, die die Sinnhaftigkeit eines vermehrten Ressourceneinsatzes auch in der Zahnmedizin erkennt, ohne schnelles Return of Investment und wahltaktische Breitenwirksamkeit erwarten zu können.“

Auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung der DGZMK am Rande des Deutschen Zahnärztetages standen Wahlen im Mittelpunkt. Neuer Generalsekretär der DGZMK ist Dr. Guido Wucherpfennig (Erfurt). Die beiden Beisitzerposten wurden mit Dr. Jens Baresel (Cadolzburg) sowie Dr. Stefan Ries (Wertheim) per einstimmigem Votum neu besetzt. Zuvor waren in der Mitgliederversammlung die Entlastung des Vorstandes für das Geschäftsjahr 2016 sowie die Genehmigung des Haushaltsplans 2018 einstimmig erfolgt.

Scroll to Top