Operationen: Infektionen und Todesfälle durch mangelnde Hygiene

Operationen bergen für den Patienten besondere Gefahren. Der Operationssaal sollte eigentlich keimarm sein. Geräte müssen sterilisiert werden und auch die Bekleidung der Ärzte und Schwestern und deren Hände sollten möglichst frei von Erregern sein. Dennoch: Kauft die Klinik ihre OP-Kleidung bei WD-Praxis oder anderen Anbietern, dann kann diese steril sein. Das Material im OP ist es aber häufig nicht, wie eine Studie zeigt.

225.000 Wundinfektionen entstehen jährlich in den heimischen Kliniken. Rund 15.000 Menschen sterben an den Folgen einer Wundinfektion durch Operationen. Zahlen, die sehr bedrückend sind und zum Teil auf eine schlechte Hygiene zurückzuführen sind. Zwar besteht in den Kliniken in der Regel eine Qualitätssicherung. Diese ist allerdings in vielen Fällen nicht ausreichend, sodass immer wieder unsaubere Geräte verwendet werden oder die Desinfektion ungenügend ist. Dies bemängeln auch die Vertreter der Patienten, die regelmäßig in Ausschüssen mit den Ärzteverbänden verhandeln. Bei der letzten Tagung der Ausschüsse kam es sogar zum Eklat zwischen Ärzten und Patientenvertretern. Letztere wollten wieder das Problem ansprechen und wollten daher eine Diskussion anführen, wie das Problem zukünftig gehandhabt werden könnte. Das Verhalten der Patientenvertreter war dabei einmalig in der Geschichte des Ausschusses.

Der Vorwurf der Vertreter ist allerdings noch weit ernster, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Ihr Vorwurf lautet, dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft ein Verfahren zur Sicherung der Qualität bewusst blockiere. Zugleich sei durch die Gesellschaft bewusst nur eine eingeschränkte Version zugelassen worden. Dieser Umstand bedingt allerdings, dass die genannte Zahl an Wundinfektionen und Todesfälle überhaupt entstehen kann. Offizielle Zahlen, wie viele Infektionen und Todesfälle tatsächlich entstehen, gibt es zwar nicht. Dennoch wird derzeit in Fachkreisen davon ausgegangen, dass es sich um eine konservative Schätzung handelt, sodass die Zahlen weit höher liegen könnten. Bei der Erfassung der genauen Zahlen besteht derzeit das Problem, dass nicht alle Infektionen erfasst werden müssen. Von den geschätzten 225.000 Infektionen werden nur rund 1.000 Fälle überhaupt statistisch erfasst.

Die Zahlen erfassen dabei allerdings nicht, wie viele Fälle jährlich vermieden werden können. Expertenschätzungen folgend können rund 30 Prozent aller Infektionen vermieden werden. Hierfür müssen nicht einmal spezielle Maßnahmen durchgeführt werden. Vielmehr reicht es aus, wenn die bestehenden Hygieneregeln konsequent in der Praxis umgesetzt werden. Dies ist auch der Grund, weshalb die Gesetze erst vor kurzer Zeit verschärft wurden. Wie die Vertreter der Patienten betonen, sei eine ausführliche Dokumentation aller Vorfälle und Infektionen ein wichtiger Schritt, um die Risiken während der Operation zu minimieren. Gerade wenn Infektionsquellen vorhanden sind, die trotz guter Hygiene immer wieder zum Tragen kommen, kann eine solche Dokumentation frühzeitig eine Schwachstelle aufzeigen, die dann beseitigt werden kann. Daher kann das schriftliche Festhalten der Vorfälle durchaus auch für Kliniken nützlich sein, die keine Mängel aufweisen. Zugleich ermöglicht eine solche Dokumentation durchaus auch, dass die Infektionsrisiken bei bestimmten Eingriffen wesentlich besser und einfacher erfasst werden können. Ein weiterer wichtiger Vorteil sei, wie die Patientenvertreter betonen, dass verschiedene Krankenhäuser und Kliniken direkt miteinander verglichen werden können. Selbst wenn die Infektionen anonym erfasst werden, können dadurch zumindest Rückschlüsse gezogen werden, die dann dazu führen, dass die Maßnahmen zur Verhinderung verbessert werden können. Ob die Krankenhäuser und Kliniken daran allerdings Interesse haben, ist derzeit zu bezweifeln. Das Verhalten der Vertreter der Deutschen Krankenhausgesellschaft zeigt jedenfalls nicht, dass die medizinischen Einrichtungen ein Interesse daran haben.

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