Operieren während der Schwangerschaft: Chirurginnen gewinnen Preis

Bisher werden junge Ärztinnen unmittelbar nach Bekanntgabe einer Schwangerschaft aus dem OP verbannt oder sie verheimlichen ihre Schwangerschaft so lange es geht und verzichten so auf einen sinnvollen, gesetzlich vorgeschriebenen Mutterschutz.

Ziel des Projektes ist es, Arbeitgebern bis 2015 eine Handlungsempfehlung zur Verfügung zu stellen, in der die aktuelle Rechts- und Datenlage aufgeführt ist und die Möglichkeit einer individuellen Gefährdungsbeurteilung vorgestellt wird. Schwangere Chirurginnen sollen so die Chance bekommen, während ihrer Schwangerschaft unter bestimmten Voraussetzungen und Schutzmaßnahmen weiter operieren zu können. Auf diese Weise lässt sich vermeiden, dass jungen Ärztinnen wertvolle Zeit für ihre Aus- und Weiterbildung verloren geht.
„Das Positionspapier stellt einen Meilenstein für alle zukünftigen Chirurginnen dar, die mit viel Ehrgeiz und persönlichem Engagement den Weg der Chirurgie beschritten haben. Es führt zu einem offeneren Umgang mit dem Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf und ermöglicht es, einen Knick in der beruflichen Karriere von Chirurginnen zu vermeiden“, sagt Projektleiterin Maya Niethard, die auch die Sektion Familie und Beruf des Jungen Forums der DGOU leitet. Im Rahmen des „Perspektivforums Junge Chirurgie der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)“ werden bereits jetzt in enger Zusammenarbeit mit anderen chirurgischen Fachgesellschaften gemeinsame Interessen gebündelt und Erfahrungen ausgetauscht, um das Thema „Operative Tätigkeit in der Schwangerschaft“ auf eine breite Basis zu stellen.

Mehr als 50 Prozent der aktiv chirurgisch tätigen Weiterbildungsassistenten sind laut einer Umfrage des Berufsverbandes der Chirurgen (BDC) 2013 Frauen. Allerdings bestehen beim Arbeitgeber gerade bezüglich des Einsatzes schwangerer Ärztinnen große Unsicherheiten. Viele Ärztinnen wollen auch während der Schwangerschaft operieren, scheitern aber an der veralteten Auslegung des Mutterschutzgesetzes von 1952 durch den Arbeitgeber, Betriebsarzt oder das Gewerbeaufsichtsamt. Dementsprechend verbieten die Kliniken den Umgang mit schneidenden und stechenden Instrumenten für Schwangere. Eine schriftliche Fixierung dieses Verbotes gibt es im Mutterschutzgesetz jedoch nicht.

Der FamSurg-Sonderpreis wurde mit 500 Euro dotiert. FamSurg steht für „Family und Surgery“ bzw. „Female Surgeon“ und ist ein Projekt zur Förderung von Frauen und familienfreundlichen Strukturen in der Chirurgie. FamSurg wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union (ESF), Projektträger ist die Klinik für Allgemeine Chirurgie (Campus Lübeck) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.

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Susanne Herda
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