Philosophie trifft Psychiatrie

Im Jahr 1913 veröffentlichte der Heidelberger Philosoph und Psychiater Karl Jaspers sein bahnbrechendes Lehrbuch „Allgemeine Psychopathologie“ – die erste umfassende und systematische Erfassung psychischer Störungen. Fast 100 Jahre später hat seine philosophische Annäherung an das seelische Erleben nichts an Relevanz verloren. Am 15. und 16. September treffen sich Philosophen, Psychiater und Neurowissenschaftler in Heidelberg zu einem internationalen Kongress, um Jaspers´ Konzepte im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse der Psychiatrie zu diskutieren. Die Veranstaltung der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg ist Teil des Jubiläumsprogramms zum 625-jährigen Bestehen der Universität Heidelberg.

Veranstaltungsorte sind die Alte und Neue Universität (Hörsaal 14) Heidelberg. Die Vortragssprache ist Englisch. Die interessierte Bevölkerung und Journalisten sind herzlich eingeladen.

Krankheitsbilder besser verstehen

Karl Jaspers (1883 -1969), der von 1906 bis 1948 in Heidelberg zunächst Medizin studierte, dann in der Psychiatrischen Universitätsklinik tätig war und ab 1914 Philosophie lehrte, versuchte stets, Philosophie und Psychiatrie zu verbinden. In seiner „Allgemeinen Psychopathologie“ erweiterte er die psychiatrische Diagnostik um die sogenannte Phänomenologie, ursprünglich eine philosophische Methode, um psychische Erkrankungen und Bewusstseinszustände genau zu beschreiben. Systematisch erfasste er Störungen, die in verschiedenen Bereichen des Erlebens – wie Gefühlen, Ich-Bewusstsein, Wille, Fremdbestimmung, Wahrnehmung oder Raum-Zeit-Erleben – auftreten können, und schuf damit die Voraussetzung für ein besseres Verständnis der einzelnen Krankheitsbilder.

Auch heute leistet die Philosophie in der Psychiatrie gute Dienste, wenn es darum geht, der Beziehung zwischen Körper und Geist oder der Grenze zwischen „gesund“ und „psychisch krank“ auf die Spur zu kommen. „Wir beschäftigen uns auch mit Fragen, die Patienten in ihrem Selbsterleben existentiell betreffen, wie die nach der eigenen Identität, der Wirklichkeit oder der Seele. Ein philosophisch geschulter Psychiater kann mit diesen Themen umgehen und den Patienten geeignete Impulse geben“, erklärt der Organisator des Kongresses, Professor Dr. Dr. Thomas Fuchs, der mit der 2010 am Universitätsklinikum Heidelberg eingerichteten Karl-Jaspers-Professur den deutschlandweit ersten Lehrstuhl für philosophische Grundlagen der Psychiatrie inne hat.

Im Rahmen der Tagung „100 Years of Karl Jaspers‘ General Psychopathology” beschäftigen sich die renommierten Referenten aus Deutschland, Dänemark, der Schweiz, Italien, Chile und den USA u.a. mit den Fragen, wie Jaspers´ Konzepte in der modernen Psychiatrie aufgegriffen und weiterentwickelt wurden, und welche Bedeutung sie für die Zukunft gewinnen können.

Programm und weitere Informationen:

Ansprechpartner für Journalisten:
Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs
Klinik für Allgemeine Psychiatrie
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Universitätsklinikum Heidelberg

Tel.: 06221 / 56 4422 oder 56 47 55 (Sekr.)
E-Mail: thomas.fuchs@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter

128 / 2011

Scroll to Top