P.A.R.T.Y.-Programm der Unfallchirurgen schärft Risikobewusstsein bei Jugendlichen

Ziel des P.A.R.T.Y.-Programms ist es, Jugendliche für die Risiken im Straßenverkehr zu sensibilisieren und so vor einem Unfall zu bewahren.

P.A.R.T.Y. steht für „Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth“. Beim sogenannten Trauma-Rundgang durch die Unfallklinik erfahren die Schüler, wie die Versorgung von schwerverletzten Unfallopfern abläuft: vom Rettungswagen oder dem Helikopter in den Schockraum, von der Intensivstation über die Normalstation und die physiotherapeutische Betreuung. Auf den Stationen lernen die Jugendlichen akut Verletzte oder ehemals Schwerverletzte kennen. Die Patienten berichten, wie sich ihr Leben durch einen Unfall verändert hat und welche familiären oder beruflichen Folgen er hatte. In einigen Kliniken steht auch ein Mittagessen mit Handicap auf dem Programm. Dabei tragen die Jugendlichen eine Armschlinge oder ein Stiffneck (Halswirbelsäulen-Schiene). Damit werden sie in die Lage eines verletzten Patienten versetzt und herausgefordert, vermeintlich einfache Dinge des täglichen Lebens zu erledigen. Darüber hinaus halten Unfallchirurgen und Polizisten Vorträge – ohne erhobenen Zeigefinger. Viel mehr tragen der Rundgang in der Klinik und Gespräche mit Patienten wesentlich dazu bei, dass die Jugendlichen ungefilterte Eindrücke und persönliche Schockmomente hautnah erleben und so dafür sensibilisiert werden, sich im Straßenverkehr achtsam zu verhalten und wohlüberlegte Entscheidungen zu treffen.

Junge Verkehrsteilnehmer im Alter zwischen 15 und 24 Jahren sind nach wie vor die größte Risikogruppe auf deutschen Straßen. Ihr Unfall und Sterberisiko im Straßenverkehr ist mit Abstand das größte. Im Jahr 2015 verloren laut Statistischem Bundesamt 544 Menschen in dieser Altersgruppe bei Verkehrsunfällen ihr Leben – 13.746 trugen schwerste Verletzungen davon. Insgesamt verunglückten im vergangenen Jahr 3.459 Menschen bei Verkehrsunfällen tödlich. 67.681 Menschen aller Altersgruppen erlitten schwerste Verletzungen.

Die Gründe, warum junge Menschen im Straßenverkehr zum Risiko für sich und andere werden, sind vielschichtig und reichen von unangepasster Geschwindigkeit und fehlender Fahrpraxis über die Handynutzung am Steuer sowie dem Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss bis hin zu einer extrem hohen Risikobereitschaft.

DGU-Präsident und Unfallchirurg Professor Dr. Florian Gebhard sagt: „Das Programm klärt über Unfallverletzungen auf, die letztlich durch Alkohol und risikoreiches Verhalten im Straßenverkehr verursacht werden. Wir zeigen den Jugendlichen, welche verheerenden Folgen ein Unfall für den Betroffenen selbst, aber auch für seine Familie und andere am Unfall beteiligte Menschen haben kann. Damit wollen wir die Jugendlichen zum Nachdenken anregen und sie darin stärken, im Straßenverkehr verantwortungsbewusst zu handeln.“

Insgesamt beteiligen sich in diesem Jahr bundesweit 23 Unfallkliniken an der P.A.R.T.Y.-Aktionswoche:

Universitätsklinikum Aachen, Aachen
Bathildiskrankenhaus Pyrmont, Bad Pyrmont
Unfallkrankenhaus Berlin, Berlin
Sankt Agnes Hospital, Bocholt
BG Klinikum Duisburg, Duisburg
BG Unfallklinik Frankfurt, Frankfurt
Universitätsklinikum Göttingen, Göttingen
Universitätsmedizin Greifswald, Greifswald
SLK Klinik am Gesundbrunnen, Heilbronn
Bundeswehrkrankenhaus Koblenz, Koblenz
Krankenhaus Köln-Merheim, Köln
Universitätsklinikum Leipzig, Leipzig
BG Klinik Ludwigshafen, Ludwigshafen
Johannes Wesling Klinikum Minden, Minden
Universitätsklinikum München rechts der Isar, München
Clemenshospital Münster, Münster
Krankenhaus Hetzelstift Neustadt, Neustadt/Weinstraße
Evangelisches Krankenhaus Oldenburg, Oldenburg
Universitätsklinikum Regensburg, Regensburg
Elbe Kliniken, Stade
Katharinenhospital, Stuttgart
Bundeswehrkrankenhaus Ulm, Ulm
Universitätsklinikum Ulm, Ulm

Alle P.A.R.T.Y.-Standorte auf der Deutschlandkarte auf einen Blick unter
http://www.party-dgu.de/de/standorte/deutschlandkarte.html

Hintergrund:
Das P.A.R.T.Y.-Programm zählt seit über 25 Jahren zu den erfolgreichsten Präventionsprogrammen weltweit. Es wurde ursprünglich in Kanada entwickelt, um der hohen Zahl an Verkehrsverletzten unter jungen Menschen entgegenzuwirken. In Deutschland setzt die AUC das P.A.R.T.Y-Programm seit 2012 im Auftrag der DGU um. Damit tragen die deutschen Unfallchirurgen zur Verkehrssicherheitsdekade „Decade of Action for Road Safety 2011-2020“ der Vereinten Nationen (UNO) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei. Partner und Unterstützer der deutschen P.A.R.T.Y.-Initiative sind der Deutsche Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR) und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV).

Referenzen:
1) T. Brockamp, P. Koenen, M. Mutschler, C. Probst, B. Bouillon, U. Schmucker, AG Prävention von Verletzungen der DGU (Juni, 2016) P.A.R.T.Y. Eine Initiative für mehr Risikobewusstsein bei Jugendlichen. Unfallchirurg 119:428–432
Zusendung der Publikation auf Anfrage möglich (Erlaubnis des Verlages liegt vor)

Weitere Informationen:
www.party4school.de
www.party-dgu.de
www.dgu-online.de

Kontakt für Presseanfragen:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit DGU/DGOU
Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie e.V. (DGU)
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU)
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