Krebsbehandlung durch Personalisierte Medizin optimiert

In den letzten Jahren wurden große Fortschritte in der personalisierten Krebstherapie erzielt. Zum einen wurden Medikamente entwickelt, die auf spezielle Zelleigenschaften des Krebsgewebes gerichtet sind, die in gesunden Zellen nicht vorkommen, so dass Krebszellen vernichtet und gesunde Zellen geschont werden. Eine mindestens ebenso bedeutende Weiterentwicklung stellt die personalisierte Medizin dar, bei der Tumorerkrankungen gezielt aufgrund individueller Merkmale der Patienten behandelt werden.

Personalisierte Krebstherapie nutzt Biomarker und diagnostische Tests
Die personalisierte Medizin hat sich aus der Beobachtung entwickelt, dass nicht alle Patienten mit einer gleichen Diagnose auf eine bestimmte Therapie gleich gut ansprechen. In den letzten Jahren haben Wissenschaftler herausgefunden, dass viele individuelle Merkmale die Wirkungsweise von Medikamenten beeinflussen. Verordnet man allen Patienten mit gleicher Diagnose dasselbe Medikament, werden diese Unterschiede nicht ausreichend berücksichtigt. Bislang sind Therapien daher oft nicht so wirksam, wie sie sein könnten, weil viele Betroffene Medikamente erhalten, die bei ihnen schlecht oder auch gar nicht wirken.

Mit der Entdeckung von Biomarkern und der Entwicklung von neuen diagnostischen Tests lassen sich Patientengruppen ermitteln, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Therapie ansprechen werden. So kann der Arzt schon vor Beginn einer Behandlung abschätzen, welches Medikament bei seinem Patienten wirken wird und welches nicht. Die personalisierte Krebstherapie verbessert somit den Behandlungserfolg und erspart den Patienten unnötige und belastende Behandlungen. Auf diese Weise kann oft die Therapiedauer verkürzt und zudem die Lebensqualität der Betroffenen verbessert werden.

Die Ursache von Krebs verstehen
Nicht die Behandlung der Krankheitsanzeichen, der Symptome, muss das Ziel sein sondern die Therapie der Ursachen. Die Entwicklung wirkungsvoller neuer Medikamente setzt daher ein besseres Verständnis der Ursachen auf molekularer Ebene voraus. Denn die Molekularbiologie hat uns gelehrt, wie Proteine und andere Bauteilen des Lebens zusammenwirken. Mit diesem Wissen lassen sich die Ursachen von Krankheiten erkennen, die wir therapieren wollen. Und wenn es Wissenschaftlern außerdem gelingt, die Diagnosen von Krankheiten mit Biomarkern zu präzisieren, sind wir auf dem besten Weg zu einer personalisierten Medizin.

Personalisierte Darmkrebstherapie mit dem EGFR-Antikörper
Zur Behandlung von Darmkrebs gibt es bereits individuell einsetzbare Medikamente. Dazu gehört der sogenannte EGFR-Antikörper (EGFR = Rezeptor für den epidermalen Wachstumsfaktor), der das Tumorwachstum bremst.

Damit ein Tumor wachsen kann, benötigt er bestimmte Wachstumssignale, die seine Zellen zur Teilung anregen. An der Oberfläche von Krebszellen befinden sich Rezeptoren, an die sich Botenstoffe wie der „Epidermale Wachstumsfaktor“ anlagern und das Signal zur Zellteilung an den Zellkern weitergeben. Der neu entwickelte EFGR-Antikörper bindet statt dieses Botenstoffs an den Rezeptor. Damit blockiert das Medikament die Bindungsstelle und verhindert die Weitergabe des Signals zur Zellteilung. So wird das Wachstum des Tumors gehemmt.

Vor Beginn dieser EGFR-Antikörpertherapie muss ein Test am Tumorgewebe vorgenommen werden, weil diese Antikörper nur bei Darmkrebspatienten von Nutzen sind, bei denen das sogenannte „KRAS-Gen“ nicht verändert ist.

Personalisierte Medizin bei Lungenkrebs, Brustkrebs, Hautkrebs
Auch bei anderen Tumorarten ist bereits eine individualisierte Behandlung möglich:

  • Manche Patienten mit einem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom können von der individualisierten Medizin profitieren. Hier kann bei bestimmten Mutationen des EGFR ein gezieltes Medikament angewendet werden.
  • Krebszellen von Brustkrebspatientinnen können auf einen Wachstumsfaktor-Rezeptor mit der Bezeichnung HER-2-Rezeptor getestet werden. Ist dieser auf den Krebszellen der Patientin im Übermaß vorhanden, spricht sie auf ein Medikament an, das gezielt auf diesen Rezeptor gerichtet ist.
  • Zurzeit wird an einem Arzneimittel geforscht, das sich gegen bestimmte Mutationen an Hautkrebszellen richtet. Gleichzeitig wurde der dazugehörige diagnostische Test entwickelt, mit dem die Patienten ermittelt werden können, bei denen das neue Medikament wirkt.

Krankheitsmechanismen und Wirkmechanismen von Arzneimitteln verstehen – personalisierte Medizin nimmt an Bedeutung zu
Das Wissen über den Körper, Krankheitsmechanismen und Wirkmechanismen von Arzneimitteln hat in letzter Zeit beträchtlich zugenommen, so dass die Prinzipien der personalisierten Medizin mit weiteren Arzneimittel-Wirkstoffen stetig an Bedeutung zunimmt.

Auch die Bildung von Blutgefäßen (Angiogenese), die Tumore beim Wachstum zur Versorgung benötigen, läßt sich durch Blockade des Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) unterbinden. Die Hemmung der Gefäßneubildung wird als Antiangiogenese bezeichnet. Wissenschaftliche Erfolge konnten mit der Antiangiogenese bereits bei Brustkrebs, Darmkrebs, Nierenzellkrebs und Lungenkrebs erzielt werden. Ebenfalls durch die Berücksichtigung personalisierter Strategien optimierten die behandelnden Mediziner die Behandlungsergebnisse.

Klassische Angiogenese-Hemmer:

  • Bevacizumab (Avastin®) ist ein humanisierter Antikörper (IgG1) gegen VEGF.
  • Ranibizumab (Lucentis®) ist ein humanisiertes Fragment des VEGF-Antikörpers, das zur Behandlung der feuchten AMD
  • Pegaptanib (Macugen®) AMD

In unserer Serie zum Sonderthema „Krebs“ lesen sie außerdem:

 

Weiterführende Informationen

Dem Tumor den Lebenssaft abdrehen
 Von Gerd Bendas
Pharmazeutische Zeitung online

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