Ohrinfektionen – wie sie sich äußern und was dagegen hilft

Ohrinfektionen

Das menschliche Ohr verfügt über einen guten Schutz vor Krankheitserregern. Wie eine Schutzschicht liegt fettiges Ohrenschmalz über dem äußeren Bereich des Gehörgangs. Es hält die Haut geschmeidig und weist aufgrund seiner Konsistenz Schmutz und Wasser optimal ab. Zudem enthält es Stoffe, die zur Bekämpfung von Bakterien und dem Fernhalten von Insekten beitragen. Wird diese wichtige Schutzschicht jedoch entfernt (z. B. durch häufiges Waschen, Schwimmen und Tauchen, Manipulation mit Ohrenstäbchen), kann es zu minimalen Verletzungen kommen. Krankheitserreger haben dann leichtes Spiel und unangenehme Ohrinfektionen können sich entwickeln. Wie sich diese äußern und was dagegen hilft? Dazu jetzt mehr.

Was genau ist eine Ohrinfektion?

Bei einer Ohrinfektion handelt es sich um eine Entzündung im Bereich des Mittelohrs oder des Gehörgangs. Je nach Lokalisation sind bei einer Ohrentzündung Symptome teils sehr unterschiedlich. Die Medizin unterteilt Erkrankungen entsprechend der Anatomie in Außen-, Mittel- und Innenohrentzündung.

Die Außenohrentzündung (Gehörgangsentzündung) – Otitis externa

Bei einer Otitis externa kommt es zu im äußeren Gehörgang zu einer Entzündung. Auslöser sind meist Bakterien, die über Verletzungen eindringen. Aber auch Viren und Pilze kommen als Ursache infrage. Erkrankungen wie Grippe oder auch Diabetes können die Gehörgangsentzündung außerdem begünstigen.

Häufig treten bei einer Gehörgangsentzündung Symptome wie

  • Rötung,
  • Juckreiz,
  • Ausfluss (oft mit Krustenbildung) aus dem Ohr,
  • Minderung des Hörvermögens aufgrund einer Schwellung im Gehörgang,
  • starke Ohrenschmerzen,
  • teils starke Schmerzen beim Sprechen sowie Kauen,
  • Überwärmung des Ohrs,
  • Schmerzen bei Druck auf den Knorpel des am Gehörgangseingang sowie
  • Schmerzen beim Ziehen am Ohrläppchen

auf. Auch Abgeschlagenheit, Fieber und erkältungsähnliche Symptome können hinzukommen.

Die Behandlung der Otitis externa erfolgt meist mit Ohrentropfen und Salben, in Ausnahmefällen auch mit Antibiotika.

Die Mittelohrentzündung – Otitis meda

Bei der Oitits media kommt es zu einer Entzündung der Schleimhaut der Paukenhöhle. Meist ist sie Folge von Erkältungskrankheiten. Die Krankheitserreger steigen dann von den Atemwegen auf ins Mittelohr. Betroffen ist manchmal nur ein Ohr, häufig aber beide.

Vor allem kleine Kinder sind aufgrund der Anatomie anfällig für Mittelohrentzündungen. Aber auch Erwachsene können daran erkranken.

Beschwerden wie

  • Ohrenschmerzen,
  • ein dumpfes Hören,
  • Schwindel und
  • manchmal Fieber

sind Anzeichen für eine Mittelohrentzündung. In einigen Fällen verläuft die Erkrankung aber auch symptomfrei.

Die Therapie bei einer Mittelohrentzündung beschränkt sich auf die Behandlung der Symptome. Zum Einsatz kommen in der Regel Schmerzmittel, abschwellende Nasentropfen oder -sprays und – sofern keine Besserung eintritt – auch Antibiotika.

Die Innenohrentzündung – Otitis interna

Bei der Innenohrentzündung – auch als Labyrinthis bezeichnet – liegt eine Entzündung des knöchernen Labyrinths im Innenohr vor.

Typische Symptome für eine Innenohrentzündung sind

  • Beeinträchtigung des Hörvermögens,
  • unangenehme Ohrgeräusche (z. B. Tinnitus),
  • Schwindelgefühl (Drehschwindel),
  • Ohrenschmerzen,
  • Klopfen oder Rauschen im Ohr sowie
  • unkontrollierte Augenbewegungen.

Auch Übelkeit und Erbrechen sind bei einer Innenohrentzündung keine Seltenheit.

Die Auslöser der Innenohrentzündung sind sehr vielfältig. Ursächlich sind häufig Viren und Bakterien (z. B. Erkältungen). Aber auch Allergien, Schädeltraumata, Cholesteatomen oder die Menière-Erkrankung können eine Innenohrentzündung verursachen.

Zur Behandlung kommen je nach Ursache antivirale oder antibiotische Medikamente infrage. In Abhängigkeit der Symptome verordnet der Arzt mitunter auch Medikamente gegen Schwindel sowie Übelkeit und Erbrechen.

Am besten zum Facharzt

Auch wenn Ohrinfektionen meist von selbst nach einigen Tagen abklingen, empfiehlt sich zur Abklärung der Gang zu einem Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dies gilt speziell dann, wenn die Symptome länger anhalten oder sich deutlich verschlimmern.

Außerdem ist der Weg zum Arzt in folgenden Fällen unumgänglich:

  • bei Säuglingen, die jünger als sechs Monate sind,
  • bei verändertem Hörvermögen oder gar Hörverlust,
  • bei Fieber, das mehr als 48 Stunden lang anhält,
  • bei mehrmaligem Erbrechen,
  • bei Rötungen und/oder Schwellungen, die hinter dem Ohr auftreten,
  • bei Ausschlag sowie
  • bei aus dem Ohr austretender Flüssigkeit.

Diagnostische Maßnahmen bei Ohrinfektionen

Bei Ohrenschmerzen fragt der Arzt zunächst nach der Krankheitsgeschichte. Von Bedeutung sind beispielsweise folgende Punkte:

  • Wann haben sich die Beschwerden erstmals gezeigt?
  • Zeigten sich schon in der Vergangenheit ähnliche Beschwerden?
  • Werden die Beschwerden von Abgeschlagenheit, Fieber und Schwindel begleitet?
  • Liegt eine Verschlechterung des Hörvermögens vor?
  • Besteht eine andere Grunderkrankung (z. B. Diabetes)?
  • Werden Medikamente eingenommen?

Im Anschluss untersucht der Arzt das Ohr genau. Er achtet dabei unter anderem auf Rötungen, Schwellungen und Ausfluss. Zudem tastet er das Ohr ab und stellt so fest, inwieweit die Berührungen Schmerzen verursachen.

Im Rahmen der weiteren Diagnostik erfolgt eine Ohrenspiegelung (Otoskopie). Bei dieser wird das Ohr im Bereich der Ohrmuschel nach oben hinten gezogen, wodurch für den Arzt die Sicht zum Trommelfell frei wird. Mit einer Lupe werden äußerer Gehörgang sowie Trommelfell genau angeschaut und auf mögliche Veränderungen wie Rötungen, Schwellungen, Ausfluss oder auch Fremdkörper untersucht.

In einigen Fällen erfolgen zur Abklärung von Ohrinfektionen außerdem Hörtests oder auch eine Prüfung des Gleichgewichtssinns.

Verlauf einer Ohrinfektion

Dank der Einnahme der verordneten Medikamente klingen vor allem bakterielle Ohrinfektionen meist innerhalb weniger Tage ab. Mitunter kommt es aber zu einer Ausbreitung der Entzündung und damit verbundenen Komplikationen. Dazu zählt unter anderem die Mastoiditis, bei der eine Entzündung der Zellen des knöchernen Warzenfortsatzes auftritt. Weitere schwere Komplikationen können Eiteransammlungen im Schädelinneren oder auch eine Hirnhautentzündung sein. Deshalb empfiehlt sich bei Ohrenschmerzen stets eine ärztliche Abklärung.

Ohrinfektionen vorbeugen – ist das möglich?

Verschiedene Möglichkeiten tragen dazu bei, einer Ohrinfektion vorzubeugen. So ist die Nutzung von Nasensprays oder -tropfen bei Erkältung hilfreich, wenn es um die Abschwellung der Schleimhäute und die Belüftung der Ohren geht. Der Besuch eines Schwimmbads und Zugluft mit nassen Haaren sollte während einer Erkältung ebenfalls unterbleiben. Überdies ist es ratsam, auf die Verwendung von Ohrenstäbchen weitgehend zu verzichten und diese maximal zur Reinigung des sichtbaren Bereichs des Ohrs zu verwenden.

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