Ötzi und die neuen Möglichkeiten der Bioarchäologie

Vortrag
„Der Fall Ötzi. Wie die Bioarchäologie die Erforschung der Menschheitsgeschichte verändert”
Mittwoch, 18. Mai 2016, 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr
Neues Museum, Bodestraße, 10178 Berlin

Begrüßung: Prof. Dr. Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Mitglied der Leopoldina

Vortrag: PD Dr. Albert Zink, Institut für Mumien und den Iceman, Bozen, „Ötzi – Neue Bioarchäologische Einblicke in das Leben und Sterben des Gletschermanns“

Podiumsdiskussion:
• Prof. Dr. Peter Funke, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
• Prof. Dr. Harald Meller, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen- Anhalt
• Prof. Dr. Volker Mosbrugger, Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Frankfurt
• Prof. Dr. Albert Zink, Institut für Mumien und den Iceman, Bozen
• Moderation: Ulf von Rauchhaupt (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Der Gletschermann Ötzi, der vor 25 Jahren in den Ötztaler Alpen entdeckt wurde, fasziniert bis heute die Öffentlichkeit. Da der Mensch aus der Kupferzeit als „Feuchtmumie“ 5500 Jahre lang im Eis konserviert war, ist er eine reiche Quelle für biowissenschaftliche Analysen, die immer wieder detaillierte Erkenntnisse über das Erscheinungsbild und den Gesundheitszustand des Mannes liefern. So hatte der Gletschermann beispielsweise eine Milch-Unverträglichkeit, er war mit Borreliose infiziert und litt unter dem Magenkeim Helicobacter pylori. Die Gletschermumie Ötzi gilt heute als ein Musterbeispiel für das neue Forschungsgebiet der Bioarchäologie.

Die Anwendung von Methoden aus der Molekularbiologie in der Archäologie hat in den vergangenen Jahren allgemein zu unerwarteten Einsichten in die Anthropologie und die Kulturgeschichte des Menschen geführt. Mit Hilfe alter DNA aus Knochen oder Zähnen ist es möglich, Aussagen über die Fähigkeit früherer Menschen zu treffen, Milchprodukte oder Stärke zu verdauen. Dies wiederum ermöglicht Rückschlüsse auf ihre Lebensweise. Populationsgenetische Analysen können Aufschluss darüber geben, wie Europa besiedelt wurde und ob zum Beispiel Vertreter sesshafter Kulturen Jäger und Sammler verdrängt haben. In den Gebissen finden sich auch die Spuren von Krankheitserregern wie Pest oder Tuberkulose, mit denen in Zukunft die Geschichte der Verbreitung von Krankheitserregern rekonstruiert werden könnte.

Die sich weiter verfeinernden Methoden der Biologie werden der Archäologie neue Möglichkeiten eröffnen, das Fachgebiet jedoch auch vor grundsätzliche Fragen stellen: Welche Aussagekraft haben paläo-genetische Informationen als Ergänzung zu materiellen Zeugnissen für die Erforschung von Kulturen oder gar Identitäten? Wird die Archäologie zu einer Naturwissenschaft? Was bedeuten diese Entwicklungen für die Archäologie in Deutschland?
Der Veranstaltung geht ein hochkarätiger, eintägiger Expertenworkshop „Neue Perspektiven der Archäologie“ voraus, auf dem führende Wissenschaftler aus der Archäologie, Biologie, Naturwissenschaft aus dem deutschsprachigen Raum sich zu einem fachlichen Austausch treffen.

Die Veranstaltung ist öffentlich, die Teilnahme kostenlos.Um Anmeldung wird gebeten.

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