Pflegepolitik auf Irrwegen?

Weimar. Wege aufzeigen aus dem Labyrinth der Pflege – dies ist eines der Anliegen des 8. Thüringer Pflegetages, zu dem am 5. Oktober 2011 circa 400 Pflegekräfte und Pflegewissenschaftler im congress centrum neue weimarhalle erwartet werden. Prof. Dr. Stephan Dorschner, Leiter des Georg-Streiter-Instituts für Pflegewissenschaften an der Fachhochschule Jena und wissenschaftlicher Leiter der Tagung, sieht die aktuelle Pflegepolitik im vom damaligen Bundesgesundheitsminister Phillip Rösler (FDP) ausgerufenen „politischen Pflegejahr“ 2011 auf dem Irrweg.

Zwar wird der derzeitige Bundesgesundheitsministers Daniel Bahr (FDP) in Kürze die Eckpunkte der von der Bundesregierung geplanten Pflegereform darlegen, durch die unter anderem die Verbesserung der Situation pflegender Angehöriger und der Arbeitsbedingungen professionell Pflegender, die Entbürokratisierung der Pflege, die Reform des Pflegestufensystems und der Pflegeausbildung sowie die Sicherstellung der Finanzierung zunehmend steigender Kosten erreicht werden sollen. Trotzdem sind die Pflegeverbände noch immer nicht in wichtigen gesundheitspolitischen Gremien vertreten und so von wichtigen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen – beispielsweise beim Gemeinsamen Bundesausschuss, der über den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen entscheidet, oder in der Kommission gegen die Unterversorgung in ländlichen Gebieten des Bundesministeriums für Gesundheit. „Die Politik sollte die Pflegereform nicht weiter verzögern und den neuen Begriff der Pflegebedürftigkeit, der ja schon lange diskutiert wird, damit in die Realität umsetzen“, fordert Prof. Dorschner. „Mit den Fachgesprächen und Diskussionen beim Thüringer Pflegetag möchten wir einen ersten möglichen Schritt aus dem Labyrinth der Pflege gehen. Beispielsweise sollte durch die Qualitätsprüfung von Pflegeeinrichtungen mehr Transparenz für Pflegebedürftige und ihre Angehörige geschaffen werden. Jedoch können schlechte Noten im Pflegebereich mit guten Noten in anderen Gebieten ausgeglichen werden – dies kann zu intransparenten Ergebnissen führen. Prof. Dr. Marcellus Bonato von der Fachhochschule Münster wird in seinem Vortrag seine Empfehlungen zur Überarbeitung des Konzeptes zur Diskussion stellen und somit einen Weg zu mehr Transparenz in der Pflege aufzeigen. Außerdem stellen verschiedene Berufsverbände im Rahmen der Tagung ihre Arbeit vor. Das Engagement jedes Einzelnen in den Berufsverbänden trägt auch zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und damit zur Motivation der Pflegekräfte und zur Qualitätssteigerung in der Pflege bei“, so Dorschner weiter.

Neben den politischen Debatten werden praxisrelevante Themen wie die Pflege von Patienten mit chronischen Wunden, Probleme bei der Ernährung alter und pflegebedürftiger Menschen oder die Pflege bei Demenz zur Diskussion stehen. Auch die heitere Seite des Pflegealltags wird mit dem Seminar des ehemaligen Krankenhausclowns „Pello“ zum Thema „Humor als Schwimmring auf dem Strom des Alltags“ Raum im Tagungsprogramm finden.

Pflegende machen die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen aus. Im Jahr 2009 arbeiteten nach Angaben des Thüringer Landesamtes für Statistik allein in Thüringen 22.716 Menschen in der Pflege – zehn Jahre zuvor waren es noch 13.722 Pflegekräfte. Aufgrund des demografischen Wandels wird der Bedarf an Pflegekräften in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter steigen. Der Thüringer Pflegetag versteht sich als Forum für Pflegekräfte aus Thüringen und den angrenzenden Bundesländern zur Weiterbildung, Vernetzung und Diskussion aktueller pflegerelevanter Themen. Nachdem die Tagung bislang in Jena stattfand, wird der Thüringer Pflegetag zukünftig an wechselnden Veranstaltungsorten in ganz Thüringen zu Gast sein.

Auf der Homepage www.thueringer-pflegetag.de finden Sie weitere Informationen zur Veranstaltung. Pressevertreter sind herzlich zum Besuch der Tagung eingeladen. Interessierten Journalisten steht Prof. Dorschner sehr gern für ein Gespräch zur Verfügung.

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