Online-Apotheken als Alternative zum stationären Handel

Medikamente

Im Zeitalter der Digitalisierung hat sich das Kaufverhalten der Konsumentinnen und Konsumenten stark verändert. Es wird gerne viel und vor allem online bestellt, das trifft auch auf Arzneimittel, Medikamente und Medizinprodukte zu. War früher der Gang zur Apotheke vonnöten, wird nun einfach online bestellt.

Möglich geworden ist dies durch einige Pioniere auf diesem Gebiet. Eine große niederländische Versandapotheke startete im Jahr 2000 und hat bis heute viele Nachahmer gefunden. Bereits seit Anbeginn war es rasch und unkompliziert möglich, rezeptfreie Arzneien im Internet zu bestellen. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten ist das ebenso möglich, allerdings mit ein wenig mehr Aufwand verbunden, da wie in der stationären Apotheke das Rezept vorgelegt werden muss.

Immer weniger stationäre Apotheken

Seit Jahren geht die Zahl der stationären Apotheken kontinuierlich zurück und liegt aktuell in Deutschland bei rund 18.800. Über 3.000 von ihnen besitzen eine Versandhandelserlaubnis, dürfen also Arzneien auch online vertreiben. Allerdings betreiben nur rund 150 diesen Geschäftszweig aktiv. Zudem bestimmen einige Größen den Markt und so lässt sich festhalten, dass aktuell 20 bis 30 Versandapotheken den Markt der rezeptfreien bzw. Nicht-Arzneien zu 90 % beherrschen. Die Umsatzentwicklung treibt besonders den Versandhandel und so konnten in den Jahren 2017 (plus 8,2 Prozent), 2018 (plus 5,5 Prozent) und vor allem 2020 (plus 15,5 Prozent) starke Zuwächse in Deutschland erzielt werden. Apotheken konnten 2020 ihren Online-Umsatz im Vergleich zu 2019 um 33,8 Prozent auf 911 Millionen steigern, der Gesamtumsatz mit Arzneimitteln im Internet erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 54 Prozent auf 1,21 Milliarden Euro.

Das E-Rezept wird für einen weiteren Höhenflug sorgen

Die Konsumentinnen und Konsumenten haben also den Online-Versand von Medikamenten für sich entdeckt. So kaufen mehr als 40 % der Deutschen ihre Medikamente online ein, in der Gruppe der 35- bis 44-Jährigen sind es sogar 49 %. Das im Oktober 2020 in Kraft getretene „Gesetz zum Schutz elektronischer Patientendaten in der Telematikinfrastruktur“ beinhaltet die Einführung des E-Rezepts und genau dieser Umstand wird die eine oder andere Online Apotheke wirtschaftlich in neue Höhen führen. Das E-Rezept kann von den Patientinnen und Patienten auf zwei Wege eingesetzt werden: Einerseits kann das E-Rezept via Smartphone über die E-Rezept-App verwaltet und digital an die gewünschte (Online-)Apotheke übermittelt werden oder andererseits die für die Einlösung des E-Rezepts benötigten Zugangsdaten als Papierausdruck in der Arztpraxis bereitgestellt werden. Das E-Rezept befindet sich aktuell aber teilweise noch in der Testphase und kann somit noch nicht von allen Patientinnen und Patienten genutzt werden. Der Möglichkeiten eines digitalen Rezepts wollen sich die Deutschen einer Umfrage zufolge auf jeden Fall nicht verschließen: 63 Prozent würden das Angebot nutzen, 65 Prozent es als sehr hilfreich erachten. Die Vorteile liegen für die Befragten in der Umweltfreundlichkeit (52 Prozent), im Wissensaustausch zwischen Arzt und Apotheker (34 Prozent), im Komfort (23 Prozent) sowie in der Therapiesicherheit (19 Prozent).

Ein Konzentrationsprozess steht bevor

Wie schon beschrieben, gibt es bei den Online-Apotheken wenige, dafür aber sehr große Unternehmen. Und auch ein bekannter US-Online-Versandhändler scharrt bereits in den Startlöchern und könnte auch in Europa und Deutschland Übernahmen planen. Den Ergebnissen der Apothekenmarktstudie zufolge werden kleinere Versandapotheken aufgegeben bzw. wird versucht werden, diese zu verkaufen. Derzeit geht die Marktmacht in Europa aber noch von Online-Apotheken aus den Niederlanden und der Schweiz aus. Einen wahren Trend zu Online-Medikamentenkäufen hat zudem das Corona-Virus ausgelöst. Der Anteil der Versandapotheken am gesamten Apothekenmarkt in Deutschland ist 2020 auf rund 18 Prozent gestiegen. Und auch bei Absatz und Umsatz konnten Online-Apotheken zulegen, während stationäre Apotheken Einbußen hinnehmen mussten. Bei den sogenannten Over the Counter-Arzneimitteln (OTC) verzeichneten stationäre Apotheken 2020 Rückgänge beim Absatz um -11,2 Prozent und beim Umsatz um -9,1 Prozent auf 5,311 Milliarden, während der Versandhandel (In- und Ausland) Zuwächse beim Absatz um 11,1 Prozent und beim Umsatz um 13,5 Prozent auf 1,341 Milliarden Euro für sich verbuchen konnte.

Folgt eine weitere Bereinigung des Apothekenmarktes?

Der Druck auf die stationären Apotheken nimmt also zu, die Ertragssituation ist vielerorts schwierig. Aus diesem Grund sprechen sich Experten für eine Bereinigung des Apothekenmarktes aus, denn laut eines Gutachtens wirft fast die Hälfte der Einzelapotheken so wenig Ertrag ab, dass sich eine Fortführung der Unternehmung kaum noch lohnt. Trotz dieser eher wenig rosigen Aussichten sehen Experten die flächendeckende Versorgung in Stadt und Land weiterhin als nicht gefährdet. Denn die Versorgung ist in Deutschland nach wie vor so gut wie in anderen EU-Ländern und zudem könnten Versandapotheken die Verfügbarkeit sicherstellen. Ein sinnvolles Miteinander von Online- und stationärem Handel ist auf jeden Fall möglich, vor allem dann, wenn sich Anbieter nicht allein über den Preis, sondern über dahinterstehende Dienstleistungen im Wettbewerb definieren.

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