Ökosozialen Wandel gestalten: Konferenz „By Design or by Disaster“ an der Freien Universität Bozen

Vier Tage lang Vorträge international bekannter Persönlichkeiten wie dem Architekten Van Bo Le-Mentzel, der alternativen Friedensnobelpreisträgerin Vandana Shiva oder dem Unternehmer Heinrich Staudinger, ein neues Präsentationsformat, Workshops und Exkursionen: All das bietet die Konferenz „By Design or by Disaster“ an der Freien Universität Bozen (unibz) in Südtirol. Bereits zum zweitem Mal wird die Fachtagung mit dem „Hier und da Festival“ in Mals verbunden, also jenem Südtiroler Dorf, das in den vergangenen Jahren durch den Kampf seiner Bewohner gegen Pestizideinsatz weit über die Landesgrenzen hinaus Bekanntheit erlangt hat. Ideen und Konzepte für mehr Nachhaltigkeit, globale Gerechtigkeit und ein „gutes Leben“ – um diese Herausforderung geht es in der diesjährigen Ausgabe der Tagung, die internationale Experten und Forscher mit lokalen Akteuren zusammenbringt.

Organisiert wird die Tagung im Rahmen des Masterstudiengangs in Ökosozialem Design der Freien Universität Bozen, um gesellschaftliche Debatten zu aktuellen Herausforderungen des Wandels anzuregen. Interessante Inputs für zukunftsfähige Wohnkonzepte kommen vom deutschen Architekten und Künstler Van Bo Le-Mentzel. Er erlangte mit seinem Projekt „Hartz-4-Möbel“, einer Anleitung für selbstgebaute Möbel mit geringem Kostenaufwand, breite Bekanntheit. Der Architekt engagierte sich zudem in Projekten wie der „100-Euro-Wohnung“, die es auch Menschen mit wenig Geld ermöglichen, in der Innenstadt zu leben. „In meiner Arbeit geht es um Obdachlosigkeit, um Systemwandel, um Transformationsprozesse in der Gesellschaft“, sagt der Architekt laotischer Herkunft.

Einen der Vorträge hält Anja Adler vom Berliner Kollektiv „Open State“. Sie forscht zu neuen Formen des Zusammenlebens oder den Auswirkungen der Digitalisierung und arbeitet dank ihrer interdisziplinären Ausbildung immer wieder an der Schnittstelle von Theorie und Praxis. Neu dieses Jahr ist das interaktive Präsentationsformat „MemActs“. In sieben Minuten kann jeder Interessierte seine Ideen zum Thema „Making Transformation“ präsentieren.

Nach dem Erfolg des Festivals 2018 werden die Teilnehmer auch dieses Jahr wieder gemeinsam am Freitag Abend zum „Hier und da Festival“ ins Vinschgau fahren. In Mals und Umgebung dreht sich dann alles um die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raums. Als Rednerin geladen ist unter anderem die alternative Nobelpreisträgerin Vandana Shiva, die sich für die Vielfalt in einer kleinstrukturierten Landwirtschaft einsetzt und den Malser Weg unterstützt. Eines der Highlights am Samstag sind die Denkanstöße des bekannten österreichischen Unternehmers Heinrich Staudinger, Gründer der Schuhfabrik „GEA/Waldviertler“, der über Mut, Liebe, Wirtschaft und Leben spricht.

„Apokalyptische Zukunftsvisionen und ein Dauerfeuer schrecklicher Nachrichten erzeugen eine Atmosphäre von Angst und Ohnmacht“, sagt der Leiter des Masterstudiengangs Ökosoziales Design der unibz Kris Krois. Veranstaltungen wie „By Design or by Desaster“ würden dem konkrete Utopien und aktuelle Beispiele inklusiver, offener und nachhaltiger Lebens- und Wirtschaftsweisen entgegenstellen, um zu inspirieren und zu motivieren. Denn wie Kris Krois unterstreicht: „Positive Praktiken und Entwicklungspfade beflügeln, erzeugen Hoffnung und die Fähigkeit, jetzt ‚etwas zu tun‘“.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Kris Krois
Masterstudiengang in Ökosozialem Design
kris.krois@unibz.it

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