Rhetorik: „Führen durch Reden“ lernen von Barack Obama

Präsentationen – Prof. Jürgen Weibler, FernUniversität in Hagen, hat sich aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht mit den Reden befasst, die einen erheblichen Anteil daran hatten, dass Barack Obama die US-Präsidentenwahl gewann. Aus den Ergebnissen von Jürgen Weibler lassen sich nicht nur Hinweise für Führungskräfte in Organisationen und Unternehmen ableiten, die „durch Reden führen“ wollen. Der Hagener Forscher zeigt auch auf, was notwendig ist, wenn ein Kandidat sein Ziel erreicht hat – gleich ob er eine Führungsposition im Unternehmen oder ein hohes politisches Amt erreicht hat.

Führen durch Reden: Jürgen Weibler, Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Personalführung und Organisation an der FernUniversität in Hagen, hat die Reden von Barack Obama im Hinblick darauf analysiert, was Führungskräfte in Unternehmen von diesem – auch unabhängig von den anstehenden Wahlen in den USA – faszinierenden Redner lernen können.

Authentisch und glaubwürdig sein
Charakteristisch für Obamas Reden ist laut Prof. Jürgen Weibler, dass sie persönlich, wertebewusst, kopf- wie emotionsorientiert, integrierend, traditionsorientiert und doch zukunftsgewandt und stets kraftvoll sind. Seine intellektuelle und emotionale Überzeugungskraft machte bereits aus dem jungen Senator einen für viele faszinierenden Präsidentschaftskandidaten. Glück, das richtige Timing und besonders seine ungewöhnliche Biografie kamen hinzu.

Schon vor der Kandidatur hatte er auf verschiedenen Positionen Führungsqualitäten bewiesen: „Diese Erfahrungen und Beziehungen waren jeweils Grundlage für den folgenden Schritt nach oben“, analysiert Prof. Weibler, „Obama hat seine Lebensplanung an für ihn übergeordneten Zielen ausgerichtet“. Sein soziales Engagement für Arme und Benachteiligte zieht sich durchgängig durch seine Biografie. Dies und seine Überzeugung, dass vieles besser werden müsse, machten ihn ebenso glaubwürdig wie sein Bekenntnis zu seinen afrikanischen Wurzeln. Sein Themen-Timing war optimal, weil die Menschen damals unzufrieden mit der Situation unter George W. Bush waren.

Dabei vermittelte Obama ein „stimmiges“ Bild: „Das Publikum erkennt leicht, ob der Redner hinter dem steht, was er sagt“, so Weibler, Herausgeber des Buchs „Barack Obama und die Macht der Worte“ (VS-Verlag, Wiesbaden, 2010): Inhalt, Rhetorik und Biografie müssen zueinander passen. Dazu gehört auch die „Körperlichkeit“. Dass er tatsächlich handlungs- und durchsetzungsfähig ist, zeigte Obama gerne mit seinem Körper: jung, durchtrainiert, so kraftvoll wie seine Reden.

Reden planen, testen und entwickeln
Sein Erfolg lag auch darin, dass er den Zuhörenden Wege aufzeigte, ihnen aber viele Freiheiten für die individuelle Zielerreichung ließ. Um Kräfte freizusetzen muss man die Menschen zu Eigenverantwortung und selbstständigem Handeln motivieren. Und sich fragen: Was bedeutet die Verwirklichung meiner Ideen für andere? Weibler, Herausgeber des Buchs „Barack Obama und die Macht der Worte“ (VS-Verlag, Wiesbaden, 2010): „Das darf nicht auf Kosten anderer geschehen.“ Weibler rät Führungskräften daher, wie Obama erst in einem kleineren Kreis die Folgen einer Umsetzung ihrer Ideen zu diskutieren. Zudem kann man besser überzeugen, wenn man Gegenargumente „vordenkt“, und die „Deutungshoheit“ darüber gewinnt.

Für die Planung sollte man sein Publikum und dessen Wünsche und Sorgen kennen. Wichtig ist, möglichst schnell die Trennung zu ihm zu überwinden. Ein guter Zuhörer wie Obama schaut sein Gegenüber an, redet oft frei, hat nicht nur alle im Auge, sondern spricht auch einzelne gezielt an. Ob er sein Publikum „mitnimmt“ erkennt er an Kopfnicken oder dem Nachmachen seiner eigenen Gesten. Optimal ist es gelaufen, wenn die Zuhörenden motiviert wurden, die Botschaft zu verkünden. Solche „verschworenen Gemeinschaften“ findet man auch hierzulande in wertorientierten Organisationen und sogar in Unternehmen. Dafür müssen die Beschäftigten das Gefühl haben, an einer „größeren Sache“ teilzunehmen.

Überzeugend wirken nicht abstrakte Darstellungen, sondern konkrete Beispiele. Geschichten unterhalten und transportieren über Gefühle Botschaften, sprechen den ganzen Menschen an und nicht nur den Intellekt. Ein geschickter Schachzug Obamas sind daher seine Geschichten von normalen Menschen, die etwas in ihrem persönlichen Umfeld erreicht haben. Obamas Thema ist also immer auch die US-Gesellschaft mit ihren traditionellen Werten. Die Geschichten verbindet er mit seiner eigenen Biografie, seiner Identitätsfindung, seiner Suche nach Gerechtigkeit und seiner Arbeit für eine bessere Welt, mit seiner Liebe zu seiner Familie und mit seinem Lernen aus Niederlagen.

Weibler zieht daraus den Schluss, den Aufbau und den Text einer Rede präzise zu durchdenken: Schlüsselwörter müssen verwendet, Argumentationsketten zielgruppengenau aufgebaut und die passende Geschichte gefunden werden.

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