pneumovisions 2021 – Updates für die pneumologische Community, Prof. Dr. Johann Christian Virchow im Video-Interview (Asthma / COPD)

Neue Routinen zu schaffen – ob in der Praxis oder privat – war im Jahr 2021 mit Blick auf die weiteren Auswirkungen der COVID-19-Pandemie unumgänglich. Darüber hinaus sind ein hohes Maß an Agilität und aktuelles Wissen stärker denn je von der pneumologischen Community gefordert. Die wichtigsten Updates wurden im Rahmen der pneumovisions der Berlin-Chemie AG von 15 forschenden Experten präsentiert. Für alle, die nicht teilnehmen konnten, fasst Professor Virchow, Experte für Asthma und COPD, im Gespräch die Essenz noch einmal zusammen. 

Management-Zyklus unterstützt die kontinuierliche Überprüfung der COPD-Therapie

Bei der Behandlung von COPD wird seit 2019 zwischen einer Initial- und Folgetherapie unterschieden. Bronchodilatatoren, wie langwirksame Beta-2-Mimetika (LABA) und Anticholinergika (LAMA), bilden die Basis für den Therapieeinsteig. Bei stark ausgeprägten Symptomen kann die Behandlung auch mit einer dualen LAMA/LABA-Kombination begonnen werden. Ist der Patient eingestellt, kommt der Management-Zyklus ins Spiel.

Der Management-Zyklus ist ein praxisorientiertes Instrument, das mit der GOLD-Empfehlung eingeführt wurde. Anhand dieses einfachen Prozesses können Ärzte die COPD-Therapie kontinuierlich evaluieren und anpassen. Die GOLD-Empfehlung stellt mit diesem Ansatz die Bedürfnisse des COPD-Patienten hinsichtlich der Therapiewahl in den Mittelpunkt.

Die Therapie immer wieder überprüfen

Im Verlauf der Therapie bietet der Management-Zyklus Hilfestellung zur Therapieevaluation. Er beinhaltet die Punkte Review (Überprüfung) – Assess (Bewertung) – Adjust (Anpassung). Für jeden Patienten sollte ermittelt werden, ob weiterhin Symptome bestehen und wie diese behoben werden können. Mögliche Fragen des behandelnden Arztes können sein: Welche Symptome treten trotz Therapie auf? Ist der Patient adhärent? Nutzt er sein Device korrekt? Zusätzlich sollten nicht-pharmakologische Maßnahmen, wie pulmonale Rehabilitation oder Selbstmanagement-Schulungen, berücksichtigt werden. Wendet der Patient seine Therapie regelmäßig und korrekt an und weist weiterhin Probleme auf, besteht die Option der Eskalation oder Deeskalation.

Folgetherapie: angepasst an individuelle Herausforderungen

Wie wird im Falle einer unzureichenden Einstellung weiter vorgegangen? Der Management-Zyklus orientiert sich an dem Hauptproblem des Patienten: Dyspnoe oder Exazerbation.‘ Patienten, die mit LAMA oder LABA vorbehandelt sind und weiterhin hauptsächlich unter Dyspnoe leiden, sollten in Abstimmung mit ihrem Arzt eine duale LAMA/LABA-Therapie erhalten.

Hält die Atemnot trotz dualer Bronchodilatation weiter an, besteht die Möglichkeit, die Wirkstoffe oder das Device zu wechseln. Eine Eskalation auf eine Triple-Therapie (LAMA/LABA/ICS) kann bei Patienten mit dualer Bronchodilatation erwogen werden, wenn Exazerbationen im Fokus der Beschwerden stehen und das Blutbild ≥ 100 Eosinophile pro µl Blut zeigt. Überschreiten die Eosinophilen die Zahl von 300 pro µl Blut, profitiert der exazerbierende Patient sehr wahrscheinlich von einem ICS. Spricht der Patient nicht darauf an bzw. treten Nebenwirkungen wie Pneumonien auf, sehen die GOLD-Empfehlungen auch eine Deeskalation, z. B. von LAMA/LABA/ICS auf LAMA/LABA vor.

Referenzen / Quellen:

  • Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease. Global strategy for the diagnosis, management and prevention of chronic obstructive pulmonary disease (Update 2020).

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