Obstipation – besser vorbeugen, als leiden

Die Verdauung im menschlichen Organismus ist ein ganz natürlicher Vorgang, dem oftmals nur wirkliche Beachtung geschenkt wird, wenn er nicht optimal funktioniert. Für etwa jeden fünften Erwachsenen ist die sogenannte Obstipation ein oftmals unterschätztes, aber ernst zu nehmendes, Alltagsproblem. Dabei betrifft die Problematik der Verstopfung im Darm überwiegend die weibliche Bevölkerung. Die Ursachen einer Obstipation sind überaus heterogen. Die Symptome können ernährungs- oder hormonelbedingt vorhergerufen werden. Zudem können sie durch die körperliche Umstellung bei Reisen, durch eine regelmäßige Medikamenteneinnahme, durch akuten Bewegungsmangel, durch Stress und durch primäre, andere Erkrankungsbilder entstehen.

Faszination des Darms

Der menschliche Darm ist eines der faszinierendsten Organe überhaupt. Gegliedert wird das insgesamt sechs bis acht Meter lange Verdauungsorgan in die drei großen, übergeordneten Darmabschnitte Dünndarm, Dickdarm und Mastdarm. Mit seiner überdimensionalen Oberflächenvergrößerung auf Grund der unzähligen Darmzotten und Einstülpungen kann – je nach körperlicher Konstitution des Menschen – die gesamte Darmoberfläche zwischen 150 und 400 Quadratmeter betragen. Diese unvorstellbaren Dimensionen, die in einem Organismus versteckt sind, sind für eine reibungslose Resorption der Nährstoffe im Dünndarm lebensnotwendig. Es gibt unterschiedliche Auffassungen, wie häufig eine Darmentleerung sein sollte, damit sie noch gesund für den Körper ist. Wird aber längerfristig der Stuhlgang auf maximal dreimal pro Woche eingeschränkt, geht die Wissenschaft eindeutig von einem medizinischen Problem aus. Mediziner unterscheiden die akute und die chronische Verstopfung. Die Symptome der Obstipation können sich dabei recht unterschiedlich äußern. Von einem Gefühl des Vollseins, vom Unwohlsein und möglichen Aufblähungen in der Bauchgegend in unterschiedlich starken Ausmaßen, ist alles möglich. Beim Stuhlabgang wird der Kot oftmals nur unter Schmerzen mit starkem Pressen und in kleinen, härteren Mengen vom Körper abgegeben. Zusätzlich können Blähungen, Bauchschmerzen, Frösteln, Appetitlosigkeit und das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung auftreten. Dabei ist jede Verstopfung auch an ein ganz individuelles Empfinden geknüpft.

Die Ursachen vorbeugen und erkennen

Manchmal kann eine Verstopfung eine ganz einfache Ursache haben, die keinerlei ärztlicher Hilfe benötigt. Oftmals tritt die Obstipation auf Reisen auf. Auslöser kann die Zeitverschiebung, die Stuhlunterdrückung auf der Fahrt oder beim Flug, weil beispielsweise keine fremden sanitären Anlagen benutzt werden sollen oder keine zur Verfügung stehen, das ungewohnte Essen oder der Stress sein. Solche Vorkommnisse sind eher unbedenklich und regulieren sich oftmals wieder von alleine. Auch durch einseitige, ballaststoffarme Diäten kann es zu kurzfristigen, ungewohnten Ernährungsumstellungen kommen, die zur Verstopfung führen können. Eine langfristige kohlenhydratarme und somit auch ballaststoffarme Ernährungsform führt zwangsläufig zu Darmbeschwerden. Daher sind auch Diäten über Wochen und Monate, die Kohlenhydrate vom Teller verbannen, sehr kritisch zu betrachten. Die gleichzeitige zu geringe Aufnahme von Wasser und anderen kalorienfreien Getränken verschärft zudem noch das Problem der Obstipation. Wer sich viel und regelmäßig bewegt neigt seltener zu üblichen Verstopfungssymptomen. Sportmuffel sollten sich allein für ihr Verdauungssystem einen Ruck zu mehr Bewegung geben. Allerdings schwierig wird des bei einer Bettlägerigkeit, beispielsweise nach einer Operation, die den Patienten zur körperlichen Ruhe zwingt. Weshalb oftmals weibliche Personen betroffen sind, erklären hormonelle Schwankungen, die insbesondere in der Schwangerschaft oder auch in den Wechseljahren besonders hoch sind. Auch sie können sie negativ auf die reibungslose Darmentleerung auswirken. Auch Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden, wie beispielsweise Blutdruck senkende Mittel, Eisenpräparate oder Schmerzmittel, können die Darmtätigkeit beeinflussen. Wer ohnehin gesundheitliche Einschränkungen im Verdauungssystem auf Grund von akuten oder chronischen Krankheitsbildern hat, sollte in jedem Fall einen Arzt bei Darmträgheitsproblem konsultieren.

Unterstützende Maßnahmen und akute Soforthilfe

Eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung, eine täglich zureichende Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Bewegung sowie der Verzicht auf Genussmittel helfen, den Darm langfristig gesund und in seiner Tätigkeit aktiv zu halten. Unterschiedliche Mittel können helfen, den Darm wieder in Schwung zu bringen. Wenn aber Schnelligkeit gefragt ist, damit es einem wieder gut geht, greifen viele Betroffene zu sogenannten Laxantien. Dabei gibt es sehr unterschiedliche Abführmittel, die mit unterschiedlichen Wirkungsweisen versuchen, den Darm zu aktivieren und zu entleeren. Natürliche Quell- und Füllstoffe, wie Leinsamen, Weizenkleie oder Flohsamen, quellen mit reichlicher Flüssigkeitszufuhr im Darm auf, erweichen den Darminhalt und erhöhen somit das Darmvolumen. Hierdurch wird die Darmtätigkeit natürlich angeregt. Jedoch kann es bis zu drei Tagen dauern, bis das erwünschte Ergebnis erzielt wird. Darm stimulierende synthetische Abführmittel wirken auf die Darmmuskulatur, führen aber zu unangenehmen Begleiterscheinungen. Osmotisch, also wasserziehende, Abführmittel gibt es in zwei Formen. Einmal in ihrer Wirkungsweise im Darm und zum Anderen im Darminhalt direkt. Letztere sind sehr darmschonende und rein lokal wirkende Abführmittel – beispielsweise über Mini-Klistieren. Über solche Laxantien kann eine Darmerleichterung gezielt und sehr schnell, in etwa fünf bis zwanzig Minuten, erfolgen.

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