Paul-Martini-Preis 2013 für verträglichere Behandlung bei Lymphknoten-Krebs

Dieser Preis wird jährlich von der Paul-Martini-Stiftung, Berlin, für herausragende Leistungen in der klinisch-therapeutischen Arzneimittelforschung verliehen. Die Verleihung fand bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) in Wiesbaden statt.

Jährlich erkranken in Deutschland rund 2.500 Patienten neu an Hodgkin Lymphom, darunter auch Kinder. Dabei kommt es zu schmerzlosen Schwellungen von Lymphknoten. Galt diese Erkrankung noch vor drei Jahrzehnten als unheilbar, zählt sie mittlerweile zu den Krebsformen mit den besten Heilungschancen. Behandelt wird sie mit Chemotherapie und Bestrahlungen. Leider kann die Behandlung auch zu Spätschäden führen, beispielsweise Leukämien, Herz- und Lungenschäden, vorzeitige Menopause oder Unfruchtbarkeit. Daher konzentrierte sich die Studiengruppe in den letzten Jahren – mit Erfolg – auf die Entwicklung von Therapieplänen, die das Lymphom unvermindert gut bekämpfen, aber mit weniger Chemotherapie-Gaben und geringeren Bestrahlungsdosen auskommen. Binnen kurzer Zeit wurden die neuen Behandlungspläne zum internationalen Standard.

Bessere Verträglichkeit war auch eines der Ziele bei der Entwicklung eines neuen Hodgkin-Medikaments mit der Bezeichnung Brentuximab Vedotin, an der Engert mit der Studiengruppe mitwirkte. Der Wirkstoff heftet sich fast nur an die Tumorzellen und zerstört diese, während er andere Körperzellen weitgehend unbeeinträchtigt lässt. Das Medikament ist seit kurzem zugelassen; weitere Studien zum optimierten Einsatz des Wirkstoffs in verschiedenen Krankheitsstadien laufen oder sind in Vorbereitung.

An den Therapiestudien der Deutschen Hodgkin Studiengruppe beteiligen sich über 400 medizinische Einrichtungen: Universitäts- und andere Kliniken, Krankenhäuser sowie spe-zialisierte Facharztpraxen. Rund 60 Prozent der Patienten mit Hodgkin Lymphom in Deutschland werden im Rahmen von Studien therapiert.

Der Preisträger
Prof. Dr. med. Andreas Engert ist leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik I an der Uniklinik Köln mit Schwerpunkt Onkologie, Hämatologie, Klinische Infektiologie, Klinische Immunologie, Hämostaseologie und internistische Intensivmedizin. Seit 2007 leitet er die Deutsche Hodgkin Studiengruppe. Seine Arbeit konzentriert sich insbesondere auf Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Hodgkin Lymphoms, auf klinische Studien zu Lymphomen und die Entwicklung neuer Ansätze für die Krebstherapie. Das Hodgkin Lymphom und Antikörper-basierte Therapieansätze waren bereits Thema seiner Habilitation 1995 („Entwicklung von Immuntoxinen für den Einsatz bei Hodgkin Lymphomen“). Studienaufenthalte führten ihn u.a. nach London, Los Angeles und Peking.

Die Paul-Martini-Stiftung
Die gemeinnützige Paul-Martini-Stiftung, Berlin, fördert die Arzneimittelforschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschen-den Pharmaindustrie, anderen Forschungseinrichtungen und Vertretern der Gesundheitspolitik und der Behörden. Träger der Stiftung ist der vfa, Berlin, mit seinen derzeit 44 Mitgliedsunternehmen.

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