Partnerschaftsprojekt der MHH: Klinik für Kinderchirurgie im Jemen eröffnet

Nach acht Jahren intensiver Zusammenarbeit zwischen der Klinik für Kinderchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) und der medizinischen Fakultät der Universität Sana´a ist es nun soweit: In der jemenitischen Hauptstadt wurde eine Klinik für Kinderchirurgie eröffnet. Dabei handelt es sich um ein dreistöckiges Gebäude auf dem Gelände des Al Sabeen Hospitals. Dort stehen drei Operationssäle, Behandlungsräume, ein Endoskopiebereich, Ultraschall- und Röntgenräume, ein Labor, eine Ambulanz und eine Neugeborenenstation zur Verfügung. „In der Klinik können prinzipiell alle kinderchirurgischen Eingriffe durchgeführt werden“, freut sich Professor Dr. Claus Petersen, Leitender Oberarzt der MHH-Klinik für Kinderchirurgie. Er hat das Partnerschaftsprojekt von Anfang an persönlich begleitet und koordiniert. Die neue Klinik ist die erste rein kinderchirurgische Abteilung im Land und damit ein Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung. Zeitgleich mit der offiziellen Eröffnung fand Ende September auch der erste internationale kinderchirurgische Kongress im Jemen statt. Von der MHH nahm außer Professor Petersen auch der Direktor der MHH-Klinik für Kinderchirurgie, Professor Dr. Benno Ure teil, der in Personalunion auch das MHH-Präsidium und die Hilfsorganisation Cap Anamur vertrat, die erste Nicht-Regierungs-Organisation (NGO) die das Projekt in Zukunft mit Sachspendenaktiv unterstützt.

Der Jemen gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, auch die medizinische Infrastruktur entspricht der eines Entwicklungslandes. Medizinisch unterversorgt sind dort besonders Kinder unter 14 Jahren, die mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen. „Es gibt in einigen Städten zwar eine Abteilung für Kindermedizin, eine adäquate chirurgische Behandlung wird dort aber nicht geleistet“, erklärt Professor Petersen. Das medizinische Fachgebiet der Kinderchirurgie gab es im Jemen bisher nicht. Kinder werden von Allgemeinchirurgen operiert, die gar nicht oder nur schlecht in Kinderchirurgie ausgebildet sind. Das führt dazu, dass zu viele Neugeborene einen kinderchirurgischen Routineeingriff nicht einmal überleben.

Diese Lücke in der Kindermedizin versucht Dr. Ali Al-Gamrah, Initiator und Koordinator des Projekts auf jemenitischer Seite, schon seit den neunziger Jahren zu füllen. Der Mediziner hatte sein Studium und seine chirurgische Facharztausbildung in Deutschland absolviert und war anschließend wieder in sein Heimatland zurückgekehrt. 2003 kam es zum ersten Kontakt zwischen der Kinderchirurgie der MHH und der Universität Sana´a. 2006 startete dann das Partnerschaftsprojekt „Kinderchirurgie für den Jemen – Lehre zur Lehre“. Seither verfolgen Professor Petersen und Dr. Al-Gamrah das gemeinsame Ziel, die Kinderchirurgie in die universitäre Aus- und die klinische Weiterbildung und in das jemenitische Gesundheitssystem zu integrieren. „Dabei geht es uns vor allem um Qualität und Nachhaltigkeit“, sagt Professor Petersen. „Einerseits muss die klinische Versorgung der Patienten verbessert und andererseits die Kinderchirurgie ein fester Bestandteil des Medizinstudiums an der Universität Sanaa werden. Beides muss ineinandergreifen.“ Vieles von dem ist bereits realisiert und dennoch ist es ein langer Weg, das Erreichte fest zu verankern. Mit der Eröffnung der Klinik für Kinderchirurgie ist das Projekt einen riesigen Schritt vorangekommen. Gefördert wird das Projekt vor allem vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), der bei der Eröffnung von Dr. Christian Hülshörster, dem Leiter der Gruppe Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten, vertreten wurde. Neben einer jährlichen Fördersumme von bis zu 100.000 Euro durch den DAAD, unterstützen die Universität und die Stadt Sana´a das Projekt sowie die MHH und diverse Firmen und private Sponsoren.

Aber auch auf der akademischen Ebene gibt es Fortschritte. Durch das Projekt konnte der Jemen in die arabische Fachgesellschaft für Kinderchirurgie integriert werden. „Das ist für die Nachwuchsförderung ein enormer Vorteil“, sagt Professor Petersen. Universitätskliniken aus Tunesien, Jordanien, Ägypten und aus der Türkei haben dem Jemen bei der Ausbildung von Kinderchirurgen ihre Kooperation angeboten und bereits realisiert. Derzeit werden jemenitische Mediziner im Rahmen der DAAD-Förderung in Kairo, Amman und Monastir weitergebildet. Dieses Programm wird auch im kommenden Jahr fortgesetzt und voraussichtlich ausgeweitet werden. Ein Treffen von Kinderchirurgen aus dem arabischen Raum ist für das kommende Jahr in Amman vorgesehen, wo darüber beraten werden soll, wie man das Gefälle der kinderchirurgischen Expertise in der Region verändern und gerade die instabilen Länder wie den Jemen oder aktuell Syrien unterstützen kann.

„Wir möchten die arabischen Länder für die Bruderschaftshilfe untereinander auf dem Gebiet der Kinderchirurgie sensibilisieren“, erklärt Professor Petersen. Die Koordinatoren hoffen, andere mit ihrem Engagement anzustecken und Mitstreiter zu gewinnen, die das Projekt dann vielleicht in anderen Ländern nachahmen.

Spenden für das Projekt in Sana’a sind herzlich willkommen auf dem MHH-Spendenkonto bei der Sparkasse Hannover, Kontonummer 370 371, Bankleitzahl 250 501 80. Bitte folgendes Stichwort angeben: „Kinderchirurgie für den Jemen“.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professor Dr. Claus Petersen, MHH-Klinik für Kinderchirurgie, Telefon (0511) 532-9047, petersen.claus@mh-hannover.de.

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