Patienten-Charta gegen den Schlaganfall

Schlaganfall und Vorhofflimmern (VHF), zwei Begriffe, die uns nachdenklich stimmen sollten. Alle 3 Minuten ereignet sich ein neuer Schlaganfall und alle 9 Minuten stirbt ein Betroffener an einem Schlaganfall. Hauptursache ist in 15 bis 20 % der Schlaganfälle das Vorhofflimmern. Beim Vorhofflimmern erhalten die Vorkammern des Herzens statt der normalen 60 – 70 Impulse pro Minute bis zu 300. Die Vorkammern „flimmern“, das Herz „flattert“. In dieser Situation erreichen nur einige wenige dieser vielen unkontrollierten Impulse in unregelmäßigen Abständen die Hauptkammern. Die Herzleistung sinkt dramatisch und die Gefahr einer Thrombenbildung steigt.

Thromben als Ursache von Schlaganfall

Gelangen Thromben, also Blutpfropfen, über die Aorta ins Gehirn und verstopfen dort in den feinen Gefäßen die Blutzufuhr bestimmter Hirnareale, kommt es zum Schlaganfall. Je nachdem, welches Gehirnareal betroffen ist, werden unterschiedliche Ausfallerscheinungen wie Sprachstörungen, Lähmungen von Arm und Bein, Sehstörungen etc.. ersichtlich. In leichten Fällen verlieren sich die Störungen im Verlauf einer möglichst frühzeitigen Behandlung wieder, in schweren Fällen bleiben sie.

Das Krankheitsrisiko steigt mit dem Lebensalter, so dass vor allem ältere und alte Menschen ein Vorhofflimmern aufweisen. Dieses geht mit einem deutlich erhöhten Schlaganfallrisiko einher, berichtete Professor Dr. Erland Erdmann, Köln, auf dem Diskussionsforum ,,Rathausgespräche“, das zum Thema Dialog Schlaganfall in Düsseldorf stattfand. Er hob hervor, dass Schlaganfälle bei Patienten mit Vorhofflimmern zudem oft besonders schwer verlaufen. ,,Sie führen überproportional häufig zu relevanten bleibenden Behinderungen oder sogar zum Tod des Patienten“, so Erdmann.

Antikoagulation – neue Antikoagulatien einfacher zu handhaben

Senken lässt sich das Schlaganfallrisiko durch eine effektive Antikoagulation, wobei bislang in der Langzeitbehandlung vor allem Vitamin-K-Antagonisten (VKA) zum Einsatz kommen. Die Vitamin-K-Antagonisten, bekanntester Vertreter ist das Marcumar, besitzen allerdings nur eine geringe therapeusche Breite, sodass die optimale Dosierung schwer zu steuern ist und die Blutgerinnung unter der Therapie regelmäßig kontrolliert werden muss.

Angestrebt wird bei der Schlaganfallprophylaxe ein INR-Wert (lnternational Normalized Ratio) von2 bis 3, was konkret bedeutet, dass das Blut zwei- bis dreimal langsamer gerinnen soll als normal. Dieses Therapieziel wird allerdings oft nicht erreicht, nur schätzungsweise jeder zweite Patient unter Vitamin-K-Antagonisten ist korrekt eingestellt. Problematisch bei den Vitamin-K-Antagonisten ist ferner, dass es zu Wechselwirkungen mit verschiedenen Medikamenten und auch mit Nahrungsmitteln kommen kann.

Es gibt inzwischen moderne Antikoagulantien in Tablettenform, mit denen sich eine effektive Schlaganfallprophylaxe beim Vorhofflimmern ohne diese Schwierigkeiten realisieren lässt. Dazu zählen der Faktor Xa-Hemmer Rivaroxaban sowie der Thrombininhibitor Dabigatran.

Die neuen Antikoagulatien sind deutlich einfacher zu handhaben, in ihrer klinischen Wirksamkeit den Vitamin-K-Antagonisten aber mindestens ebenbürtig. Das zeigt das Beispiel des Wirkstoffs Rivaroxaban, der seit Dezember 2011 zur Schlaganfallprophylaxe bei Vorhofflimmern zu gelassen ist.

Patienten-Charta gegen den Schlaganfall

Es sollten deshalb, so das einhellige Fazit bei der Veranstaltung, alle Chancen genutzt werden, die hohe Schlaganfallgefährdung zu senken. Dieses Ziel verfolgt unter anderem die weltweite Patienten-Charta ,,Sign Against Stroke in Atrial Fibrillation“ („Dein Name gegen Schlaganfall“) eine Kampagne, die zwischenzeitlich schon von zahlreichen nationalen und internationalen medizinischen Fachgesellschaften und auch Patientenorganisationen mit getragen wird. Die Kampagne wurde 2011 von 69 Patientenorganisationen aus 20 Ländern gestartet.  Auf dem Weltkongress für Kardiologie im April 2012 waren es bereits 68 medizinische Fachgesellschaften und Patientenorganisationen aus 39 Ländern, die für die Idee einer besseren Information über Vorhofflimmern eintreten.

Mit der Kampagne, die jeder durch seine ,,Unterschrift“ auf der lnternetseite www.signagainststroke.com unterstützen kann, soll verstärkt das Bewusstsein in puncto Vorhofflimmern und Schlaganfallrisiko und damit auch die Früherkennung gestärkt werden. ,,Denn rund 70 Prozent aller Schlaganfälle könnten verhindert werden, wenn den Betroffenen ihre Gefährdung bewusst wäre und eine gezielte Vorbeugung betrieben würde“, erklärte Dr. Markus Wagner, Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, Gütersloh.

 Die Charta fordert seinen Ausführungen zufolge Politiker wie auch Leistungs- und Kostenträger des Gesundheitswesens auf, durch geeignete Maßnahmen für eine verbesserte Behandlung und medizinische Versorgung von Menschen mit Vorhofflimmern und damit einem erhöhten Schlaganfallrisiko zu sorgen. Gefordert werden unter anderem auch

  • lnformations- und Aufklärungskampagnen, um in der Bevölkerung das Wissen zum Vorhofflimmern sowie das Bewusstsein für die Herzrhythmusstörung und die damit verbundenen Gefahren zu verbessern
  • die Etablierung eines nationale Schlaganfallregisters sowie
  • die konsequente Umsetzung anerkannter medizinischer Leitlinien für die Diagnostik und Behandlung von Vorhofflimmern.

Wer mehr über die Charta erfahren und mit seinem Namen beitreten möchte, kommt hier zur richtigen Seite. Kampagne: Sign Against Stroke  http://www.signagainststroke.com

Quelle
Rathausgespräche: Dialog Schlaganfall
Vorstellung der weltweiten Patienten-Charta “Sign Againsf Sfro ke in Atrial Fibrillation“
Düsseldorf, Rathaus Benrath, 27 . Juni 2012
Veranstalter: Bayer HealthCare Deutschland
Vorträge

  • Die Bedeutung der Patienten-Charta aus Sicht der Deutschen Schlaganfall-Hilfe
    Dr. Markus Wagner
    Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe,
    Gütersloh
  • Neue therapeutische Ansätze für Patienten mit Vorhofflimmern
    Prof. Dr. Erland Erdmann
    Direktor der Klinik lll für lnnere Medizin,
    Universität Köln
  • Nutzen für die Patienten durch Aufklärung
    Hannelore Loskill
    Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe e.V., Berlin
    und Patientenvertreterin im Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen
  • Wo steht der Patient im Spannungsfeld Ärzteschaft, Krankenkassen und Politik?
    Erwin Rüddel
    MdB, Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages
    Berlin
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